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Die österreichische Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hat am 21. September 2020 offiziell bekanntgegeben, dass das Bundesheer 18 AW169M Hubschrauber bei Leonardo in Italien bestellen wird. Damit sollen die 50 Jahre alten Alouette III ersetzt werden, die ihr Lebensdauerende erreicht haben.

Mit einem Volumen von 300 Millionen Euro ist der Hubschrauberauftrag das teuerste Einzelprojekt seit der Beschaffung des Eurofighter. Mit der Beschaffung der Eurofighter 2002 begann ein Streit über Auswahl, Beschaffungsentscheidung und mögliche Schmiergeldzahlungen, der bis heute noch nicht beigelegt ist und sich auf die Hubschrauberentscheidung ausgewirkt haben könnte. Insider vermuten, dass die von Airbus angebotene H145M wegen der persönlichen Aversion von Tanner ebenso nicht zu Zuge kam wie die Bell 249. Beide Hubschrauber sind kleiner und leichter als die AW169M und verursachen weniger Betriebskosten.

Österreich geht eine Kooperation mit Italien ein, um die Hubschrauber gemeinsam zu betreiben. Das sei auch der Grund, so Tanner, warum es kein Vergabeverfahren gegeben habe. Mit Deutschland und den USA habe eine solche Kooperation nicht rechtzeitig vereinbart werden können. Der nächste Schritt ist die Verhandlung des Liefervertrages mit Leonardo, die binnen eines halben Jahres abgeschlossen werden soll.

Der Auftrag an Leonardo wird neben der Lieferung der Hubschrauber technische Unterstützung bei der Einführung und im Betrieb sowie Ausbildung der Piloten beinhalten. Hinzu kommt die Anpassung der Infrastruktur.

Zwölf Hubschrauber sind für den Einsatzflugbetrieb vorgesehen. Ministerin Tanner lobte die Eignung des Hubschraubers für Katastropheneinsätze. Er könne auch für militärische Zwecke eingesetzt werden. Die übrigen sechs Flugzeuge sind vorrangig für die Ausbildung der Piloten vorgesehen. Dafür ist auch ein Simulator vorgesehen, in dem die Piloten in Kooperation vor Eintreffen des ersten Hubschraubers ausgebildet werden sollen. Die volle Simulatorausstattung soll ab 2026 zur Verfügung stehen.

AW169M für das österreichische Bundesheer

Die ersten AW169M sollen ab 2022 der Truppe zulaufen. Der sechste und letzte Ausbildungshubschrauber soll Mitte 2023 ausgeliefert sein. Die Lieferung der Einsatzhubschrauber soll Mitte 2024 abgeschlossen sein. Der Start des Einsatzflugbetriebs mit einer Anfangsbefähigung ist für Anfang 2024 terminiert. Die volle Verwendungsfähigkeit der Hubschrauberflotte soll nach 2026 erreicht werden.

Die AW169 ist seit ihrer Zulassung 2015 bei zivilen Unternehmen und bei Polizeikräften in Betrieb. Nach Einführung bei der Guardia di Finaza ist die militärische Version AW169M unter der Bezeichnung UH-169B seit Juli 2020 bei den italienischen Heeresfliegern im Erprobungseinsatz. Ziel ist die Definition und Beschaffung eines leichten Unterstützungshubschraubers (LUH). Bei der AW169M ist das Einziehfahrzwerk gegen ein Kufenlandegestell ausgetauscht und spezielle Missionsausrüstungen eingerüstet. Stichworte hierzu sind: Rettungsdienst (SAR & CASEVAC), Spezialkräfte, Luftaufklärung, Waffensystem und Selbstschutz.

Bei einem Startgewicht von unter fünf Tonnen erreicht der Hubschrauber mit rund zwei Tonnen Nutzlast eine Reisegeschwindigkeit von 268 km/h und eine Dienstgipfelhöhe von 4,5 km. Zwei Pratt & Wittney mit je 810 kW werden über ein volldigitalen 2-Kanal FADEC (Full Authority Digital Engine Control) gesteuert. Bis zu elf Passagiere können von der zweiköpfigen Besatzung ohne Zwischenlandung rund 860 km weit transportiert werden.

Gerhard Heiming