Mehr als 2,5 Milliarden Euro für elf Beschaffungsvorhaben gebilligt
Gerhard Heiming
Am 3. Dezember hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die 25-Millionen-Euro-Vorlagen Nr. 62 bis 73 dieses Jahres gebilligt. Für die elf Beschaffungsvorhaben wurden über 2,5 Milliarden Euro freigegeben. Es wird erwartet, dass die meisten Beschaffungsverträge noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die freigegebenen Mittel werden überwiegend erst nach 2026 in nennenswertem Umfang abfließen. Und dann erst wird der Zulauf des Materials in die Truppe beginnen.
Über die fünf Vorhaben URANOS KI, System Sturmgewehr G95 und die zugehörigen Laser-Licht-Module, leichter Lkw Wolf und ALADIN wurde auf ESuT.de bereits berichtet.
Lenkflugkörper Joint Strike Missile (JSM) für die F-35A
Die deutschen Kampfflugzeuge F-35 A erhalten als Bewaffnung unter anderem den Lenkflugkörper Joint Strike Missile (JSM) des norwegischen Herstellers Kongsberg. Eine erste Tranche im Wert von 564 Millionen Euro hatte die Bundeswehr im Juni bestellt. Jetzt wurde vom Haushaltsausschuss die Beschaffung der zweiten Tranche freigegeben. Mit der Beschaffung will die Bundeswehr die Durchhaltefähigkeit für das Waffensystem sicherstellen und die NATO-Fähigkeitsziele erreichen.

Deutschland wird nach Norwegen, Japan, Australien und den USA der fünfte Nutzer von JSM in der F-35.
Die Marschflugkörper JSM werden vom norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg in Kooperation mit der US-amerikanischen RTX hergestellt. Die Beschaffung wird als Regierungsgeschäft zwischen Norwegen und Deutschland im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern im Bereich des Verteidigungsmaterials der Marine durchgeführt. Gemäß der Vereinbarung werde die norwegische Behörde für Verteidigungsmaterial (NDMA) als Vertragspartner fungieren.
Seeraumüberwachungsradar NH90
Die NTH Sea Lion der Deutschen Marine verfügen mit dem markanten Seeraumüberwachungsradar über einen leistungsfähigen Sensor für die Überwachung von See- und Luftraum, die U-Boot-Jagd und die Bekämpfung von Oberflächenzielen. Für die Neuentwicklung des 360-Grad-Überwachnungsradars, die gemeinsam mit den Partnerländern erfolgen soll, hat der Haushaltsausschuss rund 30 Millionen Euro freigegeben. Im Fokus stehe dabei der Exciter Receiver Prozessor, der für die Erzeugung der Radarsignale und die Verarbeitung der Radarechos unerlässlich ist, schreibt das BMVg.

Spezialwerkzeuge und Testgeräte für den Eurofighter
Gemeinsam mit den drei Eurofighter-Partnern (Großbritannien, Italien, Spanien) will die Bundeswehr in die Neuentwicklung und Lieferung von Spezialwerkzeugen und Testgeräten investieren. Dafür hat der Haushaltsausschuss rund 65 Millionen Euro freigegeben. Diese dienen nach Angabe des BMVg zum Beispiel der Instandhaltung spezieller elektronischer Komponenten („Avionik“) und damit dem Fähigkeitserhalt des Waffensystems Eurofighter.
Drohne Heron TP – Steigerung monatliches Flugstundenkontingent
Die in Afghanistan und Mali von Airbus Defence and Space Airborne Solutions im Rahmen eines Betreibervertrags bereitgestellte besatzungslose Fluggerät muss für den Betrieb im kontrollierten Luftraum in Europa angepasst werden. Der dazu notwendige Flugbetrieb findet auf dem Fliegerhorst Jagel statt. Für die Verlängerung des Betreibervertrages und die Erweiterung des Demonstrationsflugbetriebs hat der Haushaltsausschuss rund 630 Millionen Euro freigegeben.
Die Bundeswehr will mit den German Heron TP (GHTP) die Fähigkeitslücke bis zur Einführung der Eurodrone ab 2030 mit insgesamt sechs GHTP abdecken. Da dauerhaft zwei Maschinen in Israel zur Ausbildung verbleiben sollen, müssen drei weitere Drohnen gemietet werden.

Sprechsätze mit integriertem Gehörschutz
Die Bundeswehr erhält seit Mitte 2024 Sprechsätze mit Gehörschutzfunktion (SMG) aus einem Sieben-Jahres-Rahmenvertrag von Rheinmetall. Von der vereinbarten Gesamtmenge von 191.000 Stück sind die ersten 60.000 in zwei Losen abgerufen worden. Die Auslieferung bis Ende 2025 abgeschlossen sein.
Jetzt wurde mit erheblicher Verzögerung der 3. Abruf vom Haushaltsausschuss gebilligt. Geplant war die Beschaffungsvorlage schon für September. Für den 3. Abruf aus dem Rahmenvertrag wurden rund 140 Millionen Euro freigegeben. Das entspricht etwa 60.000 Sprechsätzen, die ab 2026 geleifert werden sollen. Im Rahmenvertrag ist eine Obergrenze von 191.000 Sprechsätzen für rund 400 Millionen Euro vereinbart. Es bleibt also noch ein Rest von 81.000 Sprechsätzen und rund 114 Millionen Euro.

Nach Angabe von Rheinmetall umfasst der SMG einen modernen aktiven Kapselgehörschutz, welcher schädlichen Impulslärm dämpft und leise Geräusche verstärken kann. Weiterhin verfüge das System über ein Mikrofon und lasse sich an verschiedene Funkgeräte anschließen, so dass Sprechfunkverkehr möglich ist.
Die Sprechsätze sind kompatibel mit anderen Ausrüstungsbestandteilen wie zum Beispiel dem Gefechtshelm und minimieren die Gefahr einer dauerhaften Gehörschädigung, schreibt das BMVg. Gleichzeitig ermöglichen sie die Kommunikation unter Gefechtsbedingungen und lassen die Wahrnehmung von Umweltgeräuschen zu. Insofern sind die Sprechsätze vor allem für infanteristische Einsatzszenarien geeignet.
Militärische Sattelanhänger 70t für den militärischen Schwerlasttransport
Mit der Änderung einer Rahmenvereinbarung für militärische Sattelanhänger 70t kann die Bundeswehr nun weitere Sattelanhänger bestellen. Der Ausschuss hat der Vertragsanpassung zugestimmt und gleichzeitig die Bestellung der ersten Sattelanhänger gebilligt.

Die Auflieger ermöglichen mit den entsprechenden Sattelzugmaschinen den militärischen Schwerlasttransport von Großgerät wie zum Beispiel Kampfpanzern Leopard 2 und anderen Rad- und Kettenfahrzeugen oder Containern. Die Sattelanhänger können auch unter ungünstigen Umweltbedingungen, bei mangelhafter Verkehrsinfrastruktur und im leichten Gelände eingesetzt werden. Sie sind hinsichtlich Funktionalität, Bedienbarkeit und Schnittstellen auf die bereits eingeführten Sattelzugmaschinen Mammut abgestimmt und sollen ab 2026 geliefert werden.
Seit 2023 erhält die Bundeswehr Sattelanhänger 70 t von dem Mittelständler Doll Fahrzeugbau. Bisher sind aus dem Rahmenvertrag 122 von 249 Anhängern abgerufen worden mit dem Lieferziel 2025 für das letzte Fahrzeug. Der Rahmenvertrag läuft bis 2029.
Gerhard Heiming

















