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Alle zwei Jahre präsentiert der Daimler-Geschäftsbereich Mercedes-Benz Special Trucks (MBS) unter der Überschrift „Defence Trucks Experience“ Kunden und dem hauseigenen Vertrieb den Sachstand und Neuentwicklungen von Lastkraftwagen, die das Unternehmen und seine Partner als militärische Spezialentwicklungen und -konfigurationen für Sicherheits- und Verteidigungskräfte in ihren Portfolios haben. An einem Pressetag wurden die Informationen der Fachpresse zugänglich gemacht.

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Der Fahrzeugpark, aufgereiht zur Vorstellung (Foto: Daimler Trucks)

Im Mittelpunkt der Präsentation auf dem firmeneigenen Testgelände standen die Baureihen Zetros, Arocs und Unimog, die in der Bundeswehr und zahlreichen anderen Streitkräften weltweit im Einsatz sind. Die ebenfalls präsentierten Sonderfahrgestelle auf Unimog-Basis sind die Mobilitätsgrundlage für Gefechtsfahrzeuge (wie z.B. Dingo oder Enok 14.8) von Systemlieferanten. Die Fahrzeuge mussten ihre Leistungsfähigkeit auf Steil-, Gelände- und Trümmerstrecken sowie im Wasser beweisen. Im Gelände konnten die Teilnehmer die Fahrzeuge persönlich erfahren.

Unimog

Das traditionsreichste Fahrzeug war der Unimog, der seit über 75 Jahre produziert und seit über 60 Jahren in der Bundeswehr eingesetzt wird. Der Unimog gehört MBS zufolge zu den am weitesten verbreiteten hochgeländegängigen Lkw der Welt und eignet sich für den Transport von Personal und Material auch in unwegsamem Gelände und an schwer zugänglichen Orten.

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Der traditionsreiche Unimog wurde in modernen Versionen vorgestellt, u.a. mit Doppelkabine. (Foto: Daimler Trucks)

Zu den modernen Entwicklungen gehört der Unimog U 5023 4×4 mit Doppelkabine, mit dem bis zu sieben Soldaten und ihre Missionsausstattung an den Einsatzort gebracht werden können. Beispielhaft war der U 5023 mit Spriegel und Plane über der Ladefläche ausgestattet. Als Antrieb dient der durchzugstarke Euro-VI-Diesel-Motor OM 934 mit 170 kW, der das Fahrzeug auf bis 89 km/h beschleunigt werden kann.

Der U 5000 kam mit einem 160-kW- Euro-III-Dieselmotor daher und bot als besondere Ausstattungsmerkmale u.a. eine Reifendruckregelanlage, einen Zyklon-Staubfilter, die Watfähigkeit von 1,2 Metern sowie eine 8-Tonnen-Bergungswinde.

Die Sonderfahrgestelle (FGA) werden aus Mobilitätskomponenten nach den Anforderungen von Systemherstellern konfiguriert. Maximales Gesamtgewicht und Antriebsleistung zählen zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen. Gezeigt wurden die FGA 14,5 4×4 und 9,5 4×4 für zulässige Gesamtgewichte von 14,5 Tonnen bzw. 9,5 Tonnen und mit Euro-III-Dieselmotoren von 240 kW bzw. 160 kW Antriebsleistung. In den Fahrgestellen befinden sich mechanische, elektrische, hydraulische und pneumatische Schnittstellen, die für viele Aufbauten geeignet sind. Auf Wunsch kommen die FGA als „rolling chassis“, auf die mit wenig Aufwand der Aufbau des Systemherstellers integriert werden kann.

Zetros

Der seit 2008 produzierte Hauben-Lkw Zetros wurde in drei Varianten vorgestellt. Alle werden von Euro-III-Motoren angetrieben, sind also ohne weiteres für den Betrieb mit Schlecht-Kraftstoff geeignet. Der Zetros 3042 A wird von einem 310-kW-Diesel über ein Allison-Automatikgetriebe angetrieben und kann damit schnell und sanft anfahren und beschleunigen. Als 6×6 mit Einzelbereifung ist er für ein Gesamtgewicht von 30 Tonnen ausgelegt. Der verwindungsfreie Pritschenaufbau eignet sich besonders für den Material- und Containertransport.

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Der Hauben-Lkw Zetros in einer Variante als Tankfahrzeug. (Foto: Ralf Maile)

Nur zwei Tonnen leichter ist der Zetros 2743, der von einem 310-kW-Dieselmotor über ein Mercedes-Benz G260 Getriebe mit Einscheibenkupplung (Allison-Automatik optional) angetrieben wird. Das Fahrzeug war beispielhaft mit einem 13.000 Liter für den Transport von Diesel oder Benzin ausgestattet.

