Frankreich erhöht den Druck, verknüpft Future Combat Air System (FCAS) mit dem Panzerprojekt Main Ground Combat System (MGCS) und spielt mit dem atomaren Schutzschirm. CDU-Verteidigungspolitiker Volker Mayer-Lay warnt vor einem „nahezu erpresserischen Akt“ und wirbt für eine Zwei-Fighter-Lösung mit deutschen Alternativen.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Volker Mayer-Lay, Berichterstatter Luftwaffe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sieht das Future Combat Air System (FCAS) in einer entscheidenden Phase. In einer aktuellen Erklärung warnt er, Deutschland müsse in den kommenden Wochen „politischem Druck unbedingt standhalten“.
Macron koppelt FCAS und MGCS

Mayer-Lay kritisiert vor allem die jüngsten Schritte des französischen Präsidenten. Wörtlich heißt es in seiner Pressemitteilung: „Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Debatte jüngst auf eine neue Ebene gehoben, indem er das Luftkampfsystem FCAS politisch mit dem deutsch-französischen Panzerprojekt Main Ground Combat System (MGCS) verknüpft hat.
Diese thematische Verbindung ist kein Zufall, sondern ein bewusst gesetztes strategisches Signal: Fortschritte in einem Projekt sollen offenkundig mit Bewegung im anderen verknüpft werden.“ Damit gehe es längst nicht mehr nur um industrielle Arbeitsteilung, sondern um „politische Machtbalance und industriepolitische Führungsansprüche“.
Atomarer Schutzschirm als Druckmittel
Eine weitere Zuspitzung erwartet Mayer-Lay in der von Macron für kommenden Montag angekündigten sicherheitspolitischen Rede, in der der französische Präsident seine Nukleardoktrin präzisieren und über einen erweiterten französischen atomaren Schutzschirm für Europa sprechen will.
Sollte Macron dabei zusätzlich die gemeinsame Entwicklung des New Generation Fighters (NGF) mit der Debatte um einen erweiterten Schutzschirm verknüpfen, wäre das, so Mayer-Lay, eine „entscheidende Eskalationsstufe“. In der Mitteilung heißt es: „Sollte diese Eskalationsstufe durch Präsident Emmanuel Macron tatsächlich gewählt werden, wäre dies ein nahezu erpresserischer Akt, der uns als stärkste Industrienation Europas – mit wiedererstarktem sicherheitspolitischem Führungsanspruch – auffordert besonnen, aber entschlossen zu reagieren.“ Deutschland müsse „nicht durch vorschnelles Nachgeben, sondern durch die längst überfällige strukturelle Neuaufstellung beim NGF“ antworten.

Alternativen für Deutschland: Saab, GCAP und Tempest
International werden als realistische Alternativen zu einem blockierten FCAS vor allem zwei strategische Pfade diskutiert: Zum einen eine vertiefte Kooperation von Airbus mit Saab – etwa auf Basis bereits laufender Projekte zu unbemannten Begleitflugzeugen und „Loyal Wingman“-Systemen. Zum anderen ein möglicher deutscher Einstieg in das Global Combat Air Programme (GCAP) von Großbritannien, Italien und Japan, das mit dem Kampfjet „Tempest“ als Gegenmodell zu FCAS gilt. In diesem Programm soll ein Kampfflugzeug der nächsten Generation entstehen, das Reichweite und Nutzlast des Eurofighter deutlich übertrifft und ab Ende der 2020er-Jahre mit einem Demonstrator in die Flugerprobung gehen soll.
Beide Wege sind politisch und industriell anspruchsvoll. Im GCAP-/Tempest-Verbund sind zentrale System-, Sensorik- und Avionikpakete bereits vergeben; ein späterer Einstieg Deutschlands wäre nur zum Preis hoher finanzieller Beiträge und mit klar umrissenen zusätzlichen Fähigkeiten zu rechtfertigen. Eine deutsch-schwedische Lösung mit Saab würde der deutschen Seite dagegen deutlich mehr Gestaltungsspielraum eröffnen. Von der Auslegung der Sensorik und Effektoren über die Combat-Cloud-Architektur bis hin zu großen Teilen der Zulieferkette. Bestehende Kompetenzen aus Eurofighter und FCAS könnten so in ein neues Programm überführt und weiterentwickelt werden.
Berlin sucht Spielraum, Paris ist im Wahlkampfmodus
Auch in Berlin wächst der Abstand zum bisherigen Projektzuschnitt. Bundeskanzler Friedrich Merz hat zuletzt Zweifel geäußert, dass das derzeit geplante FCAS den deutschen militärischen Bedarf trifft, und lässt nach Alternativen suchen. Nach dieser Redaktion vorliegenden Informationen aus Regierungskreisen, will sich der Kanzler weder über die Kopplung von FCAS und MGCS noch über nukleare Narrative zu kurzfristigen Entscheidungen drängen lassen.
Politisch fällt die Debatte in die heiße Phase vor den französischen Kommunalwahlen am 15. und 22. März 2026, die in Paris als wichtiger Stimmungstest vor der Präsidentschaftswahl 2027 gelten. Beobachter sehen in Macrons Vorgehen auch den Versuch, außen- und sicherheitspolitisch zu punkten, bevor die Wähler an die Urnen gerufen werden.
Jürgen Fischer










![Dassault und Airbus streiten um ihre Anteile an dem Milliarden-Projekt FCAS. Dassault beansprucht einen größeren Anteil am Produktionsvolumen und eine stärkere Rolle bei der Systemführung, als bisher vereinbart; Airbus beharrt auf den zuvor getroffenen Vereinbarungen. [Grafik: Airbus]](/wp-content/uploads/2025/10/Bild-2-airbus-218x150.jpg)


