„Der konzeptionelle und technologische Vorsprung der westlichen Nationen muss langfristig erhalten und ausgebaut werden, um eine friedenserhaltende Abschreckungswirkung zu gewährleisten. Das ist das übergeordnete Ziel unserer wehrwissenschaftlichen Forschung.“ Dies schrieb Ministerialdirigent Alexander Schott, Forschungsbeauftragter und Unterabteilungsleiter A III (Ausrüstung/Nutzung Land, Land-Unterstützung, See; Ressortforschung) des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg), im Vorwort zum Jahresbericht 2022 der wehrwissenschaftlichen Forschung für die deutschen Streitkräfte, der diese Woche vorgestellt worden ist.
Auf 154 Seiten werden darin exemplarisch mehr als 50 Forschungsprojekte präsentiert. Die wehrwissenschaftlichen Ressortforschung umfasst in ihrer ganzen Bandbreite insgesamt fünf Forschungsbereiche: (1.) wehrtechnische Forschung, (2.) wehrmedizinische und militärpsychologische Forschung, (3.) militärgeschichtliche und sozialwissenschaftliche Forschung, (4.) geowissenschaftliche Forschung sowie (5.) Cyber- und informationstechnische Forschung.

„Wir“, so Schott, „adressieren hierin Themen, die absolut am Puls der Zeit liegen.“ So beschäftigen sich beispielsweise mehrere Beiträge mit dem hochaktuellen Thema der Detektion und Abwehr von Hyperschallflugkörpern: Dr. Thomas Jagdhuber und Dr. Gerald Rode, beide vom Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im oberbayerischen Oberpfaffenhofen, arbeiten an der Radarsignaturbestimmung und Bewertung militärischer Fluggeräte. Marc Lehmann vom Kompetenzzentrum für Reaktionsschnelle Satellitenverbringung am DLR im niedersächsischen Trauen forscht zu raumgestützter Raketensignaturvermessung mit Infrarot-Kleinsatelliten anhand von Abbrandversuchen am Boden.
In der Ressortforschung für das BMVg werden nicht nur Hightech-Wissenschaften, sondern auch Geisteswissenschaften betrieben. So finden sich im aktuellen Jahresbericht die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung 2022 des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam. Diese Befragung, so Dr. Timo Graf, der Autor des entsprechenden Forschungsberichts, „ist die einzige verteidigungspolitische Umfragestudie in Deutschland, die verlässliche Trendanalysen über längere Zeiträume ermöglicht.“ Demnach ist die Grundhaltung der Bevölkerung zur Bundeswehr als staatlicher Organisation und gesellschaftlicher Institution bereits seit Jahrzehnten positiv.
Auch hier Zeitenwende Ukrainekrieg
Welche Bedeutung ein technologischer Vorsprung in einem heutigen Konflikt laut Bericht besitze, belege nicht zuletzt der andauernde erfolgreiche Widerstand der Ukraine gegen die Angriffe der russischen Streitkräfte und paramilitärischen Einheiten. Aber, so Forschungsdirektor Schott: „Eines muss uns bewusst sein: Technologien, die derzeit in der Ukraine im Einsatz sind, können erbeutet, ausgewertet und geteilt werden. Folglich werden auch potentielle Gegner in Zukunft über diese Technologien verfügen. Somit sind noch stärkere Bemühungen von unserer Seite erforderlich, neue Technologien schnell zu operationalisieren und technologische und operationelle Überlegenheit in Zukunft zu garantieren.“
Dr. Gerd Portugall

















