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Interview mit Jens Schlüter, Leiter Vertrieb und Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung der DREHTAINER GmbH

ES&T: Welche Arten von Produkten und Dienstleistungen bietet DREHTAINER seinen zivilen und militärischen Kunden?

Schlüter: Als Hersteller von Spezialcontainern hat sich DREHTAINER besonders auf den Aspekt des Schutzes spezialisiert. Dieser kann auf verschiedene Arten verstanden werden: zum einen im Sinne der Sicherung militärischer Einrichtungen gegen verschiedene Bedrohungslagen, aber auch sinnbildlich für die verantwortungsvolle Umsetzung geltender Normen aus Industrie und Nukleartechnik.

Die Kombination aus Mobilität und Schutz stellt eine besondere Herausforderung dar - Interview mit Jens Schlüter
Jens Schlüter, Leiter Vertrieb und Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung der DREHTAINER GmbH

Um den militärischen Schutz gewährleisten zu können, wurden DREHTAINER-Produkte in zahlreichen Versuchen in Wehrtechnischen Dienststellen sowie auch in vergleichbaren Einrichtungen und Instituten von internationalen Kunden gemäß der einschlägigen STANAG getestet. Auf diesem Wege konnte sich DREHTAINER eine einzigartige Expertise aufbauen, dank derer im Einsatzland bereits mehrfach den in DREHTAINER-Containern untergebrachten Soldaten bei direkten Raketentreffern das Leben gerettet wurde.

Im unternehmenseigenen Beschusskanal sowie dem Containerteststand werden in enger Zusammenarbeit mit Klassifikationsgesellschaften und Sachverständigenorganisationen sowohl die eigenen als auch Konstruktionen anderer Hersteller qualifiziert.

Unsere Produktpalette reicht von Einzelcontainern bis hin zu großen Gebäudekomplexen, die aus einer Vielzahl von Containern modular zusammengestellt werden. Die Nutzungszwecke reichen dabei von  klassischen militärischen bis hin zu zivilen Anwendungen, wie Werkstätten und Labore, aber auch Spezialtransporte etwa für Satelliten.

Bei allen Produkten handelt es sich um individuelle Lösungen, die von unserem Team auf Grundlage jahrzehntelanger Erfahrung entwickelt und gefertigt werden. So ist es uns möglich, auch die herausforderndsten Kundenwünsche zu meistern und außergewöhnliche Lösungen zu finden.

Die Kombination aus Mobilität und Schutz stellt eine besondere Herausforderung dar - Interview mit Jens Schlüter
Lieferung und Aufbau eines geschützten Gebäudes für die Heron-Mission in Gao, Mali durch DREHTAINER (Fotos: DREHTAINER)

ES&T: Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Aktivitäten im Bereich Sicherheit und Verteidigung?

Schlüter: Hier haben sich in den letzten Jahren zwei Bereiche herauskristallisiert: Zum einen sind das Gefechtsstände und zum anderen Infrastruktur für Feldlager.

Zu den Feldlagerlösungen gehören in erster Linie alle Arten geschützter und ungeschützter containerbasierter Gebäude. In ihnen lassen sich die verschiedensten Funktionalitäten abbilden: Unterbringung, Büros, Kantinen oder Hospitäler sind nur einige Beispiele. Alle Gebäude basieren auf dem von DREHTAINER entwickelten und bereits tausendfach bewährten Kopplungssystem. Die Container werden dafür so gefertigt, dass sie mittels universeller Kopplungen miteinander verbunden werden können. So ist es nicht nur möglich, noch vor Ort die Anordnung der einzelnen Container zu verändern. Nach diesem Prinzip gefertigte Gebäude lassen sich auch problemlos erweitern und beliebig oft ab- und wieder aufbauen. Zusätzlich zu den beschriebenen Gebäuden zählen auch weitere Sicherheits- und Kontrolleinrichtungen zum Bereich der Feldlagerinfrastruktur. Beispielhaft lassen sich hier containerbasierte Wachtürme und Roadblocker sowie Checkpoints und Durchgangskontrollen nennen.

Gegenwärtig einer der wichtigsten Bereiche für uns sind aber ganz klar die Gefechtsstände. Auch diese speziellen militärischen Einrichtungen basieren auf dem bereits beschriebenen Kopplungssystem für modulare Gebäude. Aufgrund ihrer besonderen Verwendung stellen sie aber ganz spezielle Anforderungen an den Aspekt des Schutzes. Neben dem Schutz vor Blast oder ballistischen Bedrohungen spielt bei Gefechtsständen vor allem die HF-Schirmdämpfung eine entscheidende Rolle.

Bisher wurden durch DREHTAINER bereits Gefechtsstände mit den verschiedensten Größen und Schutzanforderungen entwickelt und gefertigt. Kunden sind dabei unter anderem Deutschland, die Niederlande oder auch Großbritannien.

