Wie geplant, hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages in seiner Sitzung am 5. November mehr als 1,9 Milliarden Euro für 14 Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr freigegeben. Nach der Zählung des BMVg sind damit in diesem Jahr bereits 57 Großvorhaben über das Parlament auf den Weg gebracht. Die jetzt gebilligten Großvorhaben betreffen die Fähigkeitsbereiche Luftverteidigung, Handwaffen, Unterstützung und Sanität, Durchhaltefähigkeit sowie den IT-Bereich.
Unterstützungsleistungen der BWI (u.a. D-LBO)
Eine bestehende Rahmenvereinbarung mit der BWI soll über einen Änderungsvertrag aktualisiert und verlängert werden. Dafür hat der Haushaltsausschuss rund 68 Millionen Euro freigegeben. Der Vertrag umfasst Unterstützungsleistungen zur Begleitung von drei wichtigen Rüstungsprojekten, der „Digitalisierung Landbasierter Operationen“ (D-LBO), dem Taktischen Wide Area Network TaWAN und der deutsch-niederländischen Kooperation Tactical Edge Networking (TEN). Die technischen und logistischen Betreuungsleistungen durch die BWI laufen nahtlos weiter. Konkret sollen zum Beispiel Systemingenieure der BWI bei der Digitalisierung der Landstreitkräfte eingebunden werden. Die Unterstützung des Bundeswehr-eigenen IT-Systemhauses betrifft langfristige Projektbedarfe.
System Pistole P13 als neue Standardpistole der Bundeswehr mit Zubehör und Tragesystemen
Als Nachfolge für die veraltete Pistole P8 wird die Bundeswehr die Pistole P13 beschaffen. Soweit bekannt, wurde dafür die Pistole CZ P-10 F des tschechischer Herstellers Ceská Zbrojovka (CZ) ausgewählt. Die neue Standardpistole samt Zubehör wie Tragesystem (Holster) soll über Rahmenverträge beschafft werden. Für die Festbeauftragung eines ersten Loses hat der Haushaltsausschuss rund 70 Millionen Euro gebilligt.
Palettierte Rüstsätze zum qualifizierten Patiententransports in militärischen Transportflugzeugen
Für den Transport von leicht bis mittelschwer verletzten Patienten sowie Intensivpatienten sollen für rund 48 Millionen Euro Rüstsätze für den Einbau in das Transportflugzeug A400M beschafft werden. Die modularen Paletten inklusive modularer Sanitätsausstattung ermöglichen es, mehrere A400M voll auszurüsten. Damit steigt die Patiententransportkapazität pro Luftfahrzeug deutlich an. Auch die Einrüstzeiten in den A400M für den Einsatz in der MedEvac-Rolle verkürzen sich deutlich. Gleichzeitig wird die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr im Bereich des taktischen und strategischen Patientenlufttransports gestärkt.
Entwicklung, Herstellung und Beschaffung von Dronenabwehrlenkflugkörpern DefendAir
Das Luftverteidigungssystem Skyranger 30, von dem ein Nachweismuster derzeit in der Bundeswehr getestet wird, erhält neben der 30-mm-Kanone den Drohnenabwehrlenkflugkörper DefendAir als Sekundärbewaffnung. Für die Entwicklung und Beschaffung hat der Haushaltsausschuss 490 Millionen Euro gebilligt. Damit kann der Skyranger vollumfänglich unbemannte Ziele – auch Klein- und Kleinstdrohnen – bekämpfen. Im Rahmen der Entwicklung wird entschieden, ob neun oder zwölf Flugkörper integriert werden.

Lenkflugkörper (LFK) Rolling Airframe Missile (RAM) Block 2B
Grünes Licht hat der Haushaltsausschuss für die 2. Ergänzungsbeschaffung des Lenkflugkörpers (LFK) Rolling Airframe Missile (RAM) Block 2B gegeben und für die Obsoleszenzbeseitigung der Launcher Servo Control Unit. Dafür sind insgesamt rund 500 Millionen Euro eingeplant. Das RAM Waffensystem dient auf den Fregatten und Korvetten primär zur Flugabwehr von anfliegenden Seezielflugkörpern, kann aber auch asymmetrische Luft- und Seeziele wie Drohnen im Nahbereich bekämpfen. Die LFK verfügen über einen State-of-the-Art Infrarot-Suchkopf.
Der Verschuss des neuen RAM Block 2B Lenkflugkörpers erfolge aus den eingeführten Startanlagen. Im Oktober 2024 hat die Bundeswehr 400 RAM LFK bestellt, die ab 2029 geliefert werden sollen. Hauptauftragnehmer ist die RAMSYS, die die Arbeit der drei Kooperationspartner koordiniert. Für den gemeinsam mit Raytheon entwickelten Flugkörper produziert Diehl Defence den Infrarotsuchkopf, die Lenkeinheit und den Startbehälter und integriert die Frontsektion. Die Arbeitsanteile der MBDA Deutschland umfassen die Fertigung von Radarsuchkopf, Steuereinheit und Gefechtskopf, sowie die Gesamtintegration der deutschen RAM Block 2B LFK.
Mobile Feldküchen zur Lagerung, Zubereitung und Abgabe von Verpflegung
Aus dem Rahmenvertrag mit Kärcher Futuretech kann nach der Genehmigung durch den Haushaltsausschuss die zweite Tranche mit 115 mobilen Feldküchen mit einem Beschaffungswert von 144 Millionen Euro abgerufen werden. 2020 hatte die Bundeswehr den Rahmenvertrag abgeschlossen und 85 Systeme festbestellt. Die erste Feldküche wurde im November 2023 übergeben.

Die mobile Feldküche dient der Lagerung, Vorbereitung, Zubereitung und Abgabe von Verpflegung und Getränken für bis zu 250 Personen. Alle notwendigen technischen Geräte, Betriebsstoffe und die zugehörige Verpflegung (inklusive 2.600 Liter Trinkwasser) werden dabei für einen 24-stündigen, autarken Betrieb mitgeführt.
Weiter wurde die folgenden Vorhaben gebilligt, über die ES&T gesondert berichten wird:
- Wärmebildzielgeräte für die mittlere Reichweite für abgesessene Kräfte
- Multibandfunkgeräte mit Zubehör (Manpacksatz)
- Modularen Fähigkeitsträger Brandschutz (Abrollbehälter)
- Beteiligung der Bundeswehr an der Satellitenmission Heinrich Hertz (H2Sat)
- Standardisierung maritimer Führungs- und Waffeneinsatzsysteme (FüWES-M)
- Sichere Inter-Netzwerk Architektur (SINA)
Gerhard Heiming


















