Die dringend notwendige taktische Weltraumaufklärung „SAR-Spacesystem for persistent operational tracking Stufe 1” (SPOCK 1) ist am 18. Dezember unter Vertrag gegangen. Das BAAINBw hat in einem Betreibervertrag mit dem Joint Venture „Rheinmetall ICEYE Space Solutions“ (RISS), vereinbart, der Bundeswehr weltraumgestützte Aufklärungsdaten über den exklusiven Zugang zu einer Synthetic Aperture Radar (SAR)-Satellitenkonstellation zu liefern. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat am 17. Dezember dem mit 1,7 Milliarden Euro dotierten Betreibervertrag zugestimmt.
Betreibervertrag SPOCK 1
Der Betreibervertrag hat eine mehrjährige Laufzeit mit der Option auf Verlängerung. Der Lieferumfang umfasst eine hohe Anzahl von Bildern pro Tag. Der Service wird von RISS aus der eigenen souveränen Konstellation bereitgestellt. Die Produktion der SAR-Satelliten des Joint Ventures soll am Unternehmensstandort in Neuss erfolgen.
SPOCK 1 soll für die effektive Landes- und Bündnisverteidigung ergänzende, satellitengestützte abbildende Aufklärung für die taktische und operative Ebene liefern. Die Truppe soll Mobilisierungs- und Aufmarschaktivitäten gegnerischer Streitkräfte frühzeitig erkennen und damit Einsätze der Bundeswehr im Rahmen landbasierter Operationen unterstützen. Im Fokus steht die an der Ostflanke der NATO besonders exponierte Panzerbrigade 45 in Litauen.
Joint Venture RISS betreibt SAR-Satelliten
Zur Bereitstellung dieser Fähigkeit hat Rheinmetall gemeinsam mit ICEYE – dem weltweit führenden Hersteller und Betreiber von SAR-Satelliten – das Unternehmen Rheinmetall ICEYE Space Solutions (RISS) gegründet. Das Joint Venture mit Sitz in Neuss wird einer Rheinmetall-Information zufolge über seine exklusives Netz von Kleinsatelliten SAR-Bilder in großem Umfang liefern und eine umfassende Servicelösung anbieten. Sie umfasst den kompletten Betrieb, das Management der Bodenstation und eine KI-gestützte Erstauswertung der Bilder. Die Satellitenkonstellation verbleibt dabei im Eigentum der Rheinmetall ICEYE Space Solutions.
SAR-Satelliten projizieren einen leistungsstarken Radarstrahl aus einer Umlaufbahn auf die Erdoberfläche, beschreibt Rheinmetall das Verfahren. Dieser Strahl kehre in einer Reihe von Impulsen zum Satelliten zurück und werde dort verarbeitet, um ein detailliertes Bild der darunterliegenden Oberfläche zu erstellen. Die SAR-Technologie nutzt Radar anstelle von Sonnenlicht zur Illumination der Erde. So kann sie durch Wolken, Rauch, Asche, Regen und Sandstürme „hindurchsehen“ und bei jedem Wetter, bei Tag und bei Nacht Bilder aufnehmen. Dank dieser Fähigkeit können SAR-Satelliten weitaus häufiger Bilder sammeln als herkömmliche optische Systeme und bieten so eine kontinuierliche Abdeckung schnelllebiger Ereignisse. Die Technologie erkennt auch subtile Veränderungen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind.
Weltraumgestützte Aufklärung ist die Grundlage moderner Verteidigung
„Moderne Streitkräfte sind auf den Zugang zu und die Kontrolle über weltraumgestützte Aufklärung, Kommunikation und Einsatzführung angewiesen. Als digitales Systemhaus leisten wir hier gemeinsam mit unseren europäischen Partnern unseren Beitrag“, sagte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG
„Weltraumgestützte Aufklärung ist die Grundlage moderner Verteidigung, aber sie ist nicht mehr nur strategisch relevant, sondern auch ein taktisches Instrument. (…) Durch die Kombination von schneller Satellitenproduktion mit fortschrittlichen Analysen schaffen wir ein neues Modell dafür, wie sich Nationen strategische und taktische Vorteile aus dem Weltraum sichern können“, sagt Rafal Modrzewski, CEO und Mitbegründer von ICEYE.
Stufenweiser Betrieb von SPOCK 1
Der operationelle Betrieb soll mit einer anfänglichen Betriebsfähigkeit (Initial operational Capability, IOC) ab 1. Oktober 2026 beginnen. Das Erreichen der Full Operating Global Capacity (FOGC) ist für April 2028 vereinbart. RISS entwickelt die Software „Souveräne KI“ weiter und stellt sie nach Abruf bereit ebenso wie weitere Instanzen zur zeitgleichen Nutzung der Software. Auch Übungsdaten sind Teil der Leistung.
Der Betreibervertrag läuft bis Ende 2030 und kann zweimal um je ein Jahr bis maximal Ende 2032 verlängert werden. Die Verlängerung hängt davon ab, ob und wann ein Nachfolgesystem SPOCK 2 verfügbar ist. Die dafür eingeplanten rund 860 Millionen Euro sind noch nicht genehmigt.
Gerhard Heiming












