Noch in diesem Jahr soll die Ukraine erste Luftverteidigungssysteme Skyranger von Rheinmetall erhalten. In einem ZDF-Interview am 8. September hat Rheinmetall-CEO Armin Pappberger angekündigt, dass er auf der DSE – möglicherweise am Mittwoch, 10. September – mit der Ukraine einen Beschaffungsvertrag im Wert von mehreren hundert Millionen Euro abschließen will.
Die Skyranger 35 werden auf dem Trägerfahrzeug Leopard 1 aufgebaut. Ein solches Fahrzeug hatte Rheinmetall bei den Skyranger System Demonstration Days am 18. September in der Schweiz im scharfen Schuss vorgestellt. „Jedes dieser Systeme kann vier mal vier Kilometer abdecken, um komplett drohnenfrei zu sein. Das heißt, alle Drohnen werden abgebaut“, beschrieb Papperger die Leistungsfähigkeit des Systems.

Der Hauptsensor in dem überarbeiteten Skyranger-Turm ist das Oerlikon AMMR (Multi-Mission Radar) System mit vier AESA (Active Electronically Scanned Array) Antennen, die jeweils einen horizontalen Winkel 90 Grad abdecken. Das Oerlikon AMMR ist für den stationären oder mobilen Betrieb unter schwierigsten Umwelt- und Störbedingungen ausgelegt und mit den neuesten Electronic Counter-Counter-Measures (ECCM)-Funktionen ausgestattet. Das Radar ist vollständig software-definiert. Dank adaptiver, volldigitaler Strahlformungs-Techniken im S-Band erkennt, klassifiziert und verfolgt das Oerlikon AMMR automatisch das gesamte Spektrum von Luftbedrohungen wie Mini- und Mikro-Drohnen (UAS – Unmanned Aerial Systems), aus steilem Winkel angreifende Raketen und Mörser (RAM)-Bedrohungen sowie Luft-Boden-Waffen und Marschflugkörper.
Für die Zielverfolgung dient ein Ku-Band Tracking Radar in Verbindung mit einer elektro-optischen Einheit bestehend aus einer Taglicht- und einer Infrarotkamera sowie Laserentfernungsmesser für Luft- und Bodenziele mit unterschiedlichem Sichtwinkel.
Effektor und Munition
Der Effektor ist die 35-mm Oerlikon Revolverkanone KDG, die auf bis zu vier Kilometer wirken kann. Im Feuerstoß beträgt die Kadenz 1.000 Schuss/Minute. Im schnellen Einzelschuss-Modus werden 200 Schuss/Minute abgegeben. Für den Skyranger 35 wurde die 35mm x 228mm AHEAD-Munition (Advanced Hit Efficiency and Destruction, verbesserte Treffer-Wirksamkeit und Zerstörung) entwickelt, eine Air Burst Munition mit 152 Subprojektilen aus Wolfram. Munitionssorten mit mehr Subprojektilen bei gleichem Gewicht sind verfügbar bzw. werden entwickelt. Wegen gleicher flugballistischer Eigenschaften kann die Munition gemischt verschossen werden. Der Munitionsvorrat im Turm beträgt 252 Schuss.
Die AHEAD-Munition kann mit programmiertem Luftsprengpunkt eingesetzt werden. An der Rohrmündung wird die Abgangsgeschwindigkeit des Geschosses gemessen und die aus der Zielentfernung berechnete Flugzeit in das Geschoss einprogrammiert. Dann zerlegt die Munition nah am Ziel und setzt die Subprojektile frei, die dann eine tödliche Wolke bilden, in der Ziele wie unbemannte Fluggeräte, Artilleriemunition oder Raketen zuverlässig zerstört werden. Beim Einsatz gegen gepanzerte Erdziele (z.B. Panzer) kann die Wolke aus Subprojektilen Optiken und Sensoren zerstören und so einen Mission-Kill erzeugen.
Produktion
Nach Angabe von Papperger hat die Fertigungsstraße für Skyranger bei Rheinmetall hat eine Kapazität von 70 bis 100 Türmen pro Jahr und soll auf 200 Türme pro Jahr gesteigert werden.
Wenn die ersten Skyranger in der Ukraine in den Einsatz gehen, müssen sich die Systeme erstmals im konkreten Einsatz bei der Abwehr der russischen Drohnenangriffe beweisen.
Gerhard Heiming




















