
Der maritime Kollaps der Islamischen Republik Iran
Hans Uwe Mergener
Am sechsten Tag der konzertierten Militäroperationen „Epic Fury“ (USA) und „Rising Lion“ (Israel) lässt sich das nähernde Ende, wenn nicht sogar das faktische, der maritimen Verteidigungsarchitektur des Iran konstatieren. Zumindest ist sie als kohärenter Verbund nicht mehr existent. Während die erste Phase des Konflikts durch die Ausschaltung der landgestützten Luftverteidigung und Command-and-Control-Zentren (C2) geprägt war, könnte der heutige Tag den Übergang zur Phase der „Area Denial Neutralization“ markieren. Der Iran ist als konventioneller maritimer Akteur weitgehend neutralisiert; die verbliebenen asymmetrischen Kapazitäten werden systematisch bereinigt.
Chronologie
Tag 1–5: Der Kollaps der iranischen Seekriegskapazitäten verlief in drei präzise aufeinander abgestimmten Phasen:
Tag 1–2 (SEAD & C2): Massive Schläge gegen Radaranlagen und Kommunikationsknoten. Ein chirurgischer Luftschlag auf das Hauptquartier in Bandar Abbas führte zum Tod von Konteradmiral Shahram Irani, dem Oberbefehlshaber der regulären Marine (Artesh). Dies löste ein operatives Vakuum aus, von dem sich die Flottenführung nicht mehr erholt hat.
Tag 3–4 (IRGC-Neutralisierung): Gezielte Angriffe auf die Schnellboot-Basen der Revolutionsgarden. Schätzungsweise 70 % der Kleinkampfmittel (Zolfaqar- und Tondar-Klasse) wurden durch Loitering Munition bereits in ihren Verstecken zerstört.
Tag 5: Systematische Versenkung der verbliebenen Überwassereinheiten in den Häfen von Chah Bahar und Buschehr.
Analyse der Hauptverluste (Stand 05.03.2026)
Die aktuelle Battle Damage Assessment (BDA) weist den Verlust der technologischen und strategischen Spitze Irans aus.
- IRIS Dena (Moudge-Klasse Fregatte): In einer historisch bedeutsamen Operation wurde die Dena ca. 40 Seemeilen südlich von Galle, Sri Lanka, durch ein US-Atom-U-Boot der Virginia-Klasse mittels Mark 48 ADCAP Torpedo versenkt. Die Fregatte befand sich auf dem Rückmarsch von der Übung MILAN 2026 und wurde als „Out-of-Area“-Bedrohung neutralisiert. Siehe Ziff. III.
- Shahid Mahdavi (Hilfsschiff für asymmetrische Seekriegsführung): Das umgebaute Containerschiff der IRGC sank im Golf von Oman nach massiven Treffern durch LRASM-Seezielflugkörper. Mit ihr verliert der Iran seine einzige mobile Basis für Drohnenstarts und ballistische Container-Raketen weitab der eigenen Küste.
- Während die Korvette Jamaran bereits am 03. März in Chah Bahar versenkt wurde, kenterte die schwer beschädigte Fregatte Sahand gestern, am 04. März, an ihrem Liegeplatz in Bandar Abbas.
- U-Boot-Waffe: Die drei Einheiten der Kilo-Klasse (Projekt 877) gelten als „blockiert“. Durch Luftschläge auf die Bunkerzugänge in Bandar Abbas sind diese Einheiten derzeit manövrierunfähig und für den Konflikt faktisch ausgefallen.
Der Fall „IRIS Dena“
Besondere Aufmerksamkeit erregte die Versenkung der Fregatte IRIS Dena am 04. März 2026. Das Schiff wurde ca. 40 Seemeilen südlich von Galle (Sri Lanka) durch einen Mark 48 ADCAP Torpedo eines US-U-Boots der Virginia-Klasse zerstört.
Der amtierende US-Verteidigungsminister Peter Brian Hegseth bezeichnete den Angriff bei einer Pressekonferenz im Pentagon als „den ersten Torpedoeinsatz gegen ein feindliches Kriegsschiff seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs“.
Diese Aussage bedarf einer Präzisierung: Während es sich tatsächlich um den ersten Torpedoeinsatz eines US-amerikanischen U-Boots gegen eine feindliche Überwassereinheit seit 1945 handelt, ist die globale Behauptung historisch inkorrekt. Hegseth lässt hierbei die Versenkung des argentinischen Kreuzers ARA General Belgrano durch das britische U-Boot HMS Conqueror (Falklandkrieg, 1982) sowie die Versenkung der indischen INS Khukri durch die pakistanische Hangor (1971) außer Acht. Die Versenkung der Dena markiert jedoch den ersten Einsatz eines modernen, gelenkten Schwergewichtstorpedos durch ein SSN gegen eine moderne iranische Einheit.

Aktuelles
In den frühen Morgenstunden des 05. März kam es zu einem Zwischenfall. Nahe dem Hafen Mubarak Al Kabeer (Kuwait) kam es auf einem dort ankernden Rohöltanker zu einer schweren Explosion. Erste Berichte von UKMTO und regionalen Quellen bestätigen einen massiven Ölaustritt. Augenzeugen berichteten von einem kleinen, schnellen Fahrzeug, das sich unmittelbar nach der Detonation mit hoher Geschwindigkeit von der Einschlagstelle entfernte.
