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Die Nutzungsdauerverlängerung von mehr als 70 Schützenpanzern Marder der Bundeswehr ist in den vergangenen Monaten weiter vorangekommen. So wurden bereits alle Umrüst-Kits für die neue Panzerabwehrlenkwaffe MELLS ausgeliefert, wie der zuständige Rheinmetall-Manager Tim Taudin, vergangene Woche beim Festakt zur 50jährigen Nutzung des Panzers in Munster erläuterte. Ein Teil der Flotte sei auch schon umgerüstet, sagte Taudin. MELLS ersetzt das in die Jahre gekommene Raketensystem Milan.

Nach Aussage des Managers bei der vom Freundeskreis Panzergrenadiere e. V. und Rheinmetall ausgerichteten Veranstaltung wurde auch bereits das Sichtsystem Spectus von Hensoldt in den Marder 1A5A1 integriert. Spectus verknüpft ein optisches Bild mit dem einer Wärmebildkamera. Mit im Sichtmittelpaket ist darüber hinaus eine Rückblickkamera für den Fahrer. Das Material für den Marder A3 sei bereits im Zulauf, so Taudin.

Modernisierung des Schützenpanzers Marder im Plan
Schützenpanzer Marder, mit eingerüstetem MELLS, Foto: Carl Schulze

Im Rahmen der Modernisierung erhält der Schützenpanzer eine neue Feuerwarn- und Löschanlage von Kidde Deugra, die im Wesentlichen auf das bereits im Puma eingeführte System zurückgeht. Ausgetauscht wird überdies das bisherige Wärmebildgerät der ersten Generation aus den 80er Jahren. Nach einer Untersuchung durch die Wehrtechnische Dienststelle und einem Vergleichstest habe sich der Auftraggeber für das Gerät Saphir 2.6 MK von Rheinmetall Electronics entschieden, so Taudin. Das Serienmaterial sei im Zulauf.

Modernisierung des Schützenpanzers Marder im Plan
Vorserienfahrzeug des Schützenpanzers Marder (Foto: Archiv KTS II/III)

Überdies erhalten die zur Umrüstung vorgesehenen Marder einen neuen Sechszylinder-Motor von Liebherr. Das bisher genutzte Getriebe von Renk werde beibehalten, sagte Taudin. Um es mit dem neuen 550-kW-Motor (750 PS) kompatibel zu machen, werde es vom Hersteller verstärkt, um Obsoleszenzen bereinigt und „minimal digitalisiert“. Beim Seitenvorgelege werde auf die Lösung des Flugabwehr-Panzers Roland zurückgegriffen. Dieser Panzer mit Boden-Luft-Raketen nutzte ein modifiziertes Marder-Fahrgestell und wurde ab den 80er Jahren in der Bundeswehr eingesetzt, ist aber mittlerweile ausgemustert.

Modernisierung des Schützenpanzers Marder im Plan
Rheinmetalls System PzGren, Foto: Rheinmetall

Der Marder erhält auch eine neue Kühlanlage. Nach Aussage von Taudien werden die bisherigen Toplüfter durch drei Lüfter pro Seite ersetzt. Die von Mahle zugelieferten Geräte seien als Saugkühlanlage ausgelegt, sagte der Rheinmetall-Manager. Außerdem hat Rheinmetall verschiedene Funkgerätekonfigurationen für das neue Battle-Management-System integriert. Dazu seien in erster Linie Umverstauungen nötig gewesen, erläuterte Taudien. Die Entwicklung sei fast abgeschlossen. Überdies erhalten die Marder die bereits beim Puma genutzte Kette.

Neben der Bundeswehr nutzen auch die Streitkräfte Chiles, Jordaniens und Indonesiens den Marder als Kampffahrzeug für die Infanterie. So hat das chilenische Heer insgesamt drei Bataillone mit dem Fahrzeug ausgestattet, wie der chilenische Militärattaché während der Veranstaltung erläuterte. Ab 2009 hatte das südamerikanische Land rund 170 Marder in der Konfiguration 1A3 erhalten. Die Bataillone seien im Norden des Landes eingesetzt, wo Sand und der harsche Untergrund zu Problemen für die Filter und Ketten führten, sagte der chilenische Offizier. Insgesamt sei die Erfahrung mit dem Panzer jedoch sehr gut.

Jordanien ist mit 73 Fahrzeugen mittlerweile der zweitgrößte Nutzer außerhalb Deutschlands. Angaben von Rheinmetall zufolge wurden an Indonesien 50 Marder geliefert. Das Unternehmen selbst hat noch etwa 250 Marder 1A3 im Bestand.

lah/28.10.2021