Die Bundeswehr hat das besatzungslose Fluggerät Twister von Quantum Systems als Nachfolgesystem für ALADIN ((Abbildende Luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich)) ausgewählt. Das BAAINBw hat am 12. Dezember mit Quantum Systems einen Rahmenvertrag über die Beschaffung von bis 747 Aufklärungsdrohnen abgeschlossen. Wie das Unternehmen mitgeteilt hat, werden als Festbeauftragung 147 Systeme einschließlich zugehöriger Serviceleistungen sofort beschafft.

Twister zum Senkrecht-Start auf eine Lichtung aufgebaut. Im Hintergrund der Transportrucksack. (Foto: Quantum Systems)

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte am 3. Dezember dafür 16 Millionen Euro bereitgestellt. Nach ES&T vorliegenden Unterlagen hat der Rahmenvertrag ein Gesamtvolumen von 85 Millionen Euro mit einer Laufzeit von sieben Jahren. Die 147 Systeme sollen im Zeitraum 2026 bis 2028 geliefert werden. Quantum Systems hat Produktionskapazitäten zugesagt, die eine Belieferung der optionalen 600 Systeme bis 2029 möglich machen.

„Der Zuschlag für den Nachfolger des ALADIN-Systems freut mich persönlich sehr, da wir die Zeitenwende, jetzt gemeinsam mit dem BAAINBw und der Bundeswehr in die Tatenwende bringen. Wir sind sehr stolz, als Quantum Systems eng an der Seite unserer Bundeswehr zu stehen und sie mit einem weltweit führenden Produkt ausstatten zu dürfen. Die Bundeswehr wird zur Drohnenarmee und wird damit der steigenden Relevant unbemannter Systeme gerecht“, sagte Martin Karkour, CRO von Quantum Systems.

Twister speziell für taktische Aufklärungsmissionen auf Gruppen- und Zugebene

ALADIN soll in den Teilstreitkräften Heer, Marine und Luftwaffe eingesetzt werden und stellt eines der Haupt-Aufklärungssysteme der Bundeswehr dar.

Nach der Beschreibung von Quantum Systems ist das Twister-System ein elektrisch angetriebenes eVTOL (electric Vertical Take-Off and Landing) sUAS (small Uncrewed Aeriel System), das speziell für taktische Aufklärungsmissionen auf Gruppen- und Zugebene entwickelt wurde. Mit einem maximalen Abfluggewicht von vier Kilogramm, einer Flugdauer von 90 Minuten und einer Reichweite von 15 Kilometern liefert Twister Echtzeit-Luftaufklärung.

„Der Twister vereint deutsche Ingenieurskunst, KI-basierte Autonomie und einsatzerprobte Zuverlässigkeit aus der Ukraine“, so Karkour.

Die Bedienung des Twister über den Controller ist schnell erlernt. (Foto: Quantum Systems)

Analyse der Sensordaten mit KI in Echtzeit an Bord

In einem Gimbal ist ein elektrooptischer/Infrarot Sensor kardanisch aufgehängt, der horizontal um 360 Grad und vertikal um mehr als 180 Grad gedreht werden kann. Optional können ein Laserbeleuchter und ein akustischer WASP-Sensor integriert werden. WASP (Weles Acoustic Sensor Payload der Firma Weles Acoustic) kann Artillerieabschüsse in bis zu 15 und Handwaffenfeuer in bis zu 2,5 Kilometer Entfernung lokalisieren und die anderen Sensoren darauf ausrichten.

Die Sensordaten werden an Bord des Twister durch Edge-KI in Echtzeit analysiert und aufbereitet. Szenenanalyse und Zielklassifikation erfolgen autonom. Dadurch werden nur relevante Informationen an die Bediener weitergegeben.

Die Steuerung erfolgt über die MOSAIC UXS Missions-Software von Quantum Systems, welche die Interoperabilität zwischen den ALADIN und FALKE Systemen sicherstellen wird und damit auch die Ausbildungszeit der Piloten verkürzt. Das System selbst ist in GNSS-denied- und elektronisch umkämpften Umgebungen voll funktionsfähig.

Variabler Betrieb mit dem „Tailsitter“

Das nur vier Kilogramm schwere System wird im Rucksack an seinen Einsatzort gebracht. Als „Tailsitter“ wird der Senkrechtstarter auf dem Boden gestellt und kann aus einem Fahrzeug oder einer Deckung gestartet und geflogen werden. Im Einsatz fliegt er bis zu 3.700 Meter hoch und ist fast unhörbar und kaum sichtbar.

Mit Nexus hat Quantum Systems eine Containerlösung entwickelt. Damit kann völlig autonomer Betrieb des Twister realisiert werden. Nexus kann zum Beispiel auf einem Fahrzeug integriert werden und während der Fahrt starten und landen.

Leistungssprung mit Twister

Mit Twister macht ALADIN einen Leistungssprung. Das System fliegt höher (3.700 vs 150 Meter), länger (90 vs 60 Minuten) und weiter (15 vs 5 Kilometer). Damit vervielfacht sich die Fläche. Der Senkrechtstart erhöht die Flexibilität bei der Auswahl des Startplatzes. Der Bediener kann beim Start und während des Fluges in Deckung bleiben und das System mithilfe des Controllers führen und die Daten in der Auswerteeinheit analysieren. Zum Bodensegment gehören darüber hinaus eine Antennenanlage und eine Ladevorrichtung für die Batterien.

gwh