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Auf dem jüngsten russisch-indischen Gipfeltreffen ist ein Plan für die militärisch-technische Zusammenarbeit im kommenden Jahrzehnt von 2021 bis 2031 unterzeichnet worden. Die Vereinbarung wurde vom Leiter des russischen Amtes für militärisch-technische Zusammenarbeit (FSVTS), Dmitry Shugaev, und dem stellvertretenden indischen Verteidigungsminister für militärische Beschaffung, Kant Rag, in Anwesenheit des russischen Armeegenerals Sergei Shoigu und seines indischen Amtskollegen Rajnath Singh unterschrieben. Ein Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem indischen Premierminister Narendra Modi hat gezeigt, dass Moskau ein strategischer Partner Neu-Delhis in den Bereichen Verteidigung und Rüstungsproduktion bleibt. Nach Angaben des Kremls umfasst das Abkommen militärische Übungen und die Ausbildung von Personal sowie den Technologietransfer und die gemeinsame Entwicklung und Produktion von Verteidigungssystemen.

Es sieht so aus, als ob die beiden Länder in eine neue Phase der strategischen Partnerschaft eintreten. Nach Angaben des indischen Botschafters in Moskau, Bala Venkatesh Varma, belief sich das Gesamtvolumen der bilateralen Verträge im Verteidigungsbereich im Jahr 2018 auf etwa 2,3 Milliarden US-Dollar. Der aktuelle Umfang der abgeschlossenen Verträge hat den Betrag von 14 Milliarden US-Dollar erreicht. Diese Zahl wurde von Dmitry Shugaev bekannt gegeben, der das Gesamtvolumen der Aufträge aus Neu-Delhi an Moskau seit 1991 mit 70 Milliarden US-Dollar bezifferte. Erinnert sei hier nur an den Auftrag über fünf Regimenter der S-400-Langstrecken-Luftabwehrsysteme von Almaz-Antey im Wert von über fünf Milliarden US-Dollar, deren erste Chargen in diesem Monat geliefert werden.

Laut Alexander Mikheev, CEO des staatlichen russischen Waffenhändlers Rosoboronexport, der am Dienstag in Delhi mit Reportern sprach, wurden Hunderte von Sukhoi-Mehrzweckkampfflugzeugen und über zweieinhalbtausend Kampfpanzer in Indien mit russischer Lizenz hergestellt. Die langfristige Zusammenarbeit mit dem Unternehmen HAL werde mit der Lizenzproduktion des Kampfjets Su-30MKI fortgesetzt. „Mehr als 220 Exemplare sind hier produziert worden. Im Interesse der indischen Landstreitkräfte werden im Werk der HVF die Panzer T-90 und T-72M1 hergestellt. Etwa 900 T-90S und 1500 T-72M1 wurden bereits produziert“, sagte Mikheev. Er erwähnte auch die „Mango“-Munition, die in den Artilleriefabriken des indischen Verteidigungsministeriums in Massenproduktion hergestellt wird. Er betonte, dass Indien seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Abnehmer russischer Ausrüstung sei und bleibe.

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Der amphibische Panzer Sprut SDM-1, Foto: HPW

„Unsere Zusammenarbeit beruht auf dem von der indischen Regierung angekündigten und von der Industrie erfolgreich umgesetzten „Make-in-India“-Programm. Rosoboronexport macht dies schon seit langem, und wir können wirklich stolz darauf sein. Russland ist das erste Land, das eine groß angelegte Zusammenarbeit mit Indien in Form von Technologietransfer und der Organisation der Produktion von in Russland entwickelten Produkten in indischen Unternehmen begonnen hat“, so der Chef von Rosoboronexport. Außerdem seien Konsultationen über das Modernisierungsprogramm des T-90 im Gange. Vorläufige Tests mehrerer modernisierter Systeme, die auf den von der indischen Seite zur Verfügung gestellten Panzern installiert wurden, sind bereits durchgeführt worden. Nach den Testergebnissen soll eine Entscheidung über den Einbau der Modernisierungspakete getroffen werden. Insgesamt sind über 100 Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Gange, die „eine riesige Reserve für die künftige Entwicklung der Hightech-Industrie in beiden Ländern schaffen“, betonte Mikheev. Er erklärte auch, dass Rosoboronexport mit dem amphibischen Panzer Sprut-SDM1 („Octopus“) aus der Holding für Hochpräzisionswaffen an der Ausschreibung für leichte Panzer in Indien teilnehmen wird. Russland „wird sogar einen Technologietransfer und höchstwahrscheinlich die Lokalisierung einiger Einheiten und der Teileproduktion anbieten“, sagte Mikheev. Er erinnerte daran, dass der Sprut-SDM1 „das einzige leichte amphibische Kampffahrzeug seiner Klasse mit der Feuerkraft eines Kampfpanzers ist, der mit einer 125-mm-Kanone bewaffnet ist“. Die gesamte in Indien für die Panzer T-72M1 und T-90S hergestellte Munition könne für Sprut-SDM1 verwendet werden. „Die russische Seite bestätigt ihre Bereitschaft, innerhalb von zwei bis drei Jahren die Produktion der neuesten Version der Kalaschnikow-Sturmgewehre in vollem Umfang zu gewährleisten, um die indischen Machtstrukturen mit modernen Kleinwaffen auszustatten“, so Mikheev weiter.

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Ihm zufolge soll der erste Teil der AK-203-Sturmgewehre in Indien mit unterschiedlichem Lokalisierungsgrad hergestellt werden, bevor dann die Serienproduktion beginnt. „Es gibt eine Besonderheit beim Start der Produktion. Die ersten 120.000 Stück des Sturmgewehrs AK-203 werden in Indien hergestellt, wobei der Lokalisierungsgrad schrittweise von fünf Prozent auf 70 Prozent erhöht wird. Der Rest der Sturmgewehre wird zu 100 Prozent vor Ort produziert“, sagte der Leiter von Rosoboronexport.

Das Joint Venture mit dem Namen Indo-Russian Rifles Private Limited und das indische Verteidigungsministerium unterzeichneten am 6. Dezember einen Vertrag über die Produktion von mehr als 600.000 AK-203 in der indischen Stadt Corva zur Bewaffnung der Streitkräfte und der Strafverfolgungsbehörden des Landes. Damit könnte Indien das erste ausländische Land werden, das die „200“-Serie der Kalaschnikow-Sturmgewehre produziert. Das AK-203-Sturmgewehr in der Konfiguration für die indischen Streitkräfte wurde erstmals auf der internationalen Waffenmesse DefExpo -2020 vorgestellt.

Yuri Laskin