Ein iranischer Raketen- und Drohnenangriff auf die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien hat nach vorliegenden Informationen ein AWACS-Flugzeug der US-Luftwaffe vom Typ E-3G Sentry zerstört und mehrere US-Soldaten verletzt. Der Verlust schwächt die luftgestützte Führungs- und Aufklärungsfähigkeit der US-Streitkräfte im Nahen Osten.

Am 27. März 2026 wurde die Prince Sultan Air Base Ziel eines koordinierten iranischen Angriffs. Den vorliegenden Informationen zufolge kamen dabei mindestens sechs ballistische Raketen und 29 Drohnen zum Einsatz. Die Basis, die etwa 96 Kilometer von der saudischen Hauptstadt Riad entfernt liegt, wird von der Royal Saudi Air Force betrieben und intensiv von US-Streitkräften genutzt. Sie dient als zentraler militärischer Knotenpunkt der Amerikaner im Nahen Osten.

Bei dem Angriff wurden zwischen zehn und 15 US-Soldaten verwundet, wobei sich bis zu fünf von ihnen in einem kritischen Zustand befinden sollen. Die Soldaten hielten sich zum Zeitpunkt des Einschlags in einem Gebäude auf dem Stützpunkt auf. Der Angriff verursachte nicht nur erhebliche personelle Ausfälle, sondern auch massive materielle Verluste: Open-Source-Intelligence-Auswertungen (OSINT) belegen den Totalverlust einer Boeing E-3G Sentry (Kennung 81-0005) des 552nd Air Control Wing. Zudem wurden mehrere Luftbetankungsflugzeuge beschädigt; iranische Quellen sprechen von einer vollständig zerstörten und drei weiteren schwer beschädigten Tankermaschinen.

Diese Aufnahme soll das Wrack der nun zerstörten AWACS Maschine mit der Kennung 81-0005 zeigen. (Bild: Telegram/ RN)

Der Verlust der E-3G Sentry und technische Implikationen

Das Airborne Early Warning and Control (AEW&C/AWACS) Flugzeug E-3 Sentry basiert auf einer modifizierten Boeing 707-320B Advanced. Das Herzstück der Maschine ist das markante AN/APY-2 Überwachungsradar, das in einem rotierenden Radardom (Rotodom) auf dem Rumpf montiert ist und Ziele in bis zu 400 Kilometer Entfernung identifizieren kann. Um diesen Rotodom anzutreiben, verfügt die E-3 über ein leistungsgesteigertes Hydrauliksystem, das von 241 auf 345 Bar (3500–5000 psi) hochgerüstet wurde. Bildauswertungen deuten darauf hin, dass der Angriff gezielt auf den hinteren Teil des Flugzeugs gerichtet war, um exakt diese hochsensible Radaranlage und die dazugehörigen Instrumente auszuschalten.

Als fliegender Gefechtsstand koordiniert die E-3 das gesamte Luftraummanagement. Sie überwacht das Gefechtsfeld, identifiziert und verfolgt feindliche Luftstreitkräfte weit über die eigenen Grenzen hinaus und leitet Abfangjäger an ihre Ziele. Die Reichweite der US-Maschinen liegt bei über 9.300 Kilometern bei einer Einsatzdauer von etwa acht Stunden, was sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil für die luftgestützte Aufklärung (ISR) und das Command and Control (C2) macht.

Soldaten des 968th Expeditionary Airborne Air Control Squadron vor einer Boing E3 Sentry in Saudi-Arabien. US-Streitkräfte nutzten die Prinz Sultan Air Base bereits im Golfkrieg im Jahr 1990. (Bild: DVIDS)

Strategische Lücke im laufenden Konflikt

Obwohl das US Central Command (CENTCOM) noch wenige Tage vor dem Vorfall meldete, dass die iranischen Raketen- und Drohnenstarts um über 90 Prozent zurückgegangen seien, beweist dieser präzise Schlag die anhaltende Fähigkeit Teherans, asymmetrische Angriffe auf Schlüsselinfrastrukturen durchzuführen.

Die E-3 Sentry ist zwar kampferprobt, aber technologisch in die Jahre gekommen. Die US-Luftwaffe hat ihre Flotte an AWACS-Maschinen in letzter Zeit auf nur noch 16 Einheiten reduziert. Erschwerend kommt hinzu, dass die Mission-Capable-Rate (Einsatzbereitschaft) der Flotte im Haushaltsjahr 2024 bei lediglich etwa 56 Prozent lag. Vor dem Angriff waren sechs dieser selten gewordenen Maschinen auf der Prince Sultan Air Base stationiert.

Der Ausfall der Maschine kann kurzfristig spürbare Lücken in der Gefechtsfeldüberwachung (Battlespace Awareness) hinterlassen. Dies erschwert nicht nur die Deeskalation und Koordination im stark frequentierten Luftraum, sondern könnte auch dazu führen, dass sich bietende Zeitfenster für die Bekämpfung iranischer Ziele ungenutzt bleiben. Die gezielte Ausschaltung von AWACS- und Tanker-Kapazitäten zeigt eine klare taktische Handschrift: Der Iran zielt darauf ab, die logistische und führungstechnische Reichweite der US-Luftwaffe in der Region strategisch zu beschneiden; eine Taktik, die sich bereits durch vorausgegangene iranische Angriffe zeigte, die primär US-Radaranlangen priorisierten.

Jannis Düngemann