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Seit 30 Jahren setzt die Bundeswehr den Wiesel als Plattform für unterschiedliche Zwecke ein. Längst sollte das Nachfolgemodell bei den deutschen Streitkräften eingeführt werden. Darauf muss allerdings noch gewartet werden. Deshalb setzt die Bundeswehr jetzt auf eine Runderneuerung.

Der Wiesel ist seit 1990/92 als leicht gepanzerte Kettenfahrzeugplattform in der Bundeswehr eingeführt. Dort wird er als Aufklärungs-, Führungs-, Wirkungs- und Unterstützungssystem genutzt. Es gibt ihn in zwei Grundformen als „kleiner“ Wiesel 1 (2,75 bis 3,30 Tonnen) und als größeren Wiesel 2 (4,1 bis 4,78 Tonnen).

Der Waffenträger Wiesel 1 ist die Feuerunterstützungsplattform der Infanterie, vor allem der Fallschirmjägerkräfte. Er zeichnet sich durch seine Lufttransportfähigkeit, seine hohe Mobilität im Gelände und seine Feuerkraft aus. Nach 30 Nutzungsjahren wird eine grundlegende Runderneuerung nötig, die zum einen Maßnahmen der Materialerhaltung, zum anderen den Austausch von Teilen haben. Das Fahrzeug wirkt von außen einfach und klein. so dass der Wiesel 1993 in Somalia von Somalis und z. T. von anderen UN-Truppen als „Pocket Tank“ bezeichnet wurde.

Ein Nachfolgemodell für den Wiesel
Der Wiesel MK 20 mm während der Übung Green Griffin 2019 der Division Schnelle Kräfte; die 20-mm-Kanone wird ersetzt durch die stärkere BK-27 (27 mm); dank der Waffenstabilisierung steigt die Ersttrefferwahrscheinlichkeit – auch aus der Bewegung (Foto: DSK/Forkert)

Schon bei der Entwicklung waren die technischen Anforderungen sehr hoch. Vor allem ging es darum, dass nicht unnötig viel Material benötigt wurde. So sollte Gewicht gespart werden. Eine der grundlegenden Forderungen damals wie heute war und ist es, dass der Wiesel in einem Hubschrauber CH-53 transportiert werden kann.

Eigentlich sollte seit 2020 eine neue Generation Luftlandefahrzeuge eingeführt werden, doch bisher wurde noch kein Beschaffungsvorhaben eingeleitet. Somit wird der Wiesel 1 auch in Zukunft noch gebraucht. Das Heer sich hat als Folge der Truppenreduzierung schon mit dem Planungsamt der Bundeswehr über die Aussonderung eines Teils der Wiesel 1 geeinigt. Diese Fahrzeuge werden „kannibalisiert“, um mit den dadurch gewonnenen Ersatzteilen die restliche Flotte auftragsgerecht zu erhalten.

Darüber hinaus sollen die ursprünglich angedachten Fähigkeiten aber auch den heutigen Bedürfnissen und dem Stand der Technik angepasst werden. Das umfasst vor allem die Bereiche Schutz, Ergonomie, Führungssystem, Beobachtungsmittel sowie viele kleinere Bereiche. Ziel ist es, das System bis mindestens 2030 zu nutzen. Als eine der ersten Maßnahmen wurde das System MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) von EuroSpike integriert. Es ersetzt das Waffensystem TOW (Tube Launched Optically Tracked Wire Command-link Guided Missile). Derzeit plant das Heer mit 196 Fahrzeugen.

Ein Nachfolgemodell für den Wiesel
Die BK-27 ist schon bei der Luftwaffe und der Marine in Nutzung; jetzt wird sie erstmals für Landsysteme eingesetzt (Foto: Rheinmetall)

Die Verteilung sieht ca. 2/3 MK(?) 20 mm, ca. 1/3 Panzerabwehr-Waffenträger Wiesel 1 (MELLS) sowie 16 Fahrzeuge Aufklärung vor.

Nutzungsdauerverlängerung

Ursprünglich war geplant, dass die Entwicklung der nötigen Schritte zur Nutzungsdauerverlängerung des Wiesel 1 im Jahr 2017 beginnen, die dann bis 2019/20 umgesetzt sein sollten. Doch die Nutzungsdauerverländerung wurde im Zusammenhang mit der Instandhaltung erst im Dezember 2018 ausgeschrieben.

Im Vorfeld wurden durch die Flensburger Fahrzeugbau GmbH (FFG) bereits drei Prototypen entwickelt. Kernelemente der Nutzungsdauerverlängerung sind die Verbesserung der Geräusch- und Vibrationssignatur und des Schutzes sowie die Optimierung der Gewichts- und Energiebilanz. Dies betrifft die Fahrwerkskomponenten, den ballistischen Schutz, den Minenschutz, die Regeneration von Obsoleszenzen bei der Waffenanlage sowie das Führungsinformationssystem, die Beleuchtung, die Batterien und Verbesserungen der Ergonomie sowie des Arbeitsschutzes. Der Auftrag besteht weiter aus der Lieferung eines Ersatzteilerstbedarfs, eines Ersatzteilvorrats, von Sonderwerkzeugen und aus der Aktualisierung der Dokumentation.

