Der NATO-Gipfel am 7. und 8. Juli 2026 in Ankara markiert aus Sicht der europäischen Partner eine sicherheitspolitische Zäsur. Erstmals übernehmen die Europäer und Kanada substanziell mehr Verantwortung für die kollektive Verteidigung. Gleichzeitig trat der transatlantische Riss offen zutage, exemplarisch am Konflikt der US-Administration mit Spanien.
Das zentrale Ergebnis des Gipfels ist die konkrete Umsetzung der bereits 2025 vereinbarten Lastenverschiebung. Deutschland erhöht seinen Verteidigungshaushalt 2026 auf 124 Milliarden Euro. Das 3,5-Prozent-Ziel wird bereits bis 2029 vorzeitig erreicht, womit Berlin nach Aussage von NATO-Generalsekretär Mark Rutte eine Vorreiterrolle einnimmt: „Germany leads, and Germany delivers.“
Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete den Gipfel als „Wendepunkt in der Geschichte des Bündnisses“. Die Trittbrettfahrerei der Europäer sei vorbei, die Allianz nun europäischer denn je. Dahinter steht die Neuausrichtung auf das 2025 vereinbarte Fünf-Prozent-Paket, bestehend aus 3,5 Prozent klassischen Verteidigungsausgaben und 1,5 Prozent verteidigungsrelevanter Infrastruktur, das die alte Zwei-Prozent-Marke ablöst.
Rüstungsindustrielle Vernetzung Europas
Auf dem NATO Summit Defence Industry Forum verhandelten Staats- und Regierungschefs Beschaffungsverträge im Umfang von über 50 Milliarden US-Dollar, nicht nur wie bisher die Fachexperten. Für die europäischen Partner besonders relevant sind mehrere Kooperationsprojekte. Die Produktion der Luft-/Luft-Lenkwaffe AIM-120C-8-AMRAAM wird in Europa durch eine deutsch-amerikanische Zusammenarbeit mit Raytheon ausgeweitet.

Eine europäische Instandsetzungseinrichtung für Patriot PAC-3 Flugabwehrraketen entsteht mit Lockheed Martin, um Wartung und Verfügbarkeit zu beschleunigen. Deutschland und die Niederlande bauen gemeinsam europäische Produktionskapazitäten für die schultergestützte Stinger-Flugabwehrrakete auf. Die multinationale HALO-Initiative (Hybrid Alliance Layered Operations in Space) bringt eine gemeinsame Weltraumarchitektur für eine vernetzte Mega-Satellitenkonstellation hervor, ergänzt durch die Beschaffung von bis zu fünf MQ-4C-Triton-Aufklärungsdrohnen.
Die Maritime Sicherheitspartnerschaft wird um Island erweitert, was strategisch für die GIUK-Lücke (Greenland-Island-United Kingdom) im Nordatlantik bedeutsam ist. Diese Projekte adressieren ein strukturelles Problem: eine zersplitterte Rüstungsindustrie mit inkompatiblen Systemen und stark gestiegenen Beschaffungspreisen. Eine stärkere multinationale Bündelung soll das in Zukunft überwinden.
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