Abgeschirmt von der Öffentlichkeit fand am 12. November auf dem Gelände von thyssenkrupp Marine Systems in Kiel die Taufe des dritten israelischen U-Boots der Dolphin-2-Klasse, der INS Drakon, statt. Dem Internetauftritt der israelischen Streitkräfte ist zu entnehmen, dass die Zeremonie auf der Kieler Werft unter der Leitung des Befehlshabers der israelischen Marine, Vizeadmiral David Saar Salma, des stellvertretenden Generaldirektors und Leiters der Beschaffungsbehörde für Rüstungsgüter im Verteidigungsministerium, Zeev Landau, des israelischen Botschafters in Deutschland, Ron Prosor, und Vertretern des Verteidigungsministeriums und der Marine, zusammen mit deutschen Werftvertretern abgehalten wurde. Vizeadmiral Jan C. Kaack, Inspekteur der Deutschen Marine, gehörte ebenso wie der schleswig-hosteinsche Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus Claus Ruhe Madsen zu den anwesenden Gratulanten.

Ein einzigartiges Design für spezialisierte Einsätze
Gegenüber den bereits 2015 und 2016 gelieferten Schwestereinheiten „Tanin“ und „Rahav“ weist die „Drakon“ Veränderungen auf. Bei gleichem Durchmesser ist sie mit einer Länge von 73 Metern größer als ihre Schwestern, die auf 68,6 Metern kommen. Ins Auge fällt ihre längere und breitere Turmsektion. Details und Hintergründe zu den Modifizierungen sind zurzeit nicht bekannt.
Beobachter gehen davon aus, dass damit Platz für die Aufnahme neuer Waffen- und Sensorsysteme geschaffen wurde. So wird über ein Senkrechtstartersystem für Flugkörper (Vertical Launch System, VLS) mit vier Schächten spekuliert. Auch zwei noch volumengrößere Vielzweckschächte, die tief in den Druckkörper hinein reichen, sind vorstellbar. Ebenso eine Kammer zur Aufnahme für unbemannte Unter-/Überwasserfahrzeuge, fliegende Drohnen oder andere für Spezialoperationen oder nachrichtendienstlichen Einsatz erforderliche Geräte. Aufschluss über die tatsächliche Konfiguration kann erst zu einem späteren Zeitpunkt, etwa bei den ersten Seefahrten, erfolgen.
Bewährte Ausstattung und technische Innovationen
Ansonsten verfügt das U-Boot neben den zu vermutenden bis zu vier Startschächten im Turm im Bug über zehn Torpedorohre. Sechs mit dem Standarddurchmesser 533 Millimeter. Unseren Recherchen zufolge haben vier Rohre einen Durchmesser von 650 Zentimeter, womit sie für den Abschuss von Marschflugkörpern geeignet sein können, aber auch zum Ausschwimmen von autonomen Fahrzeugen und anderem Gerät.
Die an der „Drakon“ festzustellenden Modifizierungen machen sie zu einem Unikat der Dolphin-2 Klasse. Sie mögen ursächlich die Verlängerung der Bauzeit sein und wurden offensichtlich vom Auftraggeber in Kauf genommen. Analysten gehen davon aus, dass sie der Richtungsweiser und Wegbereiter für die Nachfolgeversion, die Dakar Klasse, sein soll. Israelischen Veröffentlichungen zufolge wird die „Drakon“ 2025 in Israel erwartet.
Ausblick auf die strategische Bedeutung der INS Drakon und der Dakar-Klasse
Die Hypothese, dass der „Drakon“, der „Dakar“ und deren Schwesterbooten eine größere verteidigungspolitische Bedeutung zukommt, etwa hin zu einer Zweitschlagfähigkeit mit ballistischen Flugkörpern, wird durch die Ansprache des israelischen Marineschefs genährt. Aus seinen Ausführungen: „‘Drakon‘ wird als Schlussstein für die Gewährleistung der Sicherheit des Staates Israel dienen, sehend und unsichtbar, in fernen und unbekannten Räumen lebend, für eine lange Zeit. Ein U-Boot, das ein zusätzlicher Kräftemultiplikator für die Fähigkeiten und die Stärke der Marinewaffe, der IDF und des Staates Israel ist – angesichts komplexer Herausforderungen, auf der strategischsten und wichtigsten Ebene des Staates Israel“. Er beschließt seine Ansprache mit „Mit der „Drakon“, die sich aus den Tiefen dem Geschehen anschließt, wird unser langer Arm deutlich länger und stärker.“

Richtungsweisend für die Zukunft: Die neue Dakar-Klasse
Parallel zur Taufe wurde der Produktionsstart für das U-Boot „Dakar“ begangen. Der Bau wurde im Januar 2022 vereinbart (ESuT berichtete). Dem damaligen Kommuniqué von tkMS zufolge handelt es sich bei der Dakar-Klasse um eine neue Konstruktion, die speziell auf die Anforderungen der israelischen Marine zugeschnitten wird. Israelische Medien bezifferten damals die Kosten mit drei Milliarden Euro. Bleibt es bei dem historisch ableitbaren Rhythmus, so wäre mit der Taufe der „Dakar“ frühestens 2031 zu rechnen.
Zu den beiden Ereignissen vermerkt die Kieler Werft: „Die Taufe der ‚INS DRAKON‘ stellt einen wichtigen Meilenstein in der Produktion von hochmodernen AIP-U-Booten dar, die weltweit für ihre Innovation, technische Exzellenz und Zuverlässigkeit anerkannt sind. Der Beginn der Produktion des ersten U-Boots der Klasse ‚DAKAR‘ signalisiert die Fortsetzung dieses Erfolgs und ebnet den Weg für zukünftige Zusammenarbeit und Partnerschaften.“
Hans Uwe Mergener













