Der deutsche Panzerbauer KNDS Deutschland und der italienische Verteidigungskonzern Leonardo wollen gemeinsam ein mobiles Artilleriesystem entwickeln. In Amsterdam, dem Sitz der KNDS-Holding haben der zukünftige CEO von KNDS Deutschland, Florian Hohenwarter, und der CEO und General Manager von Leonardo, Roberto Cingolani, am 16. Dezember eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Darüber haben beide Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung informiert.
Mobiles Artilleriesystem auf gepanzerten Radfahrzeugen
Das mobile Artilleriesystem soll auf Basis des KNDS Artillery Gun Module (AGM) und einer verbesserten Version der geschützten Radfahrzeugplattform von Leonardo entwickelt werden, heißt es in der Mitteilung.
Das AGM wurde als RCH 155 auf einem Boxer als mobile Radhaubitze erstmals 2021 präsentiert. Alleinstellungsmerkmal der RCH 155 ist das Schießen während der Fahrt. Die RCH 155 soll in nächster Zeit für die Bundeswehr und die British Army beschafft werden. Das Artilleriesystem ist zwischenzeitlich für die Schweiz auf dem Heavy Mission Carrier (Piranha 10 x 10) und für Spanien auf dem Kettenfahrzeug Nemesis integriert worden.
Aus dem Portfolio von Leonardo könnte der 8×8 Radpanzer Centauro als Träger für das AGM genutzt werden. Die 2006 daraus entwickelte Version „Freccia“ ist in den Grunddaten mit dem GTK Boxer vergleichbar. Das Fahrzeug vom Joint Venture Consorzio Iveco-Oto Melara (CIO) gebaut, dessen beide Anteilseigner zur Leonardo-Gruppe gehören.
Zusammenarbeit von Leonardo und KNDS
Die Kombination aus Leonardos modernster Elektronik, C5I, UAV-Verteidigungstechnologien und neuer Radfahrzeugplattform mit dem fortschrittlichsten Artilleriesystem von KNDS wird erheblich zur Steigerung der Kampfkraft und Effektivität des Systems beitragen, schreibt KNDS.
Die beiden Unternehmen wollen in industrieller Zusammenarbeit die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette verbessern und die Zeit zur Markteinführung verkürzen. Die gemeinsame Lösung ist als Angebot für das bevorstehende Beschaffungsprogramm der italienischen Armee vorgesehen.
„Diese Absichtserklärung ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Interoperabilität der europäischen Landstreitkräfte und der Zusammenarbeit der europäischen Industrie“, sagt Hohenwarter. „Diese Zusammenarbeit bestätigt einmal mehr unser Engagement für die Entwicklung integrierter Fähigkeiten, die den sich wandelnden Marktanforderungen in den neuen Einsatzszenarien gerecht werden“, sagt Cingolani.

Kampf- und Schützenpanzer für Italien
Vor zwei Jahren haben Leonardo und KNDS Deutschland bereits über eine Zusammenarbeit verhandelt. Damals war das Thema die Lizenzfertigung des Kampfpanzers Leopard 2 A8. Wegen Differenzen bei der Konfiguration des Panzers und über die Beteiligung von Leonardo wurden die Gespräche Mitte 2024 abgebrochen. In die Lücke ist Rheinmetall gestoßen, deren Joint Venture Leonardo Rheinmetall Vehicles mit der Entwicklung und Produktion von Kampfpanzern Panther KF 51 und Schützenpanzern Lynx für den italienischen Bedarf beauftragt ist.
Gerhard Heiming