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Der Zetros 1836 A 4×4 gehört in die Klasse „Fünftonner“ mit zulässigem Gesamtgewicht von 20 Tonnen. Für den Transport der militärischen Nutzlast von rund fünf Tonnen verfügt das Fahrzeug über einen verwindungsfreien Pritschenaufbau mit Plane. Ein ähnliches Modell – allerdings mit geschützter Kabine – hat die Bundeswehr seit 2012 als geschütztes Transportfahrzeug (GTF) im Einsatz, von denen sich einige in Afghanistan bewährt haben.

Arocs

Der seit 2013 produzierte Arocs wird mit Euro-VI-Motoren geliefert. Er ist bewusst für die modulare Konfiguration konstruiert und bietet ein besonders großes Spektrum an Variationsmöglichkeiten entsprechend dem Kundenbedarf.

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Arocs 4×4 mit Containerwechselrahmen. (Foto: Daimler Trucks)

Der Arocs 4152 AK 8×8 ist mit seinem zulässigen Gesamtgewicht von 35 Tonnen besonders für den Transport von schwerer Ausrüstung und Material geeignet. Die Leistung des 380-kW-Dieselmotors wird über ein Mercedes-Benz Getriebe G 330 und Mercedes-Benz PowerShift 3 vollautomatisch oder manuell auf den Boden gebracht. Mit optionaler Turbo-Retarder-Kupplung (TRK) – einer Kombination aus hydraulischer Anfahrkupplung und Retarder ist auch bei hohen Lasten ein feinfühliges, verschleißarmes Anfahren und Rangieren mit hohen Eingangsdrehmomenten möglich. Weiterer Vorteil der TRK ist eine hohe Dauerbremsleistung. Das gezeigte Fahrzeug war mit Palfinger Kran mit einem maximalen Hubmoment von 20,9 Metertonnen sowie einer rahmenmontierten hydraulischen Seilwinde ausgestattet.

Der mit 26 Tonnen etwas leichtere Arocs 2243 A 6×6 wird von einem 315-kW-Dieselmotor über Mercedes-Benz PowerShift 3 angetrieben. Das Fahrerhaus verfügt unter anderem über eine schwenkbare Dachluke. Zur Beladung ist das Fahrzeug mit einem verwindungsfreien Containerwechselrahmen mit Twist Locks zur Containerverriegelung ausgestattet.

Der kleinste Arocs 1827 4×4 mit 16,5 Tonnen Gesamtgewicht kann auf einen 200-kW-Dieselmotor zurückgreifen. Auf dem verwindungsfreien Containerwechselrahmen können rund fünf Tonnen militärische Nutzlast transportiert werden.

Partnerlösungen

In vielen taktischen Lastkraftwagen ist die Mobilitätstechnik von Daimler Trucks die Grundlage. Sie wird zum Teil in den oben beschriebenen Sonderfahrgestellen FGA geliefert. Zu sehen waren der deutsche Dingo 2 4×4 von Krauss-Maffei Wegmann, der finnische GTP 4×4 von Sisu, der deutsche Enok 14,8 von Armoured Car Systems, der spanische Ibero SMV von TSD, der französische Arive von Soframe, der türkische Dermann 8×8 von Koluman, letzterer auf Basis des Arocs mit geschützter Kabine. Als ungeschütztes Fahrzeug präsentierte der österreichische Feuerwehrgeräteherstellers Rosenbauer einen Unimog U 5023 4×4 als Feuerlöschfahrzeug mit 3.000 Liter Löschwassertank.

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Der Dingo 2 als ein Beispiel für die zahlreichen vorgestellten Partnerlösungen. (Foto: Ralf Maile)

Fazit

Ein großes Spektrum an taktischen und logistischen Lastkraftwagen war auf der Defence Trucks Experience 2023 zu sehen und zu erleben. Daimler Trucks konzentriert sich vor allem auf logistische Fahrzeuge, die in den Streitkräften ohne und mit militärischen Anpassungen eingesetzt werden. Bei taktischen Fahrzeugen überlässt Daimler Trucks die Lösung Systemhäusern mit deren Kompetenz für Schutzlösungen und Missionsausstattungen. Die weltweit genutzten militärischen Fahrzeuge von Daimler Trucks können sich auf das globale Servicenetz des Unternehmens abstützen. Das macht eine hohe Verfügbarkeit möglich.

Redaktion / gwh