
Philippinen prüfen U-Boot-Angebot aus Südkorea
Hans Uwe Mergener
Das Presidential Communications Office (PCO) der Philippinen hat bestätigt, dass der südkoreanische Schiffbauer Hanwha Ocean ein umfassendes Angebot zur Unterstützung des geplanten U-Boot-Programms der philippinischen Marine vorgelegt hat. Präsident Ferdinand R. Marcos Jr. traf sich laut einer Mitteilung vom 1. November am Rande des APEC-Gipfels in Südkorea mit Vertretern des Unternehmens, um das Vorhaben zu erörtern. Manila prüft derzeit mehrere Optionen zum Aufbau einer ersten U-Bootflotte.
Hanwha schlägt KSS-III samt Stützpunkt, MRO und Ausbildung vor
Nach Angaben des PCO umfasst das südkoreanische Angebot den Bau eines U-Boot-Stützpunkts, die Einrichtung eines Wartungs-, Reparatur- und Überholungszentrums (MRO) sowie ein mehrphasiges Ausbildungsprogramm für philippinische Marineangehörige. Dieses soll moderne Simulatoren, stufenweisen Fähigkeitsaufbau und langfristige Betriebsunterstützung einschließen. Hanwha bezeichnet das Angebot als „complete submarine package“, das Plattform, Personalqualifizierung und Infrastruktur zusammenführt.
Kern des Vorschlags ist eine Exportvariante des KSS-III. Die Klasse ist in Südkorea als großvolumiges, dieselelektrisches Angriffs-U-Boot mit Lithium-Ionen-Batterien, modernem Sonar- und Gefechtssystem sowie verlängerter Unterwasserverweildauer in Dienst. Für die Exportausführung wird in philippinischen Berichten teils die Bezeichnung „KSS-III PN“ verwendet. Hanwha verweist außerdem auf Erfahrungen aus der Beteiligung am Canadian Patrol Submarine Project, wo ebenfalls ein industriepolitisches Transfermodell vorgeschlagen wurde.
Weitere Anbieter bleiben im Wettbewerb
Neben Südkorea befinden sich weitere Anbieter im Wettbewerb: die Naval Group (Frankreich) mit der Scorpène-Klasse, einschließlich Ausbildungs- und Werftbeteiligungsoptionen; sowie Navantia (Spanien) mit einer Variante der S-80 Plus-Klasse, die ebenfalls auf lokale Fertigung und Betreuung ausgelegt ist. Deutschland (TKMS) hatte Interesse im Kontext der Typ-214/212CD-Linie signalisiert. Zum aktuellen Verfahren liegen bislang jedoch keine neuen offiziellen Regierungsmitteilungen vor.

Die Philippinen verfolgen mit dem Programm den Aufbau einer eigenständigen Fähigkeit zur U-Boot-Kriegführung. Auch darüber hinaus zur Seeüberwachung und zum Schutz der ausschließlichen Wirtschaftszone. Vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen Lage im Südchinesischen Meer gilt die Auswahl als strategisch bedeutsam. Ein Vertragsvolumen im mehrstelligen Milliardenbereich gilt als möglich.
Das PCO betont, dass sich das Verfahren weiterhin in der Bewertungsphase befindet. Präsident Marcos habe die Angebote zur Prüfung an das Verteidigungsministerium und die Marine übergeben. In der philippinischen Debatte wird hervorgehoben, dass der Anbieter, der nicht nur Plattformen liefert, sondern Ausbildung, Instandhaltung und industrielle Einbindung nachhaltig unterstützt, strukturelle Vorteile im Auswahlprozess besitzt.
Philippinen wollen im Südchinesischen Meer ihre Präsenz ausbauen
Die angestrebte Beschaffung ist vor dem sicherheitspolitischen Umfeld im Südchinesischen Meer zu sehen, in dem die Philippinen ihre maritime Präsenz und Lagebilderstellung ausbauen wollen. Die Wahl des Lieferanten berührt daher nicht nur technische und finanzielle Kriterien, sondern auch Fragen der industriellen Einbindung und der dauerhaften sicherheitspolitischen Zusammenarbeit.
Weil mit dem Aufbau einer U-Boot-Fähigkeit zugleich Personal, Infrastruktur und Unterstützungsstrukturen entstehen, dürfte die Entscheidung eine langfristige Bindungswirkung entfalten. Der Anbieter, der neben der Plattform auch Ausbildung, Instandhaltung und schrittweise Kompetenzentwicklung abdeckt, erhält damit im Verfahren strukturelle Vorteile.
Hans Uwe Mergener

















