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Auf dem Tag der Infanterie 2019 in Hammelburg wurde die grobe Struktur der schweren Fallschirmjägerkompanien für ein öffentliches Publikum bekanntgemacht. Seitdem sind weitere Details der zukünftigen Struktur öffentlich kommuniziert worden, die eine detaillierte Zeichnung der Kompaniestruktur ermöglichen.

Auch wenn der genaue Zeitpunkt der Einnahme der neuen Struktur noch nicht kommuniziert wurde, ist einem Namensartikels von General Eberhard Zorn – Generalinspekteur der Bundeswehr und Offizier der Fallschirmjägertruppe – der Ausgabe 06/2019 des „Der Deutsche Fallschirmjäger“ (Verbandszeitschrift des Bund Deutscher Fallschirmjäger e.V) zu entnehmen, dass dies spätestens Mitte dieses Jahrzehnts erfolgen soll.

Die schwere Kompanie

Mit der schweren Fallschirmjägerkompanie werden die leichten Infanteriekompanien der Regimenter im Einsatz mit äußerst wirkungsvollen und weitreichenden Waffensystemen sowie zukünftig auch Aufklärungsmitteln entscheidend unterstützt. Leistungsfähige und unmittelbar der Führung des Regiments unterstellte direkte und indirekte Feuerunterstützung erhöht die Überlebens- und Durchsetzungsfähigkeit der Fallschirmjäger und ist eine notwendige Fähigkeit in allen Einsatzszenarien.

Vergleich derzeitige und zukünftige Kompaniestruktur (Graphik: Europäische Sicherheit & Technik)

Beide Fallschirmjägerregimenter verfügen mit der jeweils 7. Kompanie über eine schwere Infanteriekompanie. Diese Kompanien haben den Auftrag, die Regimenter mit weitreichenden Flach- und Steilfeuerwaffen zu unterstützen. Daneben stellen sie mit ihren Feuerunterstützungszügen den Rückgriff auf alle verfügbaren Wirkmittel im Rahmen der Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuerunterstützung (STF) sicher.

In der neuen Struktur werden in den beiden Kompanien auch Aufklärungszüge abgebildet, welche durch die Regimentsführung zur Gefechtsaufklärung, Erkundung und zur Überwachung von Räumen, Lücken und Flanken sowie zum Herstellen und Halten von Verbindung eingesetzt werden können.

Feuerunterstützungszug

STF ist die Fähigkeit zur gegenseitigen Feuerunterstützung der taktischen Ebenen durch Land-, Luft- und Seestreitkräfte sowie Spezialkräfte in allen Dimensionen des Einsatzraumes.

(Graphik: Europäische Sicherheit & Technik)

Der Feuerunterstützungszug der schweren Fallschirmjägerkompanie unterstützt die leichten Kompanien und Züge der Fallschirmjägertruppe direkt. Die zukünftigen Feuerunterstützungszüge werden über ein Joint Fire Support Coordination Team (JFSCT) sowie fünf Joint Fire Support Teams (JFST) – in der bisherigen Struktur sind es vier – verfügen. Somit stünde dann wieder für jede Kampfkompanie ein JFST zur Unterstützung zur Verfügung.

Das JFSCT arbeitet auf Verbandsebene und berät den Regimentskommandeur bezüglich des Einsatzes von STF-Wirkmitteln.

Es setzt sich aus dem Boden/Boden-Trupp sowie dem Luft/Boden-Trupp zusammen, welche jeweils aus einem Offizier, einem Feldwebel und einem Mannschaftssoldaten bestehen. Der Luft/Boden-Trupp ist primär für die Luftnahunterstützung durch Kampfhubschrauber und Kampfflugzeuge verantwortlich. Der Boden/Boden-Trupp ist im Schwerpunkt für den Einsatz von Artillerie und Mörsern, dem Einsatz seegestützter Wirkmittel und für das Verfahren Close Combat Attack der Kampfhubschrauber verantwortlich. In der Arbeitsgliederung der Regimenter werden die JFST – wann immer möglich – so zusammengesetzt und ausgebildet, dass beide Fähigkeiten nicht nur auf Team- sondern bereits auf Trupp-Ebene abgebildet werden können.

Die Teams können ihre Aufträge abgesessen oder aufgesessen – derzeit verteilt auf zwei Wölfe ab Mitte der zwanziger Jahre auf zwei Radfahrzeugen der neuen Luftlandeplattform, deren Ausschreibung derzeit vorbereitet wird – wahrnehmen.

Mörserzüge

Auch die Struktur der Mörserzüge wird angepasst. Die Mobilität der Züge soll ebenfalls mittels der Luftlandeplattform sichergestellt werden. Die schwere Fallschirmjägerkompanie wird dann über zwei Mörserzüge mit je vier Mörsertrupps (120 mm) verfügen. Derzeit verfügt die Kompanie über einen Zug mit acht Trupps. Der 1. Zug wird von einem Offizier geführt und personalstärker ausfallen als der 2. Zug, der von einem Feldwebel geführt wird. Beide Züge werden auch in Zukunft über Erkundungsfähigkeiten verfügen, die die Aufgaben der derzeitigen Richtkreistrupps übernehmen werden. Die Mörsertrupps sollen weiterhin aus Truppführer, Richtschütze, Ladeschütze und Munitionsschütze bestehen. Daneben werden die Züge auch über je einen Feuerleittrupp verfügen.

