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Die Bundeswehr hat den Rheinmetall-Konzerns damit beauftragt, ein Aufklärungssystem in Form eines Überwachungsfesselballons zum Schutz eines Feldlagers in Niger bereitzustellen und zu betreiben. Wie das Unternehmen heute weiter bekannt gegeben hat, beläuft sich der Auftragswert auf 21 Millionen Euro. Auftragnehmer ist die Rheinmetall Project Solutions GmbH, eine neu gegründete Tochter, die im Rheinmetall-Konzern zukünftig Dienstleistungen im Bereich der Einsatzunterstützung erbringen wird.

„Zukünftig kann die Bundeswehr mit dieser Lösung bei Tag und Nacht mögliche gegnerische Kräfte über mehrere Kilometer Entfernung identifizieren und gegebenenfalls Maßnahmen frühzeitig einleiten“, schreibt das Unternehmen in der Mitteilung.  Bereits in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass solche Systeme – allein durch ihre Sichtbarkeit – die Anschlagswahrscheinlichkeit mehr als halbiert hätten.

Das Unternehmen verweist weiterhin darauf, dass man sich zu einem „Betrieb rund um die Uhr an allen sieben Wochentagen“ verpflichtet habe. Die Bedienung der Sensorik erfolgt durch Soldaten an den dafür vorgesehenen speziellen Arbeitsplätzen. Diese Bediener werden von Rheinmetall ausgebildet.

Das in ähnlicher Form aus Afghanistan bekannte Aufklärungssystem war ursprünglich für den Feldlagerschutz des Camp Castor in Mali vorgesehen, dies bestätigte eine Sprecherin des Bundesministeriums der Verteidigung auf Anfrage der Soldat & Technik.

Feldlagerschutz – Überwachungsfesselballon für Mali geht in den Niger

Einem Bericht der Tageszeitung Welt aus dem Frühjahr 2021 zufolge, hatte die Bundeswehr die Beschaffung dieses Systems 2016 in Form einer Sofortinitiative für den Einsatz eingeleitet und 2019 einen entsprechenden Vertrag mit einem Anbieter ausgehandelt. Das System konnte jedoch nicht in Betrieb genommen werden, da die Vereinten Nationen, die in der Nähe ein eigenes Lager unterhielten, die Zustimmung für den Betrieb des Ballons mit Verweis auf die örtliche Nähe zum internationalen Flughafen verweigerten.

Der den deutschen Soldaten in Mali verwehrte Schutz kommt nun dem Bundeswehrkontingent im Niger zugute. Seit 2018 bilden dort deutsche Spezialkräfte unter Federführung des Kommandos Spezialkräfte Marine im Rahmen der Mission Gazelle nigrische Soldaten aus. Zum Jahreswechsel 2020/2021 wurde die Mission in die EU Training Mission Mali (EUTM) integriert. Die Kräfte bleiben in Niger stationiert, verlegen aber den Schwerpunkt ins malisch-nigrische Grenzgebiet. Neuer Stationierungsort wurde Tillia, wo im Rahmen der Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung eine Schule für Spezialkräfte aufgebaut wird.

Waldemar Geiger