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Vor zwei Wochen hat der italienische Werftkonzern Fincantieri in La Spezia das erste Schiff der Doha-Klasse, die „Al Zubarah“, an den Kunden Katar übergeben, wie Fincantieri in einer Pressemitteilung berichtete. Die Übergabe fand in Anwesenheit der italienischen Verteidigungsstaatssekretärin Stefania Pucciarelli in der Werft von Muggiano statt. Wegen Corona musste die feierliche Zeremonie in einem kleinen Kreis stattfinden.

Die „Al Zubarah“ ist das erste Schiff der Doha-Klasse. Das katarische Verteidigungsministerium hatte im August 2017 vier Schiffe dieses Typs bei Fincantieri bestellt. Die Schiffe sind Teil eines Gesamtauftrags im Wert von fünf Milliarden Euro, wovon eine Milliarde Euro für Flugkörper vorgesehen ist. Die „Al Zubarah“ befindet sich bereits in der Erprobung und soll noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Ihr Schwesterschiff, die „Damsah“, lief im Februar vom Stapel. Die zweite, dritte und vierte Korvette der Doha-Klasse sollen in den Jahren 2022 und 2023 an das Emirat im Persischen Golf geliefert werden.

Die Korvetten der Doha-Klasse sind modular aufgebaut. Die katarische Marine will mit diesen Schiffen das gesamte Fähigkeitsspektrum abdecken – von der Seeraumüberwachung über die Seenotrettung bis hin zum Kampfeinsatz. Die Schiffe sind 107 Meter lang, 14,70 m breit und verdrängen 3.300 Tonnen. Sie verfügen über einen kombinierten Diesel-Diesel-Antrieb (CODAD), der eine Höchstgeschwindigkeit von 28 Knoten ermöglicht. Die Einheiten können 112 Personen aufnehmen.

Darüber hinaus werden die Korvetten in der Lage sein, RHIBs (Rigid Hull Inflatable Boat) über seitliche Kräne oder eine am Heck befindliche Rampe einzusetzen. Das Flugdeck und der Hangar sind für die Aufnahme eines NH90-Hubschraubers ausgelegt.

Fincantieri übergibt erste Korvette an Katar
Fincantieri übergibt erste Korvette an Katar

Neben den vier Korvetten hat Katar bei Fincantieri auch zwei Flugkörper-Patrouillenboote bestellt. Das erste dieser so genannten Offshore Patrol Vessel (OPV) wurde auf den Namen „Musherib“ getauft und ist seit Jahresbeginn in der Erprobung. Es soll 2022 ausgeliefert werden. Das Schiff hat eine Länge von 63,8 Metern, eine Breite von 9,2 Metern und eine Verdrängung von 725 Tonnen. Die „Musherib“ wird über 4 Exocet MM40 Block3-Schiffsabwehrraketen, ein VL Mica Boden-Luft-System (8 Raketen in vertikalen Abschussvorrichtungen), einen 76 mm-Turm, zwei 30 mm-Kanonen und 12,7-mm-Maschinengewehre verfügen. Es ist mit einem Kronos-Multifunktionsradar, Mitteln zur elektronischen Kriegsführung und Lacroix-Täuschkörperwerfern ausgestattet. Die „Musherib“ bietet Platz für bis zu 38 Besatzungsmitglieder. Sie erreicht eine Geschwindigkeit von 30 Knoten. Ihre Reichweite liegt bei einer Geschwindigkeit von 15 Knoten bei 1500 Seemeilen. Ihre Einsatzdauer soll ohne Nachtanken bei sieben Tagen liegen.

Obwohl deutsche Firmen wie Lürssen mit den Schiffen „Sea 1180“ oder der „MMPV90“, oder Fassmer mit dem OPV90 und Abeking&Rassmussen mit dem APEX-Konzept vergleichbare Überwasserkampfeinheiten anbieten, zeigen die Verkaufserfolge von Fincantieri, wie schwer es für die deutschen Marine-Schiffbauer ist, sich in diesem Marktsegment durchzusetzen. Die in der Deutschen Marine eingesetzten K130 sind noch nicht zum Exporterfolg geworden.

Redaktion / hum / ck