(Graphik: Europäische Sicherheit & Technik)

Die Besonderheit im 1. Zug wird sein, dass das zusätzliche Personal dazu genutzt wird, bereits in der Grundgliederung eine zusätzliche Mörsergruppe (60 mm) aufzustellen. Somit wird der 1. Zug über acht Mörsertrupps (vier 120 mm und vier 60 mm) verfügen. Auch der 2. Zug wird mit vier 60-mm-Mörsern ausgestattet, diese werden jedoch als optionale Zweitbewaffnung der 120-mm-Mörsertrupps dienen.

Waffenträger Züge

Derzeitig verfügt die schwere Kompanie über drei Kanonen- und einen Panzerabwehrzug. Bestehend aus je vier Trupps wobei der vierte Trupp durch den jeweiligen Zugtrupp gebildet wird. Der Auftrag der Kanonenzüge ist die Unterstützung der Kampfkompanien mit weitreichendem und wirkungsstarkem Flachfeuer. Der Panzerabwehrzug verstärkt je nach Lage und Auftrag die Panzerabwehrfähigkeit der leichten Kompanien bzw. dient dem Regimentskommandeur als mobile Reserve zur Panzerabwehr.

(Graphik: Europäische Sicherheit & Technik)

Sowohl Struktur als auch der Auftrag der jeweiligen Züge wird, bis auf die Munitionstrupps, beibehalten. Änderungen wird es jedoch in der Ausstattung geben. Die jetzigen Züge sind mit dem Waffenträger Wiesel MK 20 mm bzw. Wiesel TOW ausgestattet. Beide Waffenträgerversionen werden derzeit im Rahmen einer Nutzungsdauerverlängerung modernisiert. Die Wiesel MK erhalten im Zuge dieser Maßnahme eine leistungsstärkere Optronik. Weiterhin wird auch der in die Jahre gekommene Panzerabwehrlenkflugkörper TOW durch das leistungsstärkere MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) von EuroSpike ersetzt. Die modernisierten Wiesel sollen so bis 2030 in Nutzung bleiben können, bis diese durch den sogenannten Luftbeweglichen Waffenträger (LuWa) ersetzt werden.

Über die konkrete Ausgestaltung des LuWa gibt es derzeit noch wenig belastbare Details. Dem Vernehmen nach wird der LuWa wie auch der Wiesel durch einen Kraftfahrer gesteuert und einen Kommandanten – welcher gleichzeitig als Richtschütze fungiert – geführt werden. Beide Soldaten sollen dabei Platz in einem „Monocoque“ finden, welches über ein höheres Schutzniveau als der Wiesel 1 verfügt. Die Forderung der Luftverladbarkeit in einem zukünftigen Schweren Transporthubschrauber ist auch beim LuWa designbestimmend. Dem Gewichtslimit geschuldet wird es – im Gegensatz zum schweren Waffenträger (Maschinenkanonen-Boxer mit integriertem MELLS) – zwei Versionen des LuWa geben: Einen mit einer Maschinenkanone und einen mit einer MELLS Waffenanlage, da ein „kombinierter“ Waffenträger wohl gewichtstechnisch nicht realisierbar wäre. Soweit zu hören ist, wurde auch bei der Maschinenkanone eine höhere Wirkung gefordert, was wohl pragmatisch in Form einer 27-mm-Waffenanlage, wie sie beispielsweise als Marineleichtgeschütz auf Schiffen der Marine im Einsatz ist, gelöst werden könnte. Eine Neuentwicklung würde zu viele Risiken mit sich führen und eine neue logistische Kette – mindestens der Waffenanlage, wenn nicht sogar auch der Munition – bedeuten.

Aufklärungszug

In den schweren Jäger- und Gebirgsjägerkompanien seit jeher vorhanden, wurden die Aufklärungszüge bei der Luftlandetruppe aus personaltechnischen Gründen der Aufstellung der Fallschirmspezial- und Diensthundezüge geopfert. In der neuen Struktur werden nun auch die schweren Fallschirmjägerkompanien wieder über einen Aufklärungszug verfügen.

(Graphik: Europäische Sicherheit & Technik)

Der Hauptauftrag der Aufklärungszüge wird die Gefechtsaufklärung sein. Dazu wird der Zug über insgesamt sechs Aufklärungstrupps verfügen, wobei einer der Trupps im Zugtrupp abgebildet ist, die fahrzeuggestützt oder abgesessen eingesetzt werden können. Daneben werden zwei Drohnentrupps eine technische Aufklärungsfähigkeit abbilden.

Fazit

Ab Mitte dieses Jahrzehnts werden die vorhandenen Fähigkeiten der schweren Fallschirmjägerkompanien durch Zulauf von neuem Gerät gestärkt bzw. quantitativ erweitert (Feuerunterstützungszug). Mit dem Zulauf der leichten 60-mm-Mörser und der Aufstellung der Aufklärungszüge kommen sogar neue Fähigkeiten hinzu.