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Während die Verteidigungs- und Außenminister der EU unter der Führung des Hohen Vertreters der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, und in Gegenwart des NATO-Generalsekretärs Jens Stoltenberg am heutigen 26. August in Berlin unter anderem über die Lage im Östlichen Mittelmeer berieten, halten griechische, französische und italienische Einheiten der See- und Seeluftstreitkräfte in der Region eine dreitägige Übung ab. „Eunomia“, so die Übungsbezeichnung, begann am 26. August und soll am 28. August enden. In der griechischen Mythologie steht Eunomia für Recht, Gesetz und Rechtmäßigkeit. Nach Angaben des griechischen Verteidigungsministeriums ist das Seegebiet südlich Kretas und Zyperns Übungsraum.

Auf griechischer Seite sollen die beiden Fregatten „Spetsai“ und „Lemnos“ sowie U-Boote, drei F-16-Jagdflugzeuge und Spezialeinheiten teilnehmen. Frankreich hat die Fregatte „La Fayette“ mit Bordhubschraubern und drei Rafale-Flugzeugen in die Übung entsandt. Die französischen Rafale operieren wie die griechischen F-16 von der Luftwaffenbasis Paphos, Zypern, aus. Italien entsendet den Zerstörer „Durand De La Penne”. Der Zerstörer hat italienischen Presseberichten zufolge während des Transits eine kurze Übung mit türkischen Marineeinheiten durchgeführt. Der zypriotischen Tageszeitung Cyprus Mail zufolge soll die Nationalgarde Zyperns teilnehmen. Sie verfügt neben Landstreitkräften über eine Luftwaffe und eine Marine.

„Zypern, Griechenland, Frankreich und Italien haben sich auf eine gemeinsame Präsenz im östlichen Mittelmeerraum im Rahmen der Vierer-Kooperationsinitiative (QUAD – Quartet Cooperation Initiative) geeinigt“, heißt es in einer Mitteilung des griechischen Verteidigungsministeriums. Florence Parly, die französische Verteidigungsministerin, schrieb am 26. August auf Twitter: „Das östliche Mittelmeer verwandelt sich in ein Spannungsgebiet. Die Einhaltung des Völkerrechts muss die Regel und nicht die Ausnahme sein. Gemeinsam mit unseren zypriotischen, griechischen und italienischen Partnern beginnen wir heute eine Militärübung mit Luft- und Seestreitkräften.“ In einem weiteren Tweet fügte sie hinzu: „Unsere Botschaft ist einfach: Vorrang für einen Dialog, für die Zusammenarbeit und Diplomatie, damit das östliche Mittelmeer ein Raum der Stabilität und der Achtung des Völkerrechts wird. Es darf nicht zum Spielfeld für die Ambitionen einiger werden; es ist Gemeingut.“

 

Mannigfache Übungsaktivitäten – vergebliche Pendeldiplomatie?

Am 24. August wurde bekannt, dass die Türkei den umstrittenen Einsatz des Forschungsschiffs „Oruc Reis“ im östlichen Mittelmeer entgegen der bisherigen Planung um vier Tage verlängert. Das Schiff, das seit dem 10. August Untersuchungen über Erdgas und -ölvorkommen betreibt, werde seinen Einsatz bis zum 27. August fortsetzen, teilte die türkische Marine mit.

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Foto: Griechisches Verteidigungsministerium

In den vergangenen Tagen kam es zu unterschiedlichen Übungsaktivitäten – sowohl auf griechischer als auch türkischer Seite. Am Montag, den 24. August 2020, fand „im Rahmen der laufenden militärischen Zusammenarbeit zwischen Griechenland und den USA eine gemeinsame Übung unter Beteiligung der Mittel und des Personals beider Länder im Seegebiet südlich von Kreta statt”, teilte der griechische Generalstab mit. Teilnehmer auf griechischer Seite waren die Fregatte „Aegeon“, ein U-Boot Klasse 214 und sechs F-16-Flugzeuge, auf US-Seite der Zerstörer „USS Winston S. Churchill“ mit Bordhubschraubern.

Das türkische Verteidigungsministerium veröffentlichte am 25. August auf Twitter Bilder der Treibstoffübernahme der beiden Fregatten „Gediz“ und „Barbados“ vom italienischen Versorger „Etna“ im Rahmen der Operation „Mediterranean Shield“.

Zuvor, in der Zeit zwischen dem 10. und 13. August, kam es bereits zu griechisch-französischen Übungen (ES&T berichtete).

Zurzeit befinden sich vier F16 der Luftwaffe der Vereinigten Arabischen Emirate auf dem Luftwaffenstützpunkt Suda Bay, Kreta, zu gemeinsamen Übungen mit ihren griechischen Kameraden.

Am Dienstag, 25. August, reiste der deutsche Außenminister Heiko Maas nach Athen und Ankara, um zu versuchen, den Streit zwischen den beiden NATO-Staaten zu entschärfen und einen Dialog anzuregen.

Derweil nahmen die Dinge bereits ihren Verlauf. In seiner Reaktion auf die Vierer-Kooperations-Initiative warnte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan am Mittwochmorgen Griechenland davor, dass „jeder Fehler den Weg zum Ruin ebnen könnte“. Er sprach bei einer Zeremonie anlässlich des Jahrestages der Schlacht von Manzikert. Dort besiegten am 26. August 1071 die Seldschuken die byzantinische Armee, was als Öffnung Anatoliens für die türkische Herrschaft und Ausgangspunkt des Osmanischen Reiches gilt.

Hans Uwe Mergener