Der US-amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin hat am 21. September mit einer Pressemitteilung ein neues unbemanntes Kampfflugzeug namens „Vectis“ vorgestellt. Das System wird als „Collaborative Combat Aircraft“ (CCA) der Gruppe 5 entwickelt und soll als autonomer „Wingman“ bemannte Kampfflugzeuge der fünften und sechsten Generation im Einsatz begleiten. Die Entwicklung erfolgt durch die konzerneigene Innovationsabteilung „Skunk Works“, die für einige der bekanntesten Luftplattformen des US-Militärs verantwortlich ist.

Fähigkeiten und Designziele der „Vectis“-Plattform
Laut Lockheed Martin ist „Vectis“ das Ergebnis der langjährigen Expertise des Unternehmens in der Entwicklung von Kampfflugzeugen, autonomen Systemen und offenen Missionsarchitekturen. In der Mitteilung betont OJ Sanchez, Vizepräsident von „Skunk Works“, man schaffe nicht nur eine neue Plattform, sondern ein „neues Paradigma für die Luftmacht“, das auf einem hochleistungsfähigen, anpassbaren und erschwinglichen Rahmen basiere. Das Unternehmen hebt hervor, dass sich das System nahtlos in einen „Systemfamilien“-Verbund mit Flugzeugen wie der F-35 integrieren lassen soll. Die Missionsflexibilität sei breit ausgelegt und umfasse Präzisionsschläge, ISR-Aufklärung, elektronische Kampfführung sowie offensive und defensive Luftverteidigungsaufgaben. In Bezug auf die Reichweite gibt der Konzern an, dass diese für Einsätze im Indopazifik oder Europa ausgelegt sei.
Lockheed Martin verweist zudem auf seine jahrzehntelange Erfahrung in der Tarnkappentechnologie, um eine in dieser Klasse führende Überlebensfähigkeit zu gewährleisten. Durch fortschrittliche Fertigungsmethoden strebt der Konzern einen wettbewerbsfähigen Preis an und verfolgt den ambitionierten Zeitplan, innerhalb von zwei Jahren einen Prototyp zu entwerfen, zu bauen und zu fliegen.
Erste veröffentlichte Designkonzepte zeigen eine schwanzlose Drohne mit einem Lambda-Flügel und oben angebrachtem Lufteinlass. Das vordere Ende des Rumpfes und die schaufelartige Form der Nase, sowie verschiedene Antennen und Sensoröffnungen verdeutlichen das Tarnkappendesign von „Vectis“.
Skunk Works: hochautonom und geheim
Die Entwicklung von „Vectis“ liegt in den Händen von Skunk Works, dem offiziellen Pseudonym für die „Advanced Development Programs“ (ADP) von Lockheed Martin. Diese Abteilung ist für eine Reihe hochgeheimer Forschungs- und Entwicklungsprogramme sowie für die Konstruktion einiger der fortschrittlichsten Flugzeuge der Militärgeschichte verantwortlich. Zu ihren bekanntesten Projekten gehören das Spionageflugzeug U-2, der Mach-3-Aufklärer SR-71 Blackbird, der erste Tarnkappenbomber F-117 Nighthawk sowie die modernen Kampfflugzeuge F-22 Raptor und F-35 Lightning II. Der Name „Skunk Works“ leitet sich von einer Fabrik im Comicstrip „Li’l Abner“ ab und ist heute in der Industrie ein gängiger Begriff für hochautonome Projektgruppen, die unbürokratisch an geheimen oder zukunftsweisenden Technologien arbeiten.

Das Rennen um die zukünftige Lufthoheit
Die Vorstellung von „Vectis“ erfolgt in einer Zeit, in der die USA und ihre strategischen Konkurrenten intensiv an den Luftkampfsystemen der nächsten Generation arbeiten. Auch China präsentierte während einer Militärparade mehrere Typen unbemannter Luftplattformen, die „Vectis“ zumindest optisch ähneln.
Insbesondere im großflächigen Operationsgebiet des Indopazifiks, indem Reichweite und Masse entscheidend sind, könnten solche unbemannten Systeme eine zentrale Rolle spielen. Konzepte wie CCAs sollen als kosteneffiziente „Force Multiplier“ dienen, die Risiken für Piloten minimieren und die Schlagkraft bemannter Formationen erhöhen. Der bei „Vectis“ betonte Fokus auf die Kompatibilität mit der F-35 und die Auslegung auf offene Architekturen signalisieren den Willen der USA, eine integrierte und vernetzte Luftüberlegenheit zu sichern, die auch für Verbündete zugänglich ist.
Jannis Düngemann