Die Kombination aus Mobilität und Schutz stellt eine besondere Herausforderung dar - Interview mit Jens Schlüter
Die Kombination aus Mobilität und Schutz stellt eine besondere Herausforderung dar - Interview mit Jens Schlüter
Die Kombination aus Mobilität und Schutz stellt eine besondere Herausforderung dar - Interview mit Jens Schlüter
Der geschützte F-35-Gefechtsstand DSAPF für die Britische Royal Air Force in den Fertigungshallen von DREHTAINER
Die Kombination aus Mobilität und Schutz stellt eine besondere Herausforderung dar - Interview mit Jens Schlüter
Briefingraum des DSAPF-Gefechtsstandes bestehend aus zwei gekoppelten Containern

ES&T: Welches sind aus Ihrer Sicht die Gründe, aus denen sich Ihre Produkte in besonderem Maße für die Einrichtung von verlegefähigen Gefechtsständen eignen?

Schlüter: Zum einen ist da natürlich das bereits beschriebene Kopplungssystem für modulare Gebäude zu nennen. Auf seiner Grundlage lassen sich die Gebäude zum Teil sehr variabel und angepasst an die jeweilige Einsatzaufgabe konfigurieren oder abschnittsweise errichten.  Zusätzlich ermöglicht das Kopplungssystem einen schnellen Auf- und Abbau am Einsatzort, um auch Einsätze von mittlerer und kurzer Dauer zu gewährleisten sowie die Möglichkeit, das System um zusätzliche Einheiten zu erweitern, sodass es auch für zukünftige Anforderungen gerüstet ist.

Aufgrund der Verwendung im Bereich C4I handelt es sich bei den verlegefähigen Gefechtsständen um taktische Einrichtungen, die besondere Anforderungen an den Schutz stellen. Die Gebäude sind daher regelmäßig gemäß STANAG 2280 gegen ballistische Bedrohungen zum Beispiel in Form von direkten Granaten- oder Raketentreffern geschützt. Darüber hinaus sind wichtige Teile der Arbeitsbereiche HF-geschirmt. Auch möglichen CBRN-Bedrohungen wird Rechnung getragen.

Die Kombination von Mobilität und Modularität mit den speziellen Anforderungen an Schutz und HF-Schirmdämpfung stellt eine besondere Herausforderung dar, der die von DREHTAINER entwickelten Lösungen in besonderem Maße gerecht werden. Beispiele für entsprechende Systeme sind unter anderem das GSCS (Ground Support Container System Eurofighter) oder die Container für den Gefechtsstand er Mission Counter Daesh für das Konsortium der Systemhäuser ESG und steep sowie die beiden F-35-Gefechtsstände für die Niederlande und Großbritannien.

ES&T: Was waren die Besonderheiten bei der Entwicklung der Gefechtsstände zum Betrieb des Waffensystems F-35 Lightning II, die Sie an die Streitkräfte der Niederlande und Großbritannien geliefert haben?

Schlüter: Konstruktiv lagen die Herausforderungen ganz klar in der Mobilität des Gesamtsystems bei gleichzeitiger Gewährleistung der Schirmdämpfung für die empfindlichen Bereiche des Gebäudes. Hier mussten Lösungen entwickelt werden, die einer Nutzung im Rahmen von Einsätzen von kurzer bis mittlerer Dauer gerecht werden und auch nach mehrfachem Auf- und Abbau noch die hohen Schirmdämpfungswerte erfüllen.

Aufgrund der Nutzung der Gefechtsstände im Rahmen des Programms JSF F-35 Lightning II waren nicht nur die britischen und niederländischen Auftraggeber in die Entwicklung der Gefechtsstände eingebunden. Maßgebliche Forderungen nach Datensicherheit und HF-Schirmung wurden von den zuständigen amerikanischen Behörden formuliert. Erst mit Zertifizierung des von DREHTAINER entwickelten Gesamtkonzepts für das SAPF (Special Access Program Facility) durch eben diese Behörden konnte mit der detaillierten Konstruktion und Fertigung begonnen werden.

ES&T: Wo sehen Sie in absehbarer Zukunft Chancen für die DREHTAINER GmbH, sich an Entwicklungen im Bereich Sicherheit und Verteidigung zu beteiligen?

Schlüter: Bei den bisher gelieferten Gefechtsständen für die F-35 handelt es sich um erste Produkte einer Serie, die der Truppenerprobung sowie der Ausbildung und dem Training von Piloten und Bodenpersonal dienen sollen. Weitere Systeme wurden durch die Kunden bereits in Aussicht gestellt und befinden sich zum Teil bereits in Planung oder stehen kurz vor Vertragsabschluss. Da neben den Niederlanden und Großbritannien zahlreiche weitere Nationen die Einführung der JSF F-35 Lightning II beabsichtigen oder bereits begonnen haben, sehen wir noch großes Potenzial für die von uns entwickelten Lösungen. Darüber hinaus bleibt auch die Bundeswehr beim Thema verlegefähige Gefechtsstände in Zukunft ein wichtiger Kunde und Partner.

Aufgrund sich stetig verändernder und verschärfender Bedrohungslagen weltweit sehen wir auch im Bereich der Feldlager infrastruktur und geschützten Containergebäude Potenziale für die Zukunft. Dabei steht die besondere Verantwortung für den Schutz der in unseren Containern untergebrachten und arbeitenden Personen im Vordergrund. Unsere Aufgabe für die Zukunft besteht daher in der beständigen Weiterentwicklung und fortlaufenden Erweiterung unserer Expertise in Sachen Schutz.

Die Fragen stellte Ulrich Renn.