Am 3. Februar 2026 kam es über dem Arabischen Meer zu einem scharfen Waffeneinsatz der US-Navy. Ein Mehrzweckkampfflugzeug des Typs F-35C Lightning II, zugehörig zur Marine Fighter Attack Squadron 314 (VMFA-314), fing eine iranische Drohne ab und zerstörte diese. Nach Angaben von US-Offiziellen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters hatte sich das unbemannte System zuvor dem atomgetriebenen Flugzeugträger USS Abraham Lincoln (CVN-72) in „bedrohlicher Weise“ genähert.

Das Weiße Haus bestätigte den Vorfall. Pressesprecherin Karoline Leavitt erklärte in einem Interview, dass die iranische Drohne „aggressiv“ gegenüber dem US-Verband agiert habe, was den Abschuss notwendig machte. Admiral Bradley Cooper, Kommandeur des U.S. Central Command (CENTCOM), untermauerte die Entscheidung mit einer deutlichen Warnung in Richtung Teheran: „Fortgesetzte iranische Belästigungen und Bedrohungen in internationalen Gewässern und im internationalen Luftraum werden nicht toleriert.“

Die iranische Revolutionsgarde (IRGC) stellte den Vorfall über die halbstaatliche Agentur Tasnim anders dar. Demnach habe die Drohne eine „rechtmäßige Überwachungsmission in internationalen Gewässern“ durchgeführt und erfolgreich Daten übertragen, bis der Kontakt abriss. Als Reaktion auf den Verlust kündigte der Iran an, umgehend eine weitere Drohne zur Überwachung der USS Abraham Lincoln entsandt zu haben – ein Schritt, der die Volatilität der Lage weiter unterstreicht.

Eine F-35C Lightning II, die dem Marine Fighter Attack Squadron (VMFA) 314 zugeteilt ist, bereitet sich am 24. Januar 2026 auf eine Fanglandung auf dem Flugdeck des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln (CVN 72) vor. (Bild: DVIDS)

Mysterium um die „Shahed-139“

Für Verwirrung sorgt die technische Klassifizierung des abgeschossenen Fluggeräts. Offizielle US-Stellen bezeichneten das Ziel als „Shahed-139“. Diese Deklarierung wirft Fragen auf, da in einschlägigen Rüstungsdatenbanken kein iranisches System unter dieser Bezeichnung geführt wird. Dabei kann es sich entweder um einen Übermittlungsfehler oder eine Verwechslung handelt.

Fachleute von The Aviationist andererseits stufen das System als direkte Weiterentwicklung der bewährten Shahed-129 ein, wobei es technisch die Lücke zur leistungsfähigeren Kaman-22 schließen soll.

Damit handelt es sich um die operative Premiere einer neuen Evolutionsstufe iranischer Drohnentechnologie. Entgegen der weitverbreiteten Shahed-136 ist die 139 keine Einweg-Kampfdrohne, sondern ein klassisches, wiederverwendbares MALE-UAV (Medium Altitude Long Endurance), das für langanhaltende Missionen in mittleren Höhen konzipiert ist.

Die Design-Philosophie bleibt dabei stark an das Vorbild der amerikanischen MQ-1 Predator angelehnt: Ein konventioneller Rumpf, gepaart mit geraden Tragflächen für maximale Gleiteigenschaften, und ein charakteristischer Schubpropeller am Heck prägen das Erscheinungsbild. Für die notwendige Ausdauer von über 24 Stunden sorgt vermutlich weiterhin ein Rotax-914-Kolbenmotor oder ein lokales Derivat. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu älteren Vorgängermodellen ist die offenbar standardisierte Aufrüstung auf vier Waffenstationen (Hardpoints) unter den Tragflächen. Dies ermöglicht theoretisch die Aufnahme von Wirkmitteln wie Sadid-345-Gleitbomben oder Qaem-Raketen.

Ob es sich bei der Bezeichnung „Shahed-139“ tatsächlich um eine bisher unbekannte Modifikation handelt oder lediglich um einen bürokratischen Fehler im Berichtswesen, bleibt abzuwarten.

Dieses Bild soll die mysteriöse 129/139 Shahed zeigen. Neben der Diskussion um die Bezeichnung ist jedoch klar, dass es sich um eine Aufklärungsdrohne handelt. (Bild: Wikimedia)

Einordnung in die strategische Lage

Der Abschuss durch eine F-35C – die trägergestützte Variante des modernen Tarnkappenjets – ist auch als militärisches Signal zu werten. Der Einsatz dieses hochmodernen Waffensystems gegen eine vergleichsweise simple Aufklärungsdrohne demonstriert die hohe Bereitschaft der Trägergruppe.

Der Vorfall ereignet sich in einer Phase, in der die Nerven auf beiden Seiten blank liegen. Die Präsenz der USS Abraham Lincoln in der Region ist Teil einer verstärkten US-Strategie, um iranische Aktivitäten einzudämmen oder sogar einen möglichen Regimewechsel einzuleiten . Dass Begegnungen wie der jetzige Abschuss schnell eskalieren können, zeigte sich bereits in der Vergangenheit.

Die Route einer weiteren Drohne auf Flightradar, die die IRGC nach dem Abschuss gestartet haben soll. (Bild: Telegram/MES)

Die Ankündigung Teherans, Ersatzdrohnen in das Gebiet zu entsenden, lässt darauf schließen, dass der Iran gewillt ist, die engmaschige Überwachung der US-Flotte trotz des Risikos weiterer Verluste aufrechtzuerhalten. Auch das zeigt, dass der Iran nicht unbedingt mit einer baldigen Entspannung rechnet. Seit der Ankunft der Trägerkampfgruppe im Zuständigkeitsbereich CENTCOM meldeten OSINT-Kreise konstant gesteigerte Aufklärungsaktivitäten der IRGC in umliegenden Gewässern.

Jannis Düngemann