Am Tag nach der Billigung durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat das BAAINBw mit Patria Land zwei Rahmenverträge zur Lieferung von bis zu 876 Transportpanzern (TPz) Patria 6×6 in vier Varianten angeschlossen.

Als Nachfolger für den TPz Fuchs bieten die schwimmfähigen Fahrzeuge nach Beschreibung des BAAINBw nicht nur höchste Mobilität und Schutz in komplexen Einsatzszenarien, sondern durch die Einbindung der nationalen Industrie auch eine lokale Fertigung, Wartung und Versorgungssicherheit.

Die zu liefernden Fahrzeuge setzen sich zusammen aus den Varianten zehn APC (schwedische Konfiguration), 170 (plus 54 Option) Pioniergruppe, 48 (plus 14 Option) Panzeraufklärungsgruppe und Mörserträger NEMO. Die Anzahl Mörserträger wurde nicht bekanntgegeben.

Produktionskapazität für Patria 6×6

Nach Information Patria sollen die Auslieferungen 2026 beginnen, gefolgt vom Technologietransfer von Patria an die deutschen Industriepartner Flensburger Fahrzeug (FFG), Jungenthal Wehrtechnik (JWT) und KNDS Deutschland, mit denen Patria Anfang 2024 eine Vereinbarung über eine industrielle Zusammenarbeit unterzeichnet hat. Die ersten vollständig vor Ort gebauten gepanzerten Fahrzeuge werden 2027 ausgeliefert, und die volle lokale Produktionskapazität wird aufgebaut, um den möglichen zukünftigen Bedarf der Bundeswehr zu decken.

Erfahrung im Technologietransfer

„Ich freue mich, bekannt geben zu dürfen, dass diese CAVS-Verträge mit Deutschland über Patria 6×6 und Patria NEMO den größten Einzelauftrag in der Geschichte von Patria darstellen und unser 6×6-Panzerfahrzeug zum europäischen Standard machen.  …  Das deutsche CAVS-Programm wird zum Ziel der deutschen Bundeswehr beitragen, bis 2029 volle Einsatzbereitschaft zu erreichen, und Patria ist stolz darauf, Teil dieser Entwicklung zu sein“, sagt Esa Rautalinko, Präsident und CEO von Patria.

„Patria verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Technologietransfer in mehrere Länder auf drei verschiedenen Kontinenten. Zusammen mit unserem lokalen deutschen Industrieteam sind wir bereit und in der Lage, der Bundeswehr alle gewünschten gepanzerten Fahrzeuge zu liefern und eine lokale Versorgungssicherheit aufzubauen“, sagt Jussi Järvinen, Executive Vice President des Geschäftsbereichs Protected Mobility von Patria.

Internationales CAVS-Programm

Deutschland ist 2023 dem CAVS-Programm beigetreten und hat nun die Phase der vollständigen Lieferung eingeleitet. Die deutschen Lösungen bieten auch anderen Mitgliedern neue Elemente, die sie nutzen können.

Das von den finnischen Streitkräften geleitete CAVS-Programm umfasst Patria zufolge derzeit sieben Mitgliedsländer: Finnland, Lettland, Schweden, Deutschland, Dänemark, das Vereinigte Königreich und Norwegen. Erste Fahrzeuge sind auch in der Ukraine im Einsatz. Innerhalb des CAVS-Programms wird die Entwicklung des 6×6-Panzerfahrzeugsystems von Patria geleitet, das über mehr als vier Jahrzehnte Erfahrung in der Entwicklung und Lieferung modernster geschützter Truppentransport- und Systemintegrationslösungen verfügt. Der Großteil der Fahrzeuglieferungen erfolgt unter Nutzung der lokalen Industriekapazitäten der Mitgliedsländer, und jedes neue Land stärkt damit automatisch die Versorgungssicherheit für das gesamte Kooperationssystem.

Bei fast 2.000 Bestellungen für die Patria 6×6 sind bisher mehr als 250 Fahrzeuge ausgeliefert.

Gerhard Heiming