Internationaler Aufmarsch und SLOC-Sicherung
Das entstandene Machtvakuum wird derzeit durch eine massive internationale Flottenkonzentration stabilisiert. Im Fokus steht die Sicherung der Sea Lines of Communication (SLOC) gegen verbliebene asymmetrische Nadelstiche und die erhebliche Minenbedrohung (Typ EM-52).
- UK (Royal Navy): Entsendung der HMS Prince of Wales (R09) Carrier Strike Group mit Fokus auf spezialisierte Minenabwehr (MCM).
- Frankreich (Marine Nationale): Wie von Staatspräsident Macron angekündigt, verlegt die Trägergruppe um die Charles de Gaulle (R91) (vor kurzem noch in Westschweden) in das östliche Mittelmeer. Frankreich positioniert sich damit als Schutzmacht die europäische Südflanke und schickt das Signal, dass es seine historisch tief verwurzelte Interessen wahrnimmt und aktiv ausübt. Die Präsenz dient der Rückversicherung alliierter Staaten und der Absicherung gegen eine horizontale Eskalation des Konflikts.
- Regionale Partner: Griechenland entsendet eine Fregatte der Hydra-Klasse (EU-Mission ASPIDES), während die Türkei durch die Verlegung der TCG Anadolu und Begleitschiffen Präsenz zeigt, um regionale Interessen abzusichern.
Das Ende der iranischen Blue-Water-Ambitionen
Der Kollaps lässt sich nicht nur an den Verlusten festmachen. Ohne integrierte Luftverteidigung und moderne Führungs- und Waffeneinsatzsysteme (FüWES) bleiben die verbleibenden iranischen Einheiten weitgehend schutzlos. Bei fortschreitender Reduzierung der Order of Battle werden die iranischen Seestreitkräfte auf den Status einer reinen Küstenverteidigungskraft zurückgeworfen. Während die Artesh-Navy als konventioneller Faktor physisch vernichtet ist, bleibt die IRGC-Navy als hybrider Schattenkrieger gefährlich.
Nach der Zerschlagung der konventionellen Kapazitäten wandelt sich der Einsatzraum von einem Schauplatz der klassischen Seekriegsführung (Surface Warfare) zu einem hochkomplexen Feld für Maritime Security Operations (MSO) und Explosive Ordnance Disposal (EOD).
Die Straße von Hormus entwickelt sich von einem klassischen Kriegsschauplatz zu einem hochkomplexen Schauplatz der hybriden Absicherung. Die Herausforderung für die Koalition liegt nun in der technischen Attribuierung asymmetrischer Angriffe und einer langwierigen, technologisch anspruchsvollen MCM-Kampagne. Ziel ist die Wiederherstellung der maritimen Integrität, während verbliebene IRGC-Restzellen versuchen, durch punktuelle Nadelstiche die ökonomische Stabilität der Region zu untergraben. Zudem besteht die Herausforderung für die sich bildende maritime westliche Koalition darin, von der massiven Zerstörung zur chirurgischen Sicherung umzustellen, um die Ölmärkte zu beruhigen.
Geolokalisation iranischer Schiffsverluste (Stand: 05.03.2026)
| Standort | Koordination (ca.) / Region | Betroffene Einheit(en) | Status | Zugehörigkeit |
| Buschehr (Marinebasis) | 28°59’N 50°50’E | Schnellboot-Flottille (Tondar-Klasse) | Ca. 40% zerstört (Hafenbecken) | IRGC |
| Buschehr (Hafen) | 28°58’N 50°51’E | Unterstützungsschiff (Karkas-Klasse) | Schwer beschädigt am Kai | Artesh (Marine) |
| Bandar Abbas (Hauptbasis) | 27°08’N 56°12’E | Sahand (Moudge-Klasse Fregatte) | Gekentert am Ausrüstungskai | Artesh (Marine) |
| Bandar Abbas (Trockendock) | 27°09’N 56°15’E | Unbenannte Moudge-Klasse Fregatte | Zerstört im Dock (Luftschlag) | Artesh (Marine) |
| Bandar Abbas (U-Boot-Bunker) | 27°08’N 56°12’E | Kilo-Klasse (Projekt 877) (3 Einheiten) | Blockiert/Eingeschlossen (Bunkerschäden) | Artesh (Marine) |
| Straße von Hormus (Qeshm) | 26°45’N 55°50’E | Diverse Patrouillenboote (Zolfaqar) | Multiple Wracks in Küstennähe | IRGC |
| Golf von Oman (Offene See) | 25°10’N 59°30’E | Shahid Mahdavi (Expeditionsschiff) | Versenkt (tiefes Wasser) | IRGC |
| Chah Bahar (Ost-Becken) | 25°17’N 60°37’E | Jamaran-Klasse (Korvette) | Versenkt (Wrack ragt aus dem Wasser) | Artesh (Marine) |
| Indischer Ozean | 5°55′ N, 80°13′ E | IRIS Dena (Moudge-Klasse Fregatte) | Versenkt (Torpedotreffer, Los Angeles – Klasse) | Artesh (Marine) |
| Jask (Küstenstation) | 25°38’N 57°46’E | Mobile Küstenbatterien (Noor/Qader) | Einige Stellungen neutralisiert | IRGC / Artesh |

Hans Uwe Mergener













