Wie bereits gemeldet, erhält das deutsche Raketenabwehrsystem Arrow (AWS-G) einen zusätzlichen Standort im Großraum Kaufbeuren (Bayern), der als „Einsatzstellung Süd“ fungiert. Zusammen mit der bereits bestehenden Einsatzstellung in Schönewalde soll dieser Schritt die territoriale Flugkörperabwehr sowie die gesamte Luftverteidigungsarchitektur stärken. Die Entscheidung wurde gemeinsam vom Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), der Luftwaffe und der bayerischen Staatsregierung am 30. Juni bekannt gegeben.
Aufgrund der komplexen Anforderungen an das Waffensystem war die Standortsuche anspruchsvoll. Die erfolgreiche Entscheidung wird auf die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Bund, dem Land Bayern und den beteiligten Fachbehörden zurückgeführt.
Nach vorliegenden Informationen soll mindestens noch eine Stellung in Schleswig-Holstein eingerichtet werden.

Raketenabwehrsystem Arrow und die Effektoren
Bei Arrow handelt es sich um ein rein defensives System, das dem Schutz der Bevölkerung, kritischer Infrastruktur und der Streitkräfte dient, schreibt die Bundeswehr. Es sei in der Lage, ballistische Raketen in einer Höhe von über 100 Kilometer zu erkennen und mittels kinetischer Aufprallenergie abzuwehren. Der Schutz ist zudem für Deutschlands Rolle als zentrale „logistische Drehscheibe“ für NATO-Alliierte von großer Bedeutung. Der Großraum Kaufbeuren bietet dafür optimale geografische Bedingungen.
Das Raketenabwehrsystem Arrow besteht aus einem Führungsgefechtsstand (Fire Control Center, FCC), Radargeräten mit dem Feuerleitradar Green Pine, Startgeräten mit Launcher Control Center und den Effektoren des Typs Arrow 3.
Der Effektor Arrow 3 kann Mittel- und Langstreckenraketen noch im Weltraum neutralisieren. Die Reichweite wird auf 2.000 km geschätzt. Die Abfanghöhe über 100 Kilometer reicht in den erdnahen, exosphärischen Orbit (Low Earth Orbit, LEO). Die Rakete wirkt im „Hit-to-Kill“-Prinzip durch direkten kinetischen Einschlag in das feindliche Objekt.
Die Luftwaffe hat Bedarf für den Effektor Arrow 4 angemeldet, der zurzeit in Israel entwickelt wird. Arrow 4 kann die endosphärische Schicht zwischen Patriot und Arrow 3 abdecken. Die Reichweite soll mit 1.000 bis 1.500 Kilometern etwas geringer sein als Arrow 3. Die Abfanghöhe wird bei 30 bis 100 km gesehen. Als Wirkprinzip kommen je nach Bedarf „Hit-to-Kill“ oder ein Sprengkopf zum Einsatz. Arrow 4 kann mit dem bekannten Arrow-System verschossen werden.
Beschaffung des Systems
Deutschland hat das Raketenabwehrsystem Arrow im November 2023 über einen Regierungsvertrag mit Israel bestellt. Darin ist vereinbart, dass Israel Aerospace Industries (IAI) als Hauptauftragnehmer für 3,1 Milliarden Euro die Abwehrsysteme für drei Einsatzorte im Zeitraum 2025 bis 2030 an Deutschland liefert. Mit einem Änderungsvertrag vom 18. Dezember 2025 hat die Bundewehr für weitere 2,6 Milliarden Euro die Bestellmenge so erhöht, dass die Anzahl der Einsatzorte auf sechs verdoppelt werden kann.
Als deutscher Industriepartner soll MBDA Deutschland alle notwendigen Maßnahmen zur Anpassung, Integration und Wartung des Systems in Deutschland unterstützen. Zudem soll MBDA die Aktivitäten der deutschen Industrie koordinieren, die zur Unterstützung des Programms erforderlich sind. MBDA soll somit zukünftig sowohl die Bundeswehr als auch IAI dabei unterstützen, die Einsatzfähigkeit von Arrow sicherzustellen und zu erweitern.
Mit der Inbetriebnahme der ersten Feuereinheit Arrow in Schönwalde am 3. Dezember 2025 hatte die Luftwaffe mit Arrow eine Anfangsbefähigung erreicht.
Gerhard Heiming

















