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Mit dem HX3 hat Rheinmetall eine neue Generation der bewährten Fahrzeugfamilie für logistische Transportaufgaben und Geräteträger der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Unter Corona-Bedingungen erfolgte die Präsentation für ein internationales Publikum als Lifestream aus dem Lkw-Werk der Rheinmetall MAN Military Vehicle (RMMV), dem Radfahrzeugspezialisten der Rheinmetall-Division Vehicle Systems, in Wien.

Der HX3 steht in der Tradition der Mitte der 1970er Jahre eingeführten Kat I-Lkw, die über die Entwicklungsstufen Kat I A1, Kat II, SX, LX, HX und HX2 zum jetzt vorgestellten Konstruktionsstand geführt hat. Aus der Erfahrung von über 30.000 ausgelieferten militärischen Lkw, verbunden mit den Erkenntnissen aus den Einsätzen der internationalen Nutzer, wurde ein neuer Mobilitätsträger nach dem aktuellen Stand der Technik aufgebaut, der die künftigen Anforderungen der Streitkräfte erfüllen kann.

Schwerlast-Lkw HX3 mit Technologien für die Zukunft
Die Fahrerkabine des HX3, Foto: Rheinmetall

Mit „Kontinuität und Wandel“ hat Rheinmetall das neue Transportsystem charakterisiert. „Der zukunftsfähige Militär-Lkw, der dank neuer Technologien militärischen und automobilen Megatrends gerecht wird, wurde von Grund auf neu konzipiert. Den Anwender erwarten unter anderem verbesserter Schutz, weiter gesteigerte Mobilität, ein höherer Fahrkomfort und eine digitale Schnittstellenarchitektur für ein noch flexibleres Einsatzspektrum und künftige Leistungssteigerungen. Gleichzeitig bleiben die geschätzten Kernstärken des HX2 und der Familiengedanke erhalten.“

Die Fahrzeugfamilie HX3 deckt mit allradgetriebenen Fahrzeugen mit zwei, drei, vier und fünf Achsen ein breites Transportspektrum ab, das von Cargo, Logistik- und Personentransport vor allem mit Containern und Wechselladungsträgern bis zum Trägerfahrzeug für empfindliche Präzisionssysteme wie Radar oder Haubitzen reicht. Über letztere sowie über Container mit Missionssystemen erweitert sich das Spektrum auf logistische und taktische Aufgaben.

Schwerlast-Lkw HX3 mit Technologien für die Zukunft
Der HX3 mit AHLS, Foto: Rheinmetall

Der HX3 ist – wie seine Vorgänger – von Grund auf für die militärische Nutzung unter den härtesten Einsatzbedingungen ausgelegt. Als „Military off-the-shelf“ kommen bei der Fahrzeugfamilie soweit möglich robuste Standardbaugruppen aus der Großserie zur Anwendung, die zum Teil für die speziellen Anforderungen zusätzlich gehärtet werden. Basis sind das Schwerlast-Fahrgestell und leistungsstarke Motoren. Von der Vorderachse mit elf Tonnen Achslast bis zur gelenkten Hinterachse und aktiver Hinterachsfederung stehen Komponenten bereit, mit denen Straßen- und Geländegängigkeit deutlich verbessert werden.

Die Schnittstelle zur Last ist der verwindungsfreie Zwischenrahmen, der z.B. den verlasteten Container im Gelände von den Verwindungen des Rahmens im Gelände isoliert. Für die Be- und Entladung von Containern im Gelände steht ein vollautomatisches Wechselladesystem ALHS (Automated Load Handling System) zur Verfügung, mit dem der Ladevorgang auch im Gelände aus der sicheren Fahrerkabine unabhängig von Verkantungen zwischen Ladung und Fahrzeug schnell erfolgen kann. Zur Aufnahme der schweren Last und der Kräfte beim Schuss hat Rheinmetall das Artillery Truck Interface (ATI) entwickelt, mit der HX3 10×10 in Zukunft als Standardbasis für verschiedene Artillerie-Lösungen oder ähnliche Waffensysteme verwendet werden kann.

Die Kabine, der Hauptarbeitsplatz des Kraftfahrers, ist die Steuerzentrale des Fahrzeugs. Das moderne Armaturenbrett aus dem MAN-Sortiment stellt alle notwendigen Informationen über den Fahrzustand bereit und erlaubt über eine neu konzipierte elektronische und elektrische Architektur den Zugriff auf Assistenzsysteme wie Bremsassistent, adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung und Spurhalteassistent.

Schwerlast-Lkw HX3 mit Technologien für die Zukunft

Ein digitaler Tarnmodus ergänzt die herkömmlichen Tarneinstellungen. Damit können alle Übertragungs- und Empfangsfunktionen abgeschaltet werden („Sendeverbot“), um die digitale Signatur zu reduzieren.

Schwerlast-Lkw HX3 mit Technologien für die Zukunft
Ein HX3 mit ROSY und einer RCWS, Foto: Rheinmetall

Dank standardisierter Schnittstellen lassen sich zukünftig verfügbare Technologien wie etwa Truck Platooning oder andere automatisierte Anwendungen integrieren. Die Kabine ist mit Montageschienen vorbereitet für die Aufnahme von Informations- und Kommunikationssystemen und bietet Stauraum für die Ausrüstung der Besatzung. Auf dem verstärkten Dach können Schutzsysteme wie das abstandsaktive Schutzsystem Active Defence System (ADS), das Schnellnebelschutzsystem Rapid Obscuring System (ROSY) oder eine fernbedienbare schwere Waffenstation eingebaut werden. Optional sind die HX3-Fahrzeuge mit einer gepanzerten Kabine verfügbar, deren Schutz sich modular erweitern lässt. Über das Kabinentauschkonzept sind die Kabinen nach Bedarf austauschbar.

Als Weiterentwicklung in der HX-Baureihe profitiert der HX3 vom Gleichteilekonzept mit Teile- und Funktionsgleichheit, wo immer das möglich ist. Bis zu 80 Prozent gleiche Komponenten erleichtern Wartung, Instandhaltung und Ersatzteilbevorratung.

In Wien wurden die drei bisher produzierten HX3 – ein 10×10 mit 155-mm-Haubitze und zwei 8×8 Containerträger vorgestellt. Diese Fahrzeuge gehen jetzt in die Firmenerprobung, in der u.a. die Leistungsfähigkeit und die Zuverlässigkeit in Feldtests nachgewiesen werden soll. Ziel ist die Herstellung der Serienreife bis 2024. Ein Jahr später soll die HX3-Familie mit der Schwerlastzugmaschine weiter wachsen.

Mit dem HX3 hat Rheinmetall für die HX-Familie schwerer Gelände-Lkw einen wichtigen Entwicklungsschritt realisiert. Die Entwicklung digitaler Systeme und neue Technologien erfordern eine regelmäßige Anpassung der Fahrzeuge im Sinne einer Evolution. Neben der Steigerung der Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems sind Entlastung des Fahrers bei der sicheren Fahrzeugführung und Schutz der Besatzung auch durch Automatisierung Ergebnisse der Weiterentwicklung. Allzu schnell dürfen die Entwicklungsschritte nicht aufeinander folgen, sonst können Ausbildung und Logistik nicht mithalten.

Gerhard Heiming