Die British Army will mit dem Land Mobility Program (LMP) ab 2028 über 7.000 leicht, mittlere und schwere Radfahrzeuge ersetzen. Dafür wurden drei Fahrzeugklassen gebildet, die sich vor allem durch Schutz und Gefechtsgewicht unterscheiden – ähnlich dem Bundeswehr-Programm „Geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeuge“. Derzeit wird der Wettbewerb vorbereitet, der im nächsten Jahr gestartet werden soll. Dazu bringen sich die Wettbewerber in Position, bilden zum Teil internationale Konsortien und stellen Beispiele ihrer infrage kommenden Produkte in nationalen und internationalen (Messe-)Auftritten vor.

Fahrzeugkategorien des LMP
In der Kategorie Light Mobility Vehicle (LMV) wird Teilschutz auf dem Level 1 nach STANAG 4569 gefordert; inklusive optionaler Schutzkits. Das Gefechtsgewicht von sechs Tonnen darf, bei einer Nutzlast von mindestens einer Tonne, nicht überschritten werden.
Fahrzeuge der Kategorie Light Protected Mobility Vehicle (LMP) sind entsprechend Level 2-3 geschützt und auf ein Gefechtsgewicht von acht Tonnen begrenzt. Als Nutzlast sind bis zu zwei Tonnen gefordert.
Medium Protected Mobility Vehicle (LMP) sind gemäß Level 3 bis 4 zu schützen. Die Obergrenze für das Gefechtsgewicht ist 16 Tonnen mit einer Nutzlast bis zu vier Tonnen.
Alle Fahrzeuge müssen mit Hubschraubern vom Typ CH-47 intern oder als Außenlast transportiert werden können. In das Transportflugzeug A400M müssen zwei Fahrzeuge passen (MPM nur eins), in die C-130J eins (für MPM Soll-Forderung). Die Wertschöpfung muss zu mindestens der Hälfte im Vereinigten Königreich erfolgen. Als Budget für die erste Phase wurde ein Betrag von 2,5 Milliarden Euro genannt.
Zu den Zielen des Programms gehört die Reduzierung der Typenvielfalt von derzeit 16 Plattformen auf drei Kernfamilien.

Dingo 3 und AMPV für LMP
Für die Kategorien LPM und MPM haben Supacat und KNDS Deutschland in einem Memorandum of Understanding (MoU) vereinbart, gemeinsam Fahrzeuge anzubieten – mit der Dingo-3-Plattform und Varianten des weiterentwickelten APMV als Schwerpunkt. Das AMPV wurde als Führungs- und Verbindungsfahrzeug auf der DSEI 2025 vorgestellt. Es soll eine Fahrzeugfamilie entstehen, die den zukünftigen Anforderungen des Verteidigungsministeriums an Truppentransportfahrzeuge, Krankenwagen und Kommandofahrzeuge gerecht wird.
| Kennwert | Dingo 3 | AMPV |
| Gefechtsgewicht | 14,8 t | 9,9 t |
| Nutzlast | 3 t | 2,6 t |
| Motorleistung | 240 kW | 200 kW |
Partnerschaft Supacat – KNDS Deutschland
Im Rahmen der Absichtserklärung wird Supacat die Fertigung, die Anpassung des Designs und integrierte Support-Lösungen in Großbritannien von seinem neuen hochmodernen Produktionsstandort in Devon aus leiten, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung vom 13. November. Dieser Ansatz stelle sicher, dass die Fahrzeugproduktion, die Integration und der Support während der gesamten Lebensdauer innerhalb des Vereinigten Königreichs erfolgen, was erhebliche wirtschaftliche und industrielle Vorteile mit sich bringt. Die Zusammenarbeit biete auch die Möglichkeit, die Weltklasse-Plattform HMT, das weltweit bevorzugte Fahrzeug der Spezialeinheiten, über einen führenden Verteidigungspartner der Europäischen Union den Ländern der Europäischen Union im Rahmen eines gemeinsamen Einkaufs anzubieten.

KNDS-Fertigung in UK
KNDS bringt seine umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung und Unterstützung von kampferprobten gepanzerten Fahrzeugen wie der Dingo-Familie, die bei zehn NATO- und verbündeten Nationen im Einsatz ist, in die Partnerschaft ein. Supacat, bekannt für seine hochmobilen Fahrzeuge der HMT-Serie, die bei britischen und internationalen Streitkräften im Einsatz sind, ergänzt dies mit einem tiefen Verständnis der britischen Verteidigungsanforderungen und einer Erfolgsbilanz bei der Lieferung maßgeschneiderter Fahrzeuglösungen.
Für die Realisierung könnte KNDS in Großbritannien eine ähnliche Fertigungslösung einrichten, wie sie bereits für die lokale Produktion von Boxer besteht.
Team LionStrike – Lösung für LMV
Am 13. November hat das Team LionStrike, dem GM Defense, BAE Systems und NP Aerospace angehören, auf dem Millbrook Proving Ground, drei bewährte, handelsübliche (COTS) leichte und vielseitige Militärfahrzeuge für die Kategorie LMV einem Fachpublikum vorgestellt: den Chevrolet S10 Work Truck, mit Platz für vier Besatzungsmitglieder, den Silverado 1500 ZR2 – eine leichte, leistungsstärkere Variante mit Platz für 5 Besatzungsmitglieder und das Infantry Squad Vehicle- Utility (ISV-U) – basierend auf der Chevrolet Colorado ZR2-Plattform, mit Platz für bis zu 5 Besatzungsmitglieder, wie GM Defense mitgeteilt hat. Demnach baut das Team LionStrike eine nachhaltige Lieferkette und ein Lieferökosystem in Großbritannien auf.
Weitere Anbieter für das LPM
Zahlreiche Anbieter weltweit haben ihr Interesse am LMP angemeldet und ihre Lösungen ins Spiel gebracht. Dazu gehören Rheinmetall mit dem Caracal und Supacat mit dem HMT 400/600 in der leichten Kategorie LMV. In der leicht geschützten Klasse LPM bietet Thales den Hawkei, Oshkosh das JLTV, Rheinmetall den Survivor und Arquus den Fortress light an. Während für die leichten Klassen nur 4×4-Fahrzeuge im Angebot sind, verlangt das Gewicht der Klasse MPV ein 6×6 Laufwerk. Anbieter sind Patria mit Babcock (CAVS), Rheinmetall (Boxer 6×6), Arquus (VAB Mk3) und GDELS (Eagle V).

Ablauf im LMP
Nachdem sich die britische Beschaffungsbehörde u.a. mit einer Informationsanfrage (RFI) im Januar 2025 eine Marktübersicht verschafft hat, wird die Ausschreibung für Anfang 2026 erwartet. Auswahlentscheidungen sollen 2027 erfolgen, gefolgt von Produktionsaufträgen. Als geplante erste Auslieferungsphase wurde 2028 bis 2030 angegeben.
Gerhard Heiming









