Drohnenabwehrkräfte der Bundeswehr tragen zum Schutz des informellen Gipfeltreffens der europäischen Staats- und Regierungschefs vor Drohnen bei. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, haben am 27. September entschieden, auf Bitten der dänischen Regierung einen Beitrag im Bereich C-sUAS (Counter small uncrewed Aircraft System) zu leisten. Das hat das BMVg in einer Mitteilung desselben Tages mitgeteilt.

Auf Einladung der dänischen EU-Ratspräsidentschaft treffen sich die Regierungsspitzen der EU-Mitglieder am 1. und 2. Oktober zu einem informellen Treffen, um die gemeinsame Verteidigung Europas und die Unterstützung für die Ukraine zu erörtern. Das Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen dient in einer geopolitisch herausfordernden Lