Die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) ringt um ihr Kerngeschäft – die transatlantischen Beziehungen. Vieles hängt jetzt von der deutschen Führungsrolle in Europa ab.
Warum am Ende zahlreiche Tagungsgäste im Bayerischen Hof aufgestanden sind, um Marco Rubio für seine Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu beklatschen, hat nicht jeder verstanden. Die Botschaften des US-Außenministers an die Europäer seien „genauso passiv-aggressiv“ gewesen wie die bis dahin gewohnten der Administration von Präsident Donald Trump, kommentierte der Sicherheitsexperte Nico Lange. Die Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff hält den Beitrag des Trump-Gesandten in München sogar für „gefährlicher als den von JD Vance“.
Vor einem Jahr hatte der US-Vize Vance an gleicher Stelle die Europäer abgekanzelt. Vance erklärte 2025, die größte Bedrohung für Europa gehe weder von Russland noch von China aus, sondern von der „Bedrohung von innen“ – „the threat from within“ – insbesondere von einer von ihm wahrgenommenen Einschränkungen der Meinungsfreiheit.

Rubio trat nun im Ton gesitteter auf. Er hob die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen hervor. „Wir gehören zusammen“, sagte der in Miami geboren Sohn kubanischer Exilanten: „Unsere Wurzeln liegen hier in Europa.“ In einer Zeit, in der Schlagzeilen das Ende der transatlantischen Ära verkünden“, solle jedem klar sein, dass dies weder das Ziel noch der Wunsch der USA sei. „Für uns Amerikaner mag unsere Heimat zwar in der westlichen Hemisphäre liegen“, erklärte Rubio, „aber wir werden immer Kinder Europas bleiben.“
Was ist daran gefährlich? „Es war eine rhetorisch sehr gute Rede, emotional ansprechend, Vertrauen herstellend, zukunftsorientiert“, erklärte die Politikwissenschaftlerin Deitelhoff anschließend im Gespräch mit ES&T. „Aber“, schob sie hinterher, „hinter all den netten Worten versteckt sich eine klassische MAGA-Botschaft, gepaart mit einem Dominanzanspruch: Macht die Grenzen dicht, schützt die einzigartige westlich-christliche Zivilisation.“
Ischinger hört Seufzer der Erleichterung im Saal
Zu den großen Fehlern, die Europa und Deutschland nach Rubios Worten gemacht haben, gehört die „Welle der Massenmigration“. Wobei er präzisierte: „Wir haben diese Fehler zusammen gemacht.“ Die USA seien inzwischen bereit zu Korrekturen, notfalls würde man sie alleine angehen. Es sei jedoch ihre Präferenz – „und unsere Hoffnung“, betonte Rubio – das gemeinsam mit den Europäern zu erledigen, „unseren Freunden“. Die USA hielten an Europa fest – an einem Europa, „das stolz ist auf sein Erbe und seine Geschichte“.
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