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Mit drei Verträgen vom 31. August hat das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) für die Bundeswehr Fähigkeiten für die Unterbringung von Kräften im Einsatz gesichert (ESuT berichtete). Unter der Arbeitsbezeichnung „German Armed Forces Contractor Augmentation Program II – Stationäre Unterbringung“ – abgekürzt G-CAP II SU – sind mit der Bietergemeinschaft Ecolog, FEPS und Rheinmetall rund 140 Arbeitspakete definiert worden, die bei Bedarf abgerufen werden können.

Erst mit dem Abruf von Leistungen werden finanzielle Verpflichtungen eingegangen.

Lange stand G-CAP II SU in Konkurrenz zum Beschaffungsvorhaben Modulsystem Feldlager Bundeswehr, mit dem die vor zwanzig Jahren eingeführte Feldlagerausstattung abgelöst werden sollte, wie ESuT berichtete. Bei diesem nach ZdV A-1500/3 Customer Product Management (CPM) angelegten Verfahren sollte die Ausstattung beschafft, eingelagert und für den Einsatz vorgehalten werden. Ergänzend hätte Personal ausgebildet und verfügbar gehalten werden müssen. Auslegungskriterium für die Bemessung der Umfänge von Personal und Material einschließlich Transportkapazitäten wäre die maximale Kontingentgröße auch mehrerer gleichzeitiger Einsätze. Daraus hätte sich eine hohe Kapital- und Ressourcenbindung ergeben.

Ablauf der Beauftragung

Ganz anders funktioniert dagegen das Modell des G-CAP II SU: Sobald die Bundeswehr ein Feldlager unter G-CAP-Bedingungen betreiben will, wird eine der drei oben genannten Firmen als Betreiber beauftragt. Die Reihenfolge der Auswahl richtet sich nach der Angebotssumme. Die Firma mit dem niedrigsten Angebot wird als erste beauftragt. Der Abruf enthält die benötigten Arbeitspakete und deren Anzahl, den Aufbauort und den Termin für die Bezugsfertigkeit. Die beauftragte Firma ist für das zugewiesene Camp über die volle Vertragslaufzeit allein verantwortlich.

Wie Rheinmetall während einer Presseveranstaltung mitteilte, können die vereinbarten kurzen Zeiten zwischen Abruf und Bezugstermin nur erreicht werden, wenn die Firmen auf ein Netzwerk in der Industrie und im Personalsektor zurückgreifen können. Die Bundeswehr wolle einen Ansprechpartner, der die Verantwortung für alle Gewerke beim Betrieb des stationären Feldlagers trage, erläuterte Deniz Akitürk, der Geschäftsführer der für diese Aufgabe neu gegründeten Rheinmetall Project Solutions. Rheinmetall sei in der Lage, als „One-Stop-Shop“ für den Kunden Bundeswehr zu agieren und gleichzeitig einziger Ansprechpartner für die Leistung erbringende Industrie zu sein.

Für G-CAP konzentriere sich das Unternehmen auf Engineering-Aufgaben und das Projektmanagement. Eine sehr kleine Kernmannschaft pflege die Netzwerke und sei quasi auf Knopfdruck bereit, die notwendigen Liefer- und Leistungsverträge abzuschließen und Personal zu verpflichten. Weil das Unternehmen nicht an Vergabevorschriften gebunden ist, können Verträge kurzfristig geschlossen werden. Rheinmetall agiere als Dienstleister für die Bundeswehr und verantworte als Generalunternehmer neben dem Projekt- und Schnittstellenmanagement die Steuerung der Unterauftragnehmer und gegebenenfalls die Bereitstellung von Personal.

Stationäre Unterbringung im Einsatz mit G-CAP II SU
Stationäre Unterbringung im Einsatz mit G-CAP II SU

Beispiel

Mit dem Auftrag zur Überwachung des Feldlagers in Niger und dessen Umgebung hat die Rheinmetall Project Solutions kürzlich einen G-CAP-ähnlichen Auftrag erhalten (ESuT berichtete). Mit dem Persistent Surveillance System bringt Rheinmetall mit einem Ballon Sensoren über dem Feldlager so in Stellung, dass eine Überwachungsreichweite von 40 km erreicht wird und Personen bei Nacht in bis zu fünf km Entfernung identifiziert werden können. Akitürk wies darauf hin, dass die geforderte Leistung eine bestimmte Anzahl von Bildern in vorgegebener Auflösung in festgelegtem Zeitraum sei. Die Auswahl des Trägers, der Sensoren, der Personalausstattung und der Reserven liege allein in der Zuständigkeit und Verantwortung von Rheinmetall. An der Auswertung der Bilder ist Rheinmetall dagegen nicht beteiligt.

Folgerungen

Mit den Rahmenverträgen G-CAP geht die Bundeswehr einen neuen Weg zur Sicherstellung von Fähigkeiten für die Streitkräfte. In Form von Project Based Contracting übernehmen Firmen die Verantwortung für definierte Leistungspakete und betreiben Camps für die Bundeswehr. Damit können Ressourcen der Streitkräfte geschont und politisch vorgegebene Obergrenzen für das militärische Personal besser ausgeschöpft werden, da Zivilangestellte nicht-militärische Aufgaben übernehmen. Überdies wird eine Kapitalbindung, die andernfalls unabhängig von Einsätzen erfolgen müsst, vermieden.

Gerhard Heiming