Der italienische Rüstungskonzern Leonardo hat offensichtlich den Bieterwettbewerb gewonnen (ESuT berichtete) und konnte eine Vereinbarung zur Übernahme des Spezialisten für taktische Fahrzeuge und militärische Logistikfahrzeuge, Iveco Defence Vehicles (IDV) abschließen. Wie Leonardo am 30. Juli mitgeteilt hat, wurde die Übernahme zu einem Gesamtunternehmenswert von 1,7 Milliarden Euro vereinbart. Die Transaktion werde aus verfügbaren Barmitteln finanziert. Mit der Übernahme wird IDV aus der Iveco Group ausgegliedert.
Der genannte Wert liegt über den bisher genannten Beträgen. Für die italienische Regierung bedeutet die Übernahme, dass dem Land eine Schlüsselindustrie erhalten bleibt.

Bedeutung der Übernahme
Das Unternehmen ist bereits über das Joint Venture Consortio Iveco Oto Melara (CIO) mit Iveco verbunden. Oto Melara wurde 2016 von Leonardo übernommen. CIO produziert gepanzerte Gefechtsfahrzeuge wie beispielsweise den Kampfpanzer Ariete und das radbasierten 8×8-Kampfunterstützungsfahrzeug Centauro. Außerdem gibt es seit November 2024 einen Vertrag zwischen Leonardo und Iveco zur Lieferung von Funktionsteilen für künftige Aufträge im Rahmen des Joint Ventures „Leonardo Rheinmetall Military Vehicles“. Rheinmetall würde in das zukünftige Unternehmen seine Expertise als Lkw-Hersteller einbringen können.
Für Leonardo ist diese strategische Akquisition ein wichtiger Schritt in dem Plan des Unternehmens, seine Rolle als führender, voll integrierter Originalausrüstungshersteller (OEM) im Bereich der Landverteidigung zu stärken. Die Akquisition erweitere das umfassende Portfolio des Konzerns an Lösungen für Verteidigung und Sicherheit, das sowohl Ketten- als auch Radfahrzeuge umfasst.
„Die Akquisition von Iveco Defence Vehicles ist ein wichtiger Meilenstein bei der Umsetzung unserer anorganischen Wachstumsstrategie und unterstützt die vollständige Umsetzung unseres Industrieplans“, erklärte Roberto Cingolani, CEO und General Manager von Leonardo. „Diese Transaktion stärkt die Position von Leonardo als Referenzunternehmen auf dem europäischen Landverteidigungsmarkt, einem Segment, für das in den kommenden Jahren ein anhaltendes Wachstum erwartet wird.“
Zielsetzungen
Eines der ersten Ziele wird die Integration der elektronischen Systeme von Leonardo – darunter eine komplette Suite von Sensoren für die Kampfelektronik und Türme der nächsten Generation – in die Fahrzeuge von IDV sein, die eine maximale Effektivität der vorgeschlagenen operativen Lösungen gewährleisten soll, schreibt Leonardo. Das hochspezialisierte Know-how in den jeweiligen Branchen, kombiniert mit robusten Logistik- und Fertigungskapazitäten, soll zu einer höheren betrieblichen Effizienz und einer Beschleunigung der gemeinsamen technologischen Entwicklung führen und gleichzeitig neue Möglichkeiten für die Entwicklung beruflicher Fähigkeiten und die Förderung von Talenten schaffen.
Darüber hinaus will Leonardo in Zusammenarbeit mit seinem Partner Rheinmetall potenzielle Möglichkeiten im Bereich der Schwerfahrzeugsysteme evaluieren.
Joint Venture LRMV
Bekanntlich haben Rheinmetall und Leonardo im Oktober 2024 das Joint Venture „Leonardo Rheinmetall Military Vehicles“ (LRMV) gegründet, das im Januar 2025 behördlich genehmigt worden ist. Hauptziel des Joint Ventures soll die Entwicklung und Vermarktung des neuen italienischen Kampfpanzers auf Basis des Rheinmetall Panthers KF51 sowie das Schützenpanzersystem „Armoured Infantry Combat System (AICS)“ auf Lynx-Basis sein (ESuT berichtete). Bis in die 2030er Jahre hinein sollen für rund 20 Milliarden Euro insgesamt rund 200 Kampfpanzer auf Basis des KF51 sowie 1.000 AICS auf Lynx-Basis produziert werden. Neben den Hauptvarianten sind auch Unterstützungsversionen wie Berge-, Aufklärungs- oder Flugabwehrpanzer der jeweiligen Systeme geplant.
Closing im ersten Quartal 2026
Um die Übernahme durchführen zu dürfen, müssen Genehmigungen der italienischen Regierung und der europäischen Wettbewerbsbehörde vorliegen. Leonardo erwartet die Entscheide im ersten Quartal des kommenden Jahres. Dann kann mit dem Closing die Transaktion abgeschlossen werden.
Gerhard Heiming
















