Die Bundeswehr hat am 3. Dezember am Standort Holzdorf die erste Feuereinheit des Luftverteidigungssystems Arrow in Betrieb genommen und damit die Anfangsbefähigung mit dem System erreicht. Das in Israel von IAI hergestellte System wird mit Hilfe von MBDA Deutschland an die Bundeswehr geliefert und unter dem Namen Arrow Weapon System – Germany (AWS-G) eingeführt. Der weitere Ausbau soll bis 2030 abgeschlossen werden.

Das Radargerät des Luftverteidigungssystems Arrow unter einer Kuppel, im Vordergrund eine der Werfereinheiten, die im Einsatz taktisch disloziert werden. (Foto: Bundeswehr Francis Hildemann)

Fundamentale Erweiterung der Luftverteidigungsarchitektur

„Mit dem neuen Arrow-System erweitern wir unsere Luftverteidigung um die äußere Schale. Wir erlangen damit erstmals die Möglichkeit zur Frühwarnung und zum Schutz unserer Bevölkerung und Infrastruktur vor weitreichenden ballistischen Raketen“, stellte Verteidigungsminister Boris Pistorius die Bedeutung des Waffensystems heraus. „Wir erhalten eine Fähigkeit, die unsere Luftverteidigungsarchitektur fundamental erweitert, unsere Sicherheit nachhaltig stärkt und einzig und allein darauf ausgelegt ist, Deutschland zu verteidigen“, erklärte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann.

Das von Israel und den USA entwickelte System ergänzt die deutsche Luftverteidigung um die äußere Schale, oberhalb des Abfangbereichs der vorhandenen Patriot-Systeme. Mit dem AWS-G könne ein 360-Grad-Abwehrschirm über Deutschland aufgespannt werden, schreibt die Bundeswehr. Damit könne der Schutz Deutschlands, seiner Bevölkerung und seiner kritischen Infrastruktur gegen weitreichende Flugkörper sichergestellt werden. Einhergehend werde damit auch der europäische Pfeiler der Luftverteidigungsfähigkeit der NATO gestärkt, auch wenn das System rein national beschafft wird.

Effektoren Arrow 3 und Arrow 4

Das Raketenabwehrsystem Arrow besteht aus einem Führungsgefechtsstand (Fire Control Center, FCC), Radargeräten mit dem Feuerleitradar Green Pine, Startgeräten mit Launcher Control Center und den Effektoren des Typs Arrow 3.

Der Effektor Arrow 3 kann Mittel- und Langstreckenraketen noch im Weltraum neutralisieren. Die Reichweite wird auf 2.000 km geschätzt. Die Abfanghöhe soll über 100 km liegen und reicht damit in den erdnahen, exosphärischen Orbit (Low Earth Orbit, LEO). Die Rakete wirkt im „Hit-to-Kill“-Prinzip durch direkten kinetischen Einschlag in das feindliche Objekt.

Die Luftwaffe hat Bedarf für den Effektor Arrow 4 angemeldet, der zurzeit in Israel entwickelt wird. Arrow 4 kann die endosphärische Schicht zwischen Patriot und Arrow 3 abdecken. Die Reichweite soll mit 1.000 bis 1.500 Kilometern etwas geringer sein als Arrow 3. Die Abfanghöhe wird bei 30 bis 100 km gesehen. Als Wirkprinzip kommen je nach Bedarf „Hit-to-Kill“ oder ein Sprengkopf zum Einsatz. Arrow 4 kann mit dem bekannten Arrow-System verschossen werden.

Neben dem hier nicht dargestellten Führungsgefechtsstand besteht das Raketenabwehrsystem aus dem Radargerät Green Pine (rechts unten), Werfern (links unten) und Effektoren Arrow 3 (links oben) (Fotos: IAI)

MBDA ist deutscher Industriepartner für Arrow

Die Bundeswehr hat Arrow am 23. November 2023 für rund drei Milliarden Euro mit einer Regierungsvereinbarung bestellt. Neben dem Hauptauftragnehmer IAI sind aus der israelischen Industrie unter anderen Elbit Systems (für die Entwicklung des Kommando- und Feuerleitsystems) sowie Tomer und Rafael Advanced Systems beteiligt.

MBDA Deutschland ist Hauptauftragnehmer von IAI in Deutschland und unterstützt alle notwendigen Maßnahmen zur Anpassung, Integration und Wartung des Systems in Deutschland. Zudem soll MBDA die Aktivitäten der deutschen Industrie koordinieren, die zur Unterstützung des Programms erforderlich sind. MBDA soll somit zukünftig sowohl die Bundeswehr als auch IAI dabei unterstützen, die Einsatzfähigkeit von Arrow 3 sicherzustellen und zu erweitern, so die Planungen der Unternehmen.

Gerhard Heiming