Die Ausschreibung sah die Nutzungsdauerverlängerung der Wiesel-1-Flotte und die Instandsetzung der Instandhaltungsstufe drei mit Schadabstellung vor. Ziel ist es, dass im Rahmen dieses Auftrages der Konstruktionsstand vereinheitlicht wird, sodass am Ende statt neun Varianten des Wiesel 1 nur noch vier Varianten existieren, die dann bis mindestens 2030 genutzt werden können. Das Besondere bei diesem Auftrag ist die Kombination von Nutzungsdauerverländerung und Instandhaltung/-setzung.

Wiesel-Nachfolger „LuWa“

Der Wiesel soll bei den Fallschirmjägern durch den luftbeweglichen Waffenträger (LuWa) ersetzt werden. Die Jägerverbände werden künftig mit dem schweren Waffenträger Boxer mit der 30-mm-Maschinenkanone des Puma ausgestattet.

Jetzt wurden erstmals Einzelheiten zum Prototypen des luftbeweglichen Waffenträgers bekannt. Das Gewicht für die Variante Maschinenkanone (MK) wird bei rund 4,5 Tonnen liegen. Damit wird eine der wichtigsten Forderungen nach Luftverlastbarkeit erfüllt. Ein MTH (??) könnte immer noch ein Fahrzeug, ein Schwerer Transporthubschraube zwei Fahrzeuge als Innenlast transportieren. Natürlich ist der „LuWa“ auch außenlastfähig.

Ein Nachfolgemodell für den Wiesel

Die Besatzung des Waffenträgers wird aus zwei Soldaten bestehen. Der Wiesel hatte bisher ebenfalls zwei Soldaten in der MK-Variante (Fahrer, Kommandant/Richtschütze) sowie drei in der TOW-Variante (Fahrer, Kommandant, Richtschütze).

Generalunternehmer für den Demonstrator ist die ACS Armoured Car Systems GmbH aus Derching bei Augsburg. ACS ist für das Konzept verantwortlich, fertigt das gesamte Fahrgestell und integriert den Turm.

Ein Nachfolgemodell für den Wiesel
So ähnlich wird der LuWa-Demonstrator aussehen; neben der Bord- kanone wird es ein koaxiales Maschinengewehr geben, beides wird aus der Wanne und damit unter Schutz bedient, der fernbediente Turm mit der Möglichkeit zum Durchstieg erhöht die Handlungsmöglichkeiten des Fahrzeugkommandanten (Grafik: ACS)

Die Rheinmetall Waffe Munition (RWM) 20 mm MK 20 Rh 202 Kanone (20×139 mm) des Wiesel MK wird ersetzt durch die stabilisierte Rheinmetall BK-27 (27×145 mm). Die einläufige Revolverkanone mit fünf Patronenkammern und verschiedenen Munitionsarten wird bei der Bundeswehr schon genutzt, unter anderem als Marineleichtgeschütz 27 mm oder als Bordkanone im Eurofighter und im Tornado. Insgesamt wird sie in 20 Staaten genutzt. Als koaxiale Zweitbewaffnung kann der Turm entweder das Heckler & Koch MG5 (7,62×51 mm) oder das Heckler & Koch MG4 (5,56×45 mm) nutzen.

Die Waffen sind eingebaut in einem unbemannten Turm des slowenischen Herstellers Valhalla. Der Turm hat extrem kompakte Maße. Seine geringe Höhe von weniger als 400 mm reduziert zum einen die Fahrzeugsignatur. Zum anderen ermöglicht dies die Einfahrt in den Transporthubschrauber ohne Modifikationen.

Neben den Waffen kann er, abhängig von der Konfiguration des Fahrzeuges, bis zu 210 Patronen 27×145 mm und 1.000 Schuss MG-Munition aufnehmen. Anders als beim Wiesel wird die Waffenanlage hier aus der Wanne und damit unter Schutz bedient. Auch die Beseitigung eines Munitions-Staus, das Nachladen oder die Gefechtsfeldbeobachtung erfolgen unter Schutz. Zudem wurden ein Notausstieg und eine Dachluke integriert.

Valhalla ist für die gesamte Waffenanlage verantwortlich, die Kanone wird durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) beigestellt.

Ein Nachfolgemodell für den Wiesel
Ein Wiesel als Last in einer CH-53; auch beim Nachfolger ist die Luftlandefähigkeit einer der existenziellen Fähigkeitsforderungen, sowohl als Außen- und Innenlast, in einer CH-53 oder einem Schweren Transporthubschrauber (Foto: Bundeswehr)

Im Bereich der taktischen Mobilität werden Fähigkeiten wie eine verbesserte Agilität und Geländegängigkeit, eine rein elektrische Schleichfahrt, Notlaufeigenschaften, automatisierte Kolonnenfahrt und eine Erhöhung der Durchhaltefähigkeit gefordert. Letzteres wird unter anderem durch eine eingebaute Fahrfunktion für beide Bediener oder die automatisierte Kolonnenfahrt umgesetzt. Bei allen Fähigkeiten ist natürlich der Gesichtspunkt der Gewichtsreduzierung zu berücksichtigen, denn der hohe Grad an Luftbeweglichkeit darf nicht gefährdet werden.

Umgesetzt wird das ganze durch den Einsatz von Leichtbaukomponenten, einem Hybridantrieb und einem geteilten Laufwerk. Der Prototyp erhält eine Gliederkette. Es wird aber für das spätere Fahrzeug über ein Gummiketten-System nachgedacht. Das geteilte Laufwerk stammt von der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH. Der Vorteil ist zum einen die Erhöhung der Mobilität, ein stabileres Fahrverhalten durch eine größere Anpassung an die Geländekontur sowie eine Erhöhung der Restmobilität.

André Forkert