In einer strategischen Partnerschaft wollen Rheinmetall und Boeing das besatzungslose Kampfflugzeug MQ-28 von Boeing der Bundeswehr als Collaborative Combat Aircraft (CCA) anbieten. Das haben die beiden Unternehmen am 31. März mitgeteilt.

MQ-28 Ghost Bat für Australien

Die MQ-28 wurde in Australien für die Royal Australian Air Force sowie für weitere verbündete Nationen entworfen, entwickelt und hergestellt. Australien hat insgesamt 18 MQ-28 bestellt und einen Teil davon erhalten. Bisher hat die Ghost Bat bereits über 150 Flüge absolviert. Nach der Beschreibung von Boeing wurde die MQ-28 gezielt zur Unterstützung der Integration von Fähigkeiten Dritter konzipiert, Sie sei modular aufgebaut und anpassungsfähig und könne somit den sich wandelnden Anforderungen gerecht werden – sowohl hinsichtlich der Missionssysteme als auch der industriellen Anforderungen. Die autonomen Fähigkeiten ermöglichen ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten, darunter Aufklärung, elektronische Kampfführung und die Integration von Waffensystemen.

Das 11,7 Meter lange Flugzeug wiegt 3,2 Tonnen. Der Nutzlastanteil wird auf 500 Kilogramm geschätzt. Bei einer Reichweite von mehr als 3.700 Kilometern kann die MQ-28 eine Einsatzflughöhe von mindestens 12 Kilometer erreichen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 0,9 Mach (über 1.100 Kilometer/h) angegeben. Die neueste Version Block 3 mit auf 7,3 Meter vergrößerter Spannweite verfügt über einen internen Waffenschacht.

Mit dem Innovationshub soll die Einsatzverfügbarkeit unter anderem der Hochleistungsradare TRML-4D für die ukrainische Luftverteidigung gestärkt werden.

Information in Australien

Während seines Aufenthalts in Australien hat sich Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius aus erster Hand zu der neuen Klasse der Jagdbomberdrohnen informieren lassen. Die Bundeswehr will mit einer Marktsichtung und Tests der verschiedenen Modelle von verschiedenen Herstellern das beste Modell für die Bundeswehr finden.

Im Rahmen der Partnerschaft wird Rheinmetall als Systemmanager für die MQ-28 in Deutschland fungieren, heißt es in der Mitteilung. Das Unternehmen werde die Systemintegration in bestehende und zukünftige Führungs- und Waffensysteme der Bundeswehr sowie die Anpassung an nationale Anforderungen überwachen. Zudem werde Rheinmetall die operative, wartungstechnische und logistische Unterstützung sicherstellen. Dabei greife das Unternehmen auf seine Erfahrung im Bereich von Kampfflugzeugen der 5. Generation und bei unbemannten Systemen sowie auf seine starke industrielle Basis zurück.

Nationale und souveräne Wertschöpfung

Die strategische Partnerschaft soll ein hohes Maß an nationaler und souveräner Wertschöpfung sowie Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleisten. Die offene, modulare Systemarchitektur der MQ-28 Ghost Bat ermöglicht kontinuierliche Upgrades und eine schnelle Erweiterung der Fähigkeiten. Rheinmetall wird eine dedizierte digitale Umgebung bereitstellen, in der Ingenieure aus Deutschland und Australien gemeinsam neue Software- und Hardware-Innovationen entwickeln, testen und validieren.

Rheinmetall als Systemintegrator

„Mit Boeing Defence Australia als Partner legen wir den Grundstein, um die MQ-28 optimal auf die Anforderungen der Bundeswehr zuzuschneiden”, sagte Rheinmetall-CEO Armin Papperger. „Als Systemintegrator stellen wir sicher, dass Integration, Betrieb und Weiterentwicklung aus einer Hand erfolgen und stärken gleichzeitig die industrielle Wertschöpfung in Form eines industriellen Hubs in Deutschland und Europa. Wir sehen für Rheinmetall dabei ein Umsatzpotenzial im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.“

„Dies ist nicht nur eine Partnerschaft zwischen unseren Unternehmen, sondern zwischen zwei großen Ländern – Deutschland und Australien – die ähnliche Strategien zur Integration von Kampfflugzeugen in ihre Luftstreitkräfte verfolgen“, ergänzte Brendan Nelson, President von Boeing Global. Im Rahmen der Zusammenarbeit werde die deutsche Industrie auf jahrelange australische Innovationen und Investitionen zurückgreifen, um die MQ-28 für die Bundeswehr einzuführen und weiterzuentwickeln.

Wettbewerb um die CCA-Fähigkeit bis 2029

Die Zusammenarbeit unterstützt die gemeinsame Entwicklung, Erprobung und den systematischen Ausbau des deutschen Anteils an der in Australien entwickelten Plattform. Dadurch kann die Bundeswehr eine CCA-Fähigkeit bis 2029 erheblich schneller einsetzen.

Der Eurofighter und die F-35A sollen CCA-fähig werden. Dafür haben die Flugzeugbauer zahlreiche Alternativen im Angebot. Airbus entwickelt für diesen Zweck die Drohne Valkyrie. General Atomics hat im Dezember 2025 Gambit präsentiert. Lockheed Martin hat Vectis im Programm. Grob, Helsing und Hensoldt bringen die CA-1 Europa auf den Markt. Für Wettbewerb ist also gesorgt.

Gerhard Heiming