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Die Luftwaffe plant, eine Patriot-Flugabwehrraketenbatterie so schnell wie möglich an die Ukraine abzugeben. Mit Patriot (Phased Array Tracking Radar to Intercept on Target) soll die ukrainische Luftverteidigung gegen russische Drohnen- und Raketenangriffe unterstützt werden. Dies geht aus einer Mitteilung der Luftwaffe hervor. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte gestern angekündigt, das System an die Ukraine zu liefern.

Die Ausbildung werde ebenfalls von Deutschland durchgeführt, heißt es in der Mitteilung weiter. Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, betont, dass die Ausbildung und die Abgabe nun schnellst möglich durchgeführt werden müssten. Vor dem Hintergrund, dass die Luftwaffe bereits zwei Patriot-Staffeln in der Slowakei stationiert hat und eine bald nach Polen verlegen soll, beschreibt Gerhartz die Abgabe an die Ukraine als Kraftakt für die Truppe, der aber in diesen besonderen Zeiten sein müsse.

Die Luftwaffe betont, dass sie trotz ihrer umfangreichen Aufträge weiterhin in der Lage sei, ihren Teil für Deutschland im Rahmen der Integrierten Luftverteidigung und Flugkörperabwehr der NATO (Integrated Air and Missile Defence – IAMD) zu leisten.

Derzeit verfügt das Flugabwehrraketengeschwader 1 nach Angaben der Luftwaffe über zwölf Patriot-Staffeln. Jede Staffel verfügt über eine Patriot-Flugabwehrraketenbatterie. Diese bestehen jeweils aus einem Feuerleitstand, einem Multifunktionsradargerät zur Luftraumüberwachung und Feuerleitung, einer Stromversorgungsanlage, einem Richtfunktrupp mit Stromerzeugern und Antennenmastanlagen sowie acht Startgeräten mit jeweils vier oder acht Lenkflugkörpern.

Welche Flugkörper Deutschland liefern wird, ist unklar. In Frage käme die Version PAC-2 oder PAC-3. Unterscheiden tun sich die beiden unter anderem durch den Gefechtskopf. Während die PAC-2-Variante einen Annäherungszünder für den Gefechtskopf besitzt, soll die PAC-3-Version durch die eigene kinetische Energie eine anfliegende Rakete vernichten. Es handelt sich um ein Hit-to-Kill System.

Zudem ist die PAC-3-Version deutlich kompakter, sodass mehr Flugkörper in einem Startgerät untergebracht werden können.  Darüber hinaus verfügt die PAC-3-Variante über einen eigenen Radarsuchkopf, sodass der Flugkörper das Ziel im Flug selbstständig aufschalten kann und nicht auf Korrekturen vom Feuerleitradar angewiesen ist.

PAC-3 ist in erster Linie für die Raketenabwehr konzipiert und wäre durch die höhere Anzahl an Flugkörpern in den Startgeräten besser geeignet, eine Sättigung des Systems zu vermeiden. Damit ist gemeint, dass das System mehr anfliegende Flugkörper bekämpfen muss, als es selbst zur Abwehr zur Verfügung hat und damit übersättigt wird.

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Mit Blick auf die Ukraine, in der Russland versucht durch diese Taktik die bereits vorhandenen Luftverteidigungssysteme zu überwinden, wäre die Lieferung der PAC-3-Version vermutlich ein sinnvoller Schritt. Ob diese Auch geliefert wird, bleibt abzuwarten, da es sich zum einen um die modernere und auch um die teurere Variante handelt.

Ein Nachteil von Patriot im Vergleich zu anderen Luftverteidigungssystemen, neben den hohen Kosten pro Flugkörper, ist das Radar. Dieses rotiert nicht und weist nur ein beschränktes Sichtfeld von etwa 120 Grad aus. Somit muss es in die Richtung ausgerichtet werden, aus der am wahrscheinlichsten eine Gefahr droht. Fliegt ein Objekt jedoch aus einer anderen Richtung an, ist das System nicht in der Lage, dies zu entdecken.

Neben Deutschland wird auch die USA eine Patriot-Flugabwehrraketenbatterie an die Ukraine Liefern (ES&T berichtete). Dies hatte das Weiße Haus kurz vor Weihnachten bekannt gegeben.

Mit der Lieferung der Patriot-Flugabwehrraketenbatterien wird die ukrainische Luftverteidigung gestärkt. Umfassender Schutz wird aber auch mit diesen zusätzlichen Systemen nicht erreicht werden können. Zum einen können die Batterien nur eine begrenzte Fläche abdecken und zum anderen sind die Kosten pro Flugkörper so hoch, dass das System nur zum Schutz von wichtiger Infrastruktur oder gegen Hochwertziele eingesetzt werden wird.

Weitere Informationen zum Luftverteidigungssystem Patriot gibt es hier.

Redaktion / oh