Auf der ILA Berlin stellt Rohde & Schwarz (R&S) das Networked Multipoint Array Communications System (NEMACS) vor. Diese neuartige Multi-Link-Combat-Cloud-Lösung ermöglicht eine hochgradig vernetzte und geschützte Kommunikation zwischen bemannten und unbemannten Systemen über alle operativen Dimensionen hinweg – Luft, Land, See und Weltraum, schreibt R&S in einer Mitteilung vom 11. Juni. Angesichts einer modernen Kriegsführung, in der autonome Plattformen und das sogenannte Crewed-Uncrewed Teaming (CU-T) zunehmend das Rückgrat militärischer Operationen bilden, liefere NEMACS eine ultra-sichere Verbindung mit extrem hoher Kapazität. Das System stelle sicher, dass alle beteiligten Einheiten selbst dann permanent vernetzt bleiben, wenn der Gegner das elektromagnetische Spektrum massiv mit Störsendern flutet.
NEMACS-Technologie
Technologisch basiert NEMACS auf einer leistungsstarken Communication Management Suite sowie einer Familie direktionaler Datenlinks, die das C-Band, Ku-Band und satellitengestützte Kommunikation (SATCOM) abdecken. Daraus bildet das System ein hochresistentes, mehrgliedriges Mesh-Netzwerk. Die Datenströme können bei Bedarf flexibel um feindliche Störquellen herumgeleitet werden.
Ein zentraler Vorteil ist R&S zufolge die ausgeprägte Stealth-Eigenschaft: Durch eine extrem niedrige Entdeckungs- und Abhörwahrscheinlichkeit (Low Probability of Detection – LPD / Low Probability of Interception – LPI) bleibt die Kommunikation für gegnerische Sensoren praktisch unsichtbar. Es entstehe eine echte Combat Cloud, in der Kampfflugzeuge, Drohnen, Marineschiffe und Bodentruppen kontinuierlich Sensorfeeds, Zieldaten und Befehle austauschen, ohne dass ein einziger Point of Failure das Gesamtsystem gefährdet.

Praxisnahes Einsatzszenario
Ein praxisnahes Einsatzszenario verdeutlicht den operativen Mehrwert: Entdeckt ein Marineschiff in einem stark gestörten Korridor ein Ziel, streamt NEMACS das hochauflösende Radarvideo verzögerungsfrei an einen nahen Kampfjet. Dieser kombiniert das Bild mit den Feeds mehrerer Aufklärungsdrohnen, schaltet das Ziel auf und koordiniert den Schlag über eine bewaffnete Drohne (UCAV) – alles über dieselbe geschützte Verbindung.
Nach dem Angriff halten Relaisdrohnen die Datenautobahn offen, um kristallklare Videos zur Schadensanalyse an Jet und Schiff zurückzusenden. Das Ergebnis sind schnellere Entscheidungen, eine höhere Überlebensfähigkeit und der Missionserfolg unter härtesten Bedingungen
Domänenübergreifende Architektur
„Die Vorstellung von NEMACS auf der ILA 2026 unterstreicht unser Engagement, den Streitkräften von heute und morgen ein Kommunikationsrückgrat zur Verfügung zu stellen, das ebenso agil und widerstandsfähig ist wie die Plattformen, die es verbindet“, sagte Andreas Domann, Vice President of Multi Domain Communications bei Rohde & Schwarz. „Durch die Kombination von Richtfunktechnologie mit einer flexiblen, domänenübergreifenden Architektur ermöglichen wir es Kommandeuren, schnellere und fundiertere Entscheidungen zu treffen – selbst wenn das Frequenzspektrum angegriffen wird.“
„Im Einsatzumfeld ist die Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Systemen nicht mehr optional, sondern unverzichtbar“, fuhr er fort. „Die Lösung von Rohde & Schwarz gibt die Gewissheit, dass Datenverbindungen selbst in den aggressivsten elektromagnetischen Angriffsumgebungen bestehen bleiben, sodass die Koordination der Ressourcen gewährleistet ist und die Missionen planmäßig ablaufen.“
Ghost Bat
NEMACS soll über die Kooperation im deutschen Industrieteam in das CCA MQ-28 Ghost Bat eingebracht werden. Das Industrieteam ist auf der ILA Berlin um Rohde & Schwarz und Diehl erweitert worden. Rheinmetall ist schon länger Mitglied in dem Team. Bis 2029 soll die Lösung lieferfähig sein.
Gerhard Heiming


















