Während in Genf Diplomaten aus Washington und Teheran nach einem Ausweg aus der nuklearen Sackgasse suchen, schaffen beide Seiten militärische Fakten. Der Iran riegelt für Übungen Teile der Straße von Hormus ab, während die US-Luftwaffe eine massive Verlegung von Kampfflugzeugen in Richtung Naher Osten und Europa eingeleitet hat.

Die Diskrepanz zwischen diplomatischem Parkett und militärischer Realität könnte größer nicht sein. In der Schweizer Stadt Genf ist am Dienstag die zweite Runde der indirekten Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran zu Ende gegangen. Ziel der Verhandlungen war die Beilegung des Konflikts um das iranische Atom- und Raketenprogramm und der amerikanischen Sanktionen. Doch während Irans Außenminister Abbas Araqchi vorsichtigen Optimismus verbreitete und von einer Einigung über zentrale „Leitprinzipien“ sprach, deutet die militärische Lage in der Golfregion kaum auf eine Entspannung hin.

Die halbstaatliche Agentur Fars News Agency veröffentlichte Bilder des Manövers, bei dem auch scharf geschossen wurde. (Bild: Telegram/MES, Fars News Agency)

Verhandlungen unter Druck

Die von Oman vermittelten Gespräche bewegen sich auf einem schmalen Grat. Teheran hatte im Vorfeld klargestellt, den Fokus ausschließlich auf das eigene Nuklearprogramm und die Aufhebung der verheerenden US-Wirtschaftssanktionen legen zu wollen. Berichte des Senders Al Hadath bestätigen, dass die iranische Delegation sich in Genf strikt weigerte, über das ballistische Raketenprogramm oder eine Aussetzung der Urananreicherung zu verhandeln.

US-Präsident Donald Trump, der die Gespräche von Bord der Air Force One kommentierte, wählte indes drastische Worte, um die US-Verhandlungsposition zu untermauern. Er verwies explizit auf die Angriffe der B-2 Tarnkappenbomber auf iranische Nuklearanlagen im letzten Jahr: „Wir hätten einen Deal haben können, stattdessen mussten wir die B-2s schicken, um ihr nukleares Potenzial auszuschalten.“ Seine Hoffnung auf eine „vernünftigere“ Haltung Teherans wird in der Region jedoch weniger als Einladung, denn als Drohung verstanden. Der iranische Außenminister Araqchi betonte im Nachgang der Verhandlungen, dass die USA ihr über die letzten Wochen aufgebautes Bedrohungsszenario reduzieren sollten.

Trotz der von Misstrauen und absoluten Aussagen geprägten Gespräche sollen nun erste Dokumente entworfen werden, um den Weg für eine dritte Verhandlungsrunde zu ebnen. Laut Reuters will der Iran nach Angaben von US-Quellen innerhalb von zwei Wochen einen detaillierten Vorschlag zu der Zukunft des eigenen Atomprogramms vorlegen.

Die USA verlegen massive Luftstreitkräfte in den Nahen Osten; Berichten zufolge sind 36 F-16 und 12 F-22 auf dem Weg zu amerikanischen Stützpunkten in Europa und dem Nahen Osten. (Bild: Telegram/Flightradar)

Marinemanöver in der Straße von Hormus

Als direkte Antwort auf den amerikanischen Druck starteten die islamischen Revolutionsgarden (IRGC) fast zeitgleich zu den Gesprächen ein groß angelegtes Marinemanöver in der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Unter dem Codenamen „Intelligente Kontrolle der Straße von Hormus“ wurden Teile der Wasserstraße temporär gesperrt. Da ein signifikanter Teil der weltweiten Ölexporte durch dieses an den Iran angrenzende Nadelöhr fließt, gilt die komplette Blockade als eines der wichtigsten iranischen Bedrohungsszenarien in einem größeren Konflikt mit den USA.

Die Übungen, die von den iranischen Inseln Abu Musa sowie den Großen und Kleinen Tunb-Inseln aus koordiniert wurden, beinhalteten den Einsatz von Drohnen, elektronischer Kriegsführung und Raketentests. Alireza Tangsiri, der Marinekommandeur der Revolutionsgarden, nutzte das Manöver für eine verhohlene Warnung. Die Streitkräfte seien bereit, die Meerenge auf Befehl der Führung jederzeit vollständig zu schließen. Besonders aufschlussreich war sein Hinweis auf die asymmetrischen Fähigkeiten des Iran: „Die Waffen, die am Tag des Krieges auf das Feld kommen, sind nicht unbedingt dieselben wie die Ausrüstung, die in Übungen verwendet wird.“

Diese Rhetorik wurde durch den Obersten Führer des iranischen Regimes, Ali Chamenei, flankiert, der in einer staatlich übertragenen Rede die Präsenz der US-Marine direkt adressierte. Mit Blick auf den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln (CVN-72), dessen Position nahe dem Iran kürzlich durch Satellitenbilder bestätigt wurde, warnte Chamenei vor Waffen, die gefährlicher seien als amerikanische Kriegsschiffe und diese „auf den Meeresgrund schicken“ könnten.

