Mit der Plattform „SVI-Connect“ wollen die schwarz-rote Bundesregierung und Industrieverbände die Rüstungsproduktion stärken und Lieferketten radikal vereinfachen. Der BDSV stellt indessen klar, was das Kernmerkmal erfolgreicher Unternehmen bleibt.
Die Bundesregierung setzt sich für eine umfangreichere Beteiligung zusätzlicher Industrieunternehmen an der Rüstungsproduktion ein. „Bisher haben die Rüstungskonzerne und die anderen wichtigen Branchen unserer Industrie vorwiegend parallel jeweils in ihren Bereichen gearbeitet. Das soll und das muss sich ändern“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius. Der SPD-Politiker traf am Dienstag (2. Dezember) in Berlin zusammen mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) Interessenvertreter der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI).
Pistorius und Reiche stellten gemeinsam eine Plattform vor („SVI-Connect“), die Rüstungslieferketten durch geeignete Ressourcen aus anderen industriellen Branchen ergänzen soll. „Sicherheitspolitik ist immer jetzt auch Wirtschaftspolitik“, sagte Reiche. Die geopolitisch angespannte Lage dulde keinen Aufschub, erklärte Pistorius: „Wir wollen und müssen die Produktionskapazitäten erhöhen.“ Dies sei der gemeinsame Ansatz für die Initiative gewesen.
BDSV-Chef Atzpodien ermutigt zu Eigeninitiative
„SVI-Connect“ soll neue Zulieferer in die Wertschöpfungsketten einbinden und so die Wertschöpfungskette selbst stabiler gestalten. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV), Hans Christoph Atzpodien, begrüßt die geplante Matchmaking-Plattform. Der BDSV habe die Anregung zu der vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf, Logistik (BME) erarbeiteten und jetzt auch politisch geförderten Plattform gegeben, um so die „schnelle Ergänzung bestehender Rüstungslieferketten zu ermöglichen“.
Zugleich mahnte Atzpodien zur Eigeninitiative. Die Plattform könne Unternehmen, die bisher über keine Erfahrungen im Rüstungsbereich verfügten, nicht davon befreien, sich parallel aus eigener Kraft für einen Platz in den Rüstungslieferketten vorzubereiten und zu qualifizieren. Die Plattform könne vermitteln, erklärte Atzpodien im Gespräch mit dieser Redaktion, Eigeninitiative bleibe jedoch das Kernmerkmal erfolgreicher Unternehmen. „Wenn es um eine Lieferverhältnis zu den bekannten Defence-OEMs geht, sind auch deren Zulieferportale am Ende die maßgebliche Schleuse.“
Bundeswehr soll „schnellstmöglich komplett abschreckungsfähig“ werden
Zugleich erläuterte der BDSV-Chef seine Erwartungshaltung nach dem Rüstungsgipfel in Berlin. „Jetzt kommt es darauf an, unsere Bundeswehr und alle zur Gesamtverteidigung aufgerufenen Sicherheitsorgane so auszustatten, dass wir schnellstmöglich komplett abschreckungsfähig und resilient sind“, sagte Atzpodien. „Dafür wird der Bund aus seinem ansteigenden Verteidigungshaushalt bis zum Jahr 2029 rund 200 Milliarden Euro allein für Rüstung ausgeben.“ Dies erfordere von der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ein weiteres und schnelles Upscaling ihrer Produktionskapazitäten.
Die Plattform „SVI-Connect“ soll ab dem 1. Januar 2026 nutzbar sein. Unternehmen, die bisher nicht in den Rüstungslieferketten vertreten sind, in Zukunft aber mitgestalten wollen, könnten sich hier registrieren.
fpf











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