Angesichts der fortdauernden umfangreichen Luftangriffe Russlands auf die Ukraine haben sich die Teilnehmer an der Ukraine Defence Contact Group (UDCG) am 21. Juli auf die kurzfristige Bereitstellung von fünf Luftverteidigungssysteme Patriot verständigt. Einzelheiten hat Minister Boris Pistorius am 22. Juli während seines Besuchs beim Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) in Erding erläutert.
Deutschland unterstützt die Bemühungen der 52 UDCG-Länder, die fünf Patriot-Systeme zu identifizieren, die abgegeben werden können und finanziert zwei der Systeme.
Patriot aus Bundeswehr-Beständen
Aus Beständen der Bundeswehr werden zwei Patriot Systeme abgegeben, stellte Pistorius nochmal klar. Diese Abgabe sei aber nur möglich, wenn die amerikanische Seite zusichere, dass binnen sechs bis acht Monaten Ersatz geliefert werde. Unabhängig von der Bedrohung seien die Systeme notwendig, um die Besatzungen auszubilden, damit ausreichend ausgebildete Besatzungen bereitstehen, wenn die bestellten Patriot Systeme eintreffen.
Die Bundeswehr hatte eine Bestand von zwölf Patriot-Systemen. Davon wurden 2023/2024 zwei Systeme den polnischen Streitkräften überlassen und drei Systeme an die Ukraine abgegeben. Um den Bestand wieder aufzufüllen und dem gewachsenen Bedarf anzupassen, sind 2024 in zwei Portionen insgesamt acht Feuereinheiten bestellt worden (ESuT berichtete). Der Zulauf in die Truppe ist nach den vorliegenden Informationen für den Zeitraum 2025 bis 2029 vereinbart.

Weitere Patriot-Abgaben
Es geht jetzt darum, weitere drei Patriot Systeme zu identifizieren, die aus dem Kreis der UDCG-Länder abgegeben werden können. Pistorius sagte, es sei nicht aussichtslos, abgabewillige Länder zu finden.
Für die Finanzierung gibt es die Zusagen Deutschlands, zwei Systeme zu bezahlen. Pistorius hatte die Kosten für ein System auf eine Milliarde Euro beziffert, in Abhängigkeit von Konfiguration und Munitionsausstattung. Norwegen hat die Finanzierung eines dritten Systems zugesagt. Von einem dritten Land liege die Finanzierungszusage für ein viertes System vor.
Patriot Produktion
Bekanntlich sind die Produktionslinien bei Raytheon ausgelastet. Nach inoffiziellen Informationen produziert Raytheon derzeit zwölf System pro Jahr. Auseinandersetzungen um die Priorität bei den Auslieferungen haben bereits begonnen. US-Präsident Trump hat den Ausgleich des Fehlbestands an Patriots der US Army gefordert. Die Schweiz wurde bereits von Raytheon informiert, dass die ab 2026 vereinbarten Auslieferungen auf spätere Zeit verschoben wurden. Auf der Warteliste stehen u.a. Rumänien, Spanien, Griechenland und Polen.
Lenkraketen
Die Ausstattung der Patriot Feuereinheiten mit Munition ist ebenfalls kritisch. Die Ukraine nutzt die Versionen PAC-2 GEM-T und vorzugsweise PAC-3 MSE. Die Bestände bei den unterstützenden Nationen sind abgesunken. Die Hersteller der Raketen (Raytheon und Lockheed Martin) steigern ihre Kapazitäten. Auf der LandEuro in Mainz hat Jason Reynolds, Vice President & General Manager Missiles and Fire Control bei Lockheed Martin angekündigt, dass das Unternehmen die Produktion der PAC-3 MSE um 100 Stück auf 750 Raketen pro Jahr steigern wolle. Zur Frage, ob durch Einbeziehen europäischer Unternehmen eine weitere Kapazitätssteigerung erreicht werden könne, verwies Reynolds auf Kontakte zu u.a. MBDA, Diehl und Rheinmetall.
Arbeitsgruppe klärt
Pistorius hatte nach seinem Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth angekündigt, dass eine Arbeitsgruppe „quietly and quickly“ die Modalitäten der Abgabe der Patriot-Systeme klären werde. Nach der Entscheidung über die Abgabe auch der anderen Nationen sind Konfiguration der Feuereinheiten, die Zeitabläufe und Zusatzleistungen wie Ausbildung zu klären. Insider gehen davon aus, dass in wenigen Wochen das erste System in Marsch gesetzt werden kann.
Gerhard Heiming



