Verstärkung der defensiven Infrastruktur und Asymmetrie

Parallel zu den offensiven Drohgebärden in der Straße von Hormus treibt Teheran die Härtung seiner strategischen Infrastruktur massiv voran. Quellen, die den iranischen Revolutionsgarden nahestehen, deuten auf umfangreiche Erdarbeiten hin, um die Tunneleingänge der Nuklearanlage in Isfahan sowie der sensitiven Taleqan-2-Einrichtung zu vergraben und gegen Luftschläge zu immunisieren. Gleichzeitig verlagert das Regime signifikante Mengen an Antischiffsraketen an die Küste des Persischen Golfs sowie auf die Inseln Abu Musa und die Tunb-Inseln, um eine asymmetrische Bedrohungskulisse gegen feindliche Marineverbände aufzubauen. Auch die ballistischen Raketenbasen sind betroffen: Ihre Eingänge werden zusätzlich gehärtet, während Teile des Arsenals in östliche Landesteile verlegt werden, um sie der direkten Reichweite potenzieller Angreifer zu entziehen.

Aufnahme eines mutmaßlichen „Tanker Drags“, also der luftgestützten strategischen Verlegung von US-Kampfjets über Westeuropa. (Bild: Telegram/RN Intel)

Massive Verlegung von US-Luftwaffenverbänden

Dass Washington die Drohungen ernst nimmt und den Druck aufrechterhält, zeigen aktuelle Flugbewegungen der U.S. Air Force, die am 17. Februar dokumentiert wurden. Erneut deutet sich eine deutliche Rotation sowie eine spürbare Verstärkung der amerikanischen Luftüberlegenheit in der Region an.

So wurden Bewegungen von drei KC-46A „Pegasus“ Tankflugzeugen über dem Nordosten der USA registriert, die die Verlegung von zwölf F-22 Raptor Tarnkappenjets des 1ᵗʰ Fighter Wing unterstützen. Diese Elite-Verbände verlegen von der Langley Air Force Base in Virginia zur RAF Lakenheath in Großbritannien, wo sie am Dienstagabend angekommen sind, um die dortigen Kapazitäten für mögliche Einsätze gegen den Iran zu stärken.

Noch relevanter für den Nahen Osten ist die gleichzeitige Mobilisierung von F-16-Staffeln. Eine Flotte von KC-135 Stratotankern unterstützt derzeit die Überführung von zwölf F-16CJ der South Carolina Air National Guard nach Rota in Spanien. Parallel dazu werden bestehende Kräfte in Europa direkt in das CENTCOM-Einsatzgebiet verlegt: Tankflugzeuge schleppen derzeit zwölf F-16C des 31ˢᵗ  Fighter Wing aus Aviano (Italien) sowie zwölf weitere F-16CJ des 52ⁿᵈ Fighter Wing aus Spangdahlem (Deutschland) in Richtung Naher Osten. Insgesamt ist dabei Aktivität von US-Lufteinheiten auf einem kaum vergleichbaren Niveau.

Parallel befindet sich ein zweiter Flugzeugträger im Transfer in Richtung Naher Osten. Die USS Gerald R. Ford ist heute im Atlantik angekommen und hat damit die Karibik verlassen.

Israelische Luftschläge auf Teheran im Juli 2025: Die damaligen Angriffe fanden ebenfalls vor dem Hintergrund laufender Gespräche statt. (Bild: CC4.0)

Keine falsche Sicherheit

Die Truppenbewegungen beider Parteien lassen auf militärische Nervosität angesichts drohenden diplomatischen Scheiterns schließen. Langsame Prozesse und nicht erfüllte Erwartungen haben schon im letzten Jahr zu einer Eskalation geführt, die sowohl den Iran als auch Israel schwer getroffen hat. Ob die Aussicht auf eine weitere Gesprächsrunde die aktuell drohende Entgleisung zeitweise verhindert, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Beide Seiten scheinen einen militärischen Konflikt so lange wie möglich verhindern zu wollen, denn eine weitere Zuspitzung, wie derzeit vorhanden, scheint kaum möglich.

Dabei steht vor allem der Iran vor einem existenziellen Dilemma: Zwischen der Aussicht auf Aufhebung internationaler Sanktionen und der damit einhergehenden innenpolitischen Beruhigung und wirtschaftlichen Stabilisierung einerseits und dem geforderten Abbau der ideologischen und militärischen Grundprinzipien der Abschreckung andererseits.

Doch auch die USA befinden sich in einer strategischen Sackgasse. Da immer noch keine Forcierung eines schnellen Regimewechsels in Teheran sichergestellt ist, bleibt die Aussicht auf einen potenziell disruptiven Großkonflikt im Nahen Osten. Eine Perspektive, die für die innenpolitisch geschwächte Trump-Administration derzeit äußerst unattraktiv ist. Doch gleichzeitig gibt die neu gesetzte Frist von zwei Wochen den USA die Zeit, um einen weiteren strategischen Faktor in die Region zu verschieben: die USS Gerald R. Ford.

Bei all diesen Faktoren bleibt jedoch klar, dass langsame Fortschritte in der Diplomatie eine friedliche Beilegung der Situation nicht garantieren. Dass Verhandlungen keine falsche Sicherheit projizieren sollten, zeigte besonders der Zwölftagekrieg im letzten Jahr. Die Offensive seitens Israels und der USA fand auch damals vor dem Hintergrund schleppender Verhandlungen über das Atomprogramm statt.

Jannis Düngemann