Visuelle Belege bestätigen die Auslieferung russischer Kampfhubschrauber des Typs Mi-28NE an Teheran, über die lange spekuliert wurde. Die identifizierte Konfiguration mit dem elektronischen Selbstschutzsystem „President-S“ und Millimeterwellen-Radar markiert ein deutliches technologisches Upgrade für die iranischen Heeresflieger.
Nach monatelangen Spekulationen und unbestätigten Berichten gilt der Zulauf russischer Kampfhubschrauber des Typs Mil Mi-28 (NATO-Code: „Havoc“) an den Iran nun als gesichert. Aktuelle Open-Source-Intelligence-Analysen (OSINT) von Anfang Februar 2026, darunter Videoaufnahmen am Flughafen Teheran-Mehrabad sowie Bildmaterial aus den Werkhallen der Pars Aviation Services Company (PASC), belegen die Präsenz der Drehflügler.
Die Maschinen sind mit einer für die Region typischen Wüstencamouflage ausgestattet. Während die genaue Stückzahl noch nicht offiziell verifiziert wurde, kann man derzeit von drei bis sechs Luftfahrzeugen ausgehen. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um einen Mix aus der einsitzigen Kampfversion Mi-28NE und der Schulungs- und Kampfversion Mi-28UB, um die Umschulung der Besatzungen zeitnah zu gewährleisten.
Die Lieferung erfolgte höchstwahrscheinlich via Lufttransport über das Kaspische Meer; Flugbewegungen schwerer Transportmaschinen des Typs Il-76 rund um den Jahreswechsel, die in der Aufregung um die Spannungen mit den USA untergingen, stützen diese Annahme. Weder die russischen noch die iranischen Regierungsstellen haben den Waffenexport bisher offiziell kommentiert.

Technische Ausstattung: Überlebensfähigkeit und Sensorik
Detaillierte Aufnahmen, die ab dem 11. Februar von Quellen aus dem Umfeld der Revolutionsgarden (IRGC) verbreitet wurden, lassen auf die verbauten defensiven und offensiven technischen Systeme der an den Iran ausgelieferten Kampfhubschrauber schließen. Die identifizierten Muster weisen eindeutige Merkmale einer modernen Exportvariante auf, die Lehren aus den russischen Operationen in Syrien und der Ukraine integriert und Systeme des Avangard-3-Modernisierungsprogramms des Mi-28-Modells miteinschließt.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Integration des elektronischen Selbstschutzsystems (Electronic Warfare Suite). Die Aufnahmen zeigen Komponenten, die dem L370V28 „Witebsk“-System zugeordnet werden können – in der Exportfassung als „President-S“ bekannt. Sichtbar sind L150-28M Radarwarnempfänger an der Nase sowie L-140M Laserwarner und L370-2 UV-Sensoren an den Flügelspitzen.
Entscheidend für die Überlebensfähigkeit im modernen Gefechtsfeld ist das unter dem Rumpf angebrachte L370V28-5L DIRCM-System (Directional Infrared Counter Measures). Dieses System ist in der Lage, anfliegende infrarotgelenkte Lenkflugkörper (MANPADS) durch gezielte Laserbestrahlung des Suchkopfes zu blenden und vom Kurs abzubringen. Ergänzt wird dies durch klassische UV-26 Täuschkörperwerfer (Flares/Chaff). Diese Ausstattung ist eine direkte Reaktion auf die hohe Bedrohungsdichte durch schultergestützte Flugabwehrsysteme, wie sie in der Ukraine massiv zum Tragen kam.
Kampfwertsteigerung durch Millimeterwellen-Radar
Zusätzlich zur passiven und aktiven Schutzwirkung verfügen die gelieferten Mi-28NE über ein Mastvisier oberhalb des Rotorkopfes. Dabei handelt es sich nach inoffiziellen iranischen Angaben um das N025M-Radar. Dieses im Millimeterwellenbereich arbeitende System ermöglicht die Zielaufklärung und -verfolgung unter Allwetterbedingungen sowie bei Nacht.
Das N025M bietet eine Reichweite von etwa zehn bis 20 Kilometern und erlaubt der Besatzung, aus der Deckung heraus („Hull-down“-Position) Ziele aufzuklären, ohne den Rumpf des Hubschraubers exponieren zu müssen. In Verbindung mit der 30-mm-Bordkanone 2A42 und der Fähigkeit, Luft-Luft-Lenkflugkörper der Typen Igla-V oder R-73 zu verschießen, transformiert dies die Rolle des Hubschraubers als Asset zur Bekämpfung von Luftzielen.

Feuerkraft und hohe Agilität: Das Arsenal des Mi-28
Der Mi-28 (in der Exportversion als NE geführt) ist primär als fliegende Waffenplattform konzipiert, die massive Feuerkraft mit hoher Überlebensfähigkeit kombiniert. Das Kernstück der Bewaffnung bildet die kinnmontierte 30-mm-Maschinenkanone Schipunow 2A42. Diese Waffe, die auch im Schützenpanzer BMP-2 verbaut ist, nutzt die gleiche Munition wie die Bodentruppen und kann sowohl gegen weiche Ziele als auch gegen leicht gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt werden. Ihre Beweglichkeit ist mit dem Sensorturm synchronisiert, was eine schnelle Zielbekämpfung ermöglicht („Look and Shoot“).
Noch entscheidender ist jedoch die Flexibilität an den vier Außenlaststationen unter den Stummelflügeln. Mit einer Nutzlast von fast zwei Tonnen kann der „Havoc“ missionsspezifisch konfiguriert werden. Für die Panzerjagd stehen funkferngesteuerte Lenkflugkörper der „Ataka“- oder „Schturm“-Serie bereit. Besonders brisant im aktuellen Kontext ist die Fähigkeit zur Aufnahme von Luft-Luft-Lenkflugkörpern wie der R-73 (NATO-Code: AA-11 Archer) oder der Igla-W. Damit erhält der Hubschrauber eine glaubhafte Fähigkeit zur Selbstverteidigung gegen andere Luftfahrzeuge und zur Bekämpfung von Drohnen. Ergänzt wird dies durch die klassische Fähigkeit zum Verschuss ungelenkter S-8- oder S-13-Raketen für den Flächenbeschuss.
| Antrieb & Leistung | Daten |
| Triebwerke | 2 × Klimow Wellenturbinen TW3-117WMA-SB3 (oder TW7-117WK) |
| Leistung | je ca. 2.400 PS (1.765 kW) bis 2.700 PS (1.986 kW) |
| Höchstgeschwindigkeit | 324 km/h |
| Marschgeschwindigkeit | 265 km/h |
| Reichweite | 435 km (normal) / 1.105 km (Überführung) |
| Dienstgipfelhöhe | 4.950 m (dynamisch) / 3.500 m (statisch) |
| Bewaffnung (Rohrwaffen) | |
| Kinnlafette | 1 × 30-mm-Maschinenkanone Schipunow 2A42 (250 Schuss, panzerbrechend/Sprengsplitter) |
| Optional (Pod) | 2 × UPK-23-250 Behälter (doppelläufige 23-mm-Kanone mit 260 Schuss) |
| Lenkflugkörper (Außenlast) | Bis zu 1.920 kg an 4 Stationen |
| Luft-Boden (Panzerabwehr) | 16 × 9M120 „Ataka-W“ oder 9M114M2 „Schturm-W“ (SACLOS-gesteuert)
8 × 9M123 „Chrisantema-W“ (Radar/Laser) |
| Luft-Luft | 4 × Doppelstarter für 9K38W Igla-W (Infrarot)
2 × R-73 (AA-11 „Archer“) (Infrarot-Kurzstrecke) |
| Ungelenkte Waffen & Bomben | |
| Raketen | Behälter für S-8 (80 mm) oder S-13 (122 mm)
Einzelstartschienen für S-24B (240 mm) |
| Bomben / Submunition | Freifallbomben (z.B. ODAB-500PMW Aerosol)
Streubomben (RBK-250) Submunitionsbehälter (KMGU-2) |
Operative Bedeutung nach den Verlusten von 2025
Nachschub an modernisierte Luftplattformen, besonders für die Nahunterstützung ist für den Iran von strategischer Relevanz. Denn im Juni 2025 erlitten die iranischen Streitkräfte im Konflikt mit Israel empfindliche Verluste, insbesondere bei ihrer Flotte von Bell AH-1J „Cobra“-Kampfhubschraubern. Insgesamt sollen acht dieser technisch veralteten, von vor der Islamischen Revolution stammenden Drehflügler durch israelische Drohnen zerstört worden sein.

Die offensiven Luftkapazitäten sowie das elektronische Selbstschutzsystem der neuen Mi-28NE dürften sich als widerstandsfähiger erweisen. Die Einführung stellt somit einen Generationssprung für die iranische Luftnahunterstützung dar. Angesichts der anhaltenden Spannungen mit den USA und der regionalen Instabilität repräsentiert der Zulauf der Luftplattformen den iranischen Willen zur schnellen Regeneration und unterstreicht die anhaltende Partnerschaft mit Russland.
Jannis Düngemann


















