Kanadas Premiermister Justin Trudeau hat am 10 Juli im Hauptquartier der „NATO-Battlegroup Latvia“ im lettischen Camp Ādaži bekanntgegeben, dass sein Land mit bis zu 1.200 weiteren Soldaten die Präsenz in diesem baltischen Staat mehr als verdoppeln wolle. Kanada ist die Rahmen- beziehungsweise Führungsnation dieser Kampfgruppe.

Unmittelbar zuvor hatten auf dem lettischen Truppenübungsplatz Camp Ādaži die kanadische Verteidigungsministerin Anita Anand und ihre lettische Amtskollegin Ināra Mūrniece eine gemeinsame „Roadmap“ unterzeichnet, wonach die dortige „Battlegroup“ auf Brigadegröße aufwachsen soll. Diese Mission stellt das größte militärische Engagement Kanadas in Übersee dar.

Es ist geplant, den Aufwuchs der dauerhaft in Lettland stationierten multinationalen Brigade bis 2025 abgeschlossen zu haben. Zusätzliche „High-Readiness“-Kräfte sollen als Notfall-Verstärkung in ihren Heimatländern in Bereitschaft gehalten werden.

„Wir“, so die beiden Ministerinnen in dem bilateralen Fahrplan, „erkennen unser gemeinsames Interesse an internationalem Frieden und Sicherheit an, indem wir die standhafte Verpflichtung gegenüber unseren gemeinsamen Werten, der regelbasierten internationalen Ordnung und der internationalen Zusammenarbeit hiermit zum Ausdruck bringen.“

Laut Reuters habe sich Trudeau in diesem Zusammenhang dazu verpflichtet, dass sein Land innerhalb der nächsten drei Jahre 2,6 Milliarden Kanadische Dollar – das entspricht 1,77 Milliarden Euro – für die Erneuerung und Ausdehnung der Lettland-Mission ausgeben will.

Im Juli 2016 hatten die Staats- und Regierungschefs der Atlantischen Allianz auf ihrem Treffen in Warschau als Reaktion auf die gewaltsame Annexion der Krim und dem Beginn des Donbass-Krieges durch Russland beschlossen, im Rahmen der künftigen „NATO Enhanced Forward Presence” (eFP) Kampfgruppen in den baltischen Staaten und in Polen rotieren zu lassen. Während des Madrider NATO-Gipfels im Juni 2022 – der ganz unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges gegen die ganze Ukraine stand – unterzeichneten die Verteidigungsministerinnen Kanadas und Lettlands eine gemeinsame Erklärung, in der sich beide Nationen verpflichtet haben, die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten an der NATO-Ostflanke stärken zu wollen.

Die „NATO-Battlegroup Latvia“ verfügt zurzeit über rund 1.900 Soldaten mit Truppenteilen aus Albanien, Italien, Montenegro, Nordmazedonien, Polen, Slowakei, Slowenien, Spanien und Tschechien.

Gerd Portugall