Deutschland und Kanada haben in einem Regierungsabkommen vom 14. November vereinbart, die Führungswaffeneinsatzsysteme (FüWES) der Überwasserplattformen der Deutschen Marine zu modernisieren. Dafür hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am 5. November 162 Millionen Euro bereitgestellt.
Mithilfe der deutsch-kanadischen Rüstungskooperation wird nun ein marktverfügbares einsatzerprobtes System beschafft. Ziel ist es, einen einheitlichen internationalen Standard zu etablieren, schreibt dazu das BMVg. Die Vertragslaufzeit ist auf den 31. Dezember 2026 begrenzt.
In einer Mitteilung vom 17. November ordnet das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr das Projekt als zentralen Meilenstein für die Vereinheitlichung der Technik, digitale Zukunftsfähigkeit der maritimen Streitkräfte gemeinsam mit dem NATO-Partner Kanada ein.

FüWES – „IT-Herzstück“ moderner Marineschiffe
Das FüWES verknüpft als das „IT-Herzstück“ moderner Marineschiffe sämtliche operationellen und technischen Subsysteme und ist damit ausschlaggebender Faktor für die Kampfkraft und Führungsfähigkeit einer Einheit. Mit der Modernisierung soll die bisher heterogene Systemlandschaft standardisiert werden. Damit will der öffentliche Auftraggeber die Systemhoheit wiedergewinnen. Insgesamt ist das Projekt auf eine Laufzeit von 25 Jahren angelegt und mit einem Volumen von über einer Milliarden Euro geplant.
Kooperation mit Kanada
Das System, das künftig auf allen deutschen Schiffen und Booten zum Einsatz kommen soll, wurde von der Royal Canadian Navy bei der Firma Lockheed Martin Kanada beauftragt, eingeführt und seither kontinuierlich weiterentwickelt. Es zeichnet sich durch hohe Skalierbarkeit, Modularität, die Verwendung von Standard-Hard- und Softwarekomponenten sowie regelmäßige Softwareupdates aus.
Die Kooperation mit dem NATO-Partner Kanada umfasst nicht nur den Systemtransfer, sondern auch gemeinsame Weiterentwicklung, Kostenteilung und operative Zusammenarbeit, schreibt das BAAINBw. Damit werde die Interoperabilität innerhalb des Bündnisses gestärkt und ein nachhaltiger Technologietransfer gesichert. Im Rahmen des Regierungsabkommens wird Deutschland umfassende Nutzungsrechte erhalten.
Combat Management System CMS 330 von Lockheed Martin Canada
Der kanadische, Minister für Internationalen Handel, Maninder Sidhu, hat den Regierungsvertrag begrüßt und mitgeteilt, dass das Combat Management System CMS 330 von Lockheed Martin Canada zum Einsatz kommt.
Das ursprünglich für die Fregatten der Halifax-Klasse entwickelte CMS 330 integriere Schiffssensoren, Waffensysteme und Kommunikationseinrichtungen, um ein Lagebild in Echtzeit zu liefern. Es unterstützt ein breites Spektrum an Missionen, darunter Luft-, Überwasser- und Unterwasserkriegsführung. Durch die gemeinsame Nutzung des CMS 330 werden die deutsche und die kanadische Marine eine engere Zusammenarbeit erreichen, die die Sicherheit beider Länder stärkt.
Ablauf der Modernisierung
In der Initialisierungs-Phase, die unmittelbar nach Vertragsabschluss beginnt, sollen wesentlichen fachlichen und technischen Grundlagen für die spätere Integration auf den Plattformen geschaffen werden. Darauf aufbauend werden zeitnah landgestützte Test-, Referenz- und Schulungsanlagen errichtet.
Ab dem Jahr 2027 sind die ersten Maßnahmen zur Einrüstung auf ausgewählten Schiffen und Booten vorgesehen. Langfristig sollen alle bestehenden und künftigen maritimen Überwasserfähigkeitsträger, einschließlich der neuen Fregattenklasse F127, mit dem standardisierten FüWES ausgerüstet werden.
Beitrag zur Einsatzbereitschaft und Kriegstüchtigkeit
Mit der Einführung des neuen Systems wird die Deutsche Marine in die Lage versetzt, ihre Einsatzfähigkeit, Führungsfähigkeit und digitale Souveränität auch durch die Vereinheitlichung der Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten nachhaltig zu steigern, schreibt das BAAINBw. Die umgehende Ablösung der bestehenden, veralteten Systemlandschaft, und dabei aber auch Bewährtes zu erhalten, sei ein wesentlicher Beitrag zur Erhöhung der Kriegstüchtigkeit der Seestreitkräfte und zur Sicherstellung ihrer Zukunftsfähigkeit im multinationalen Verbund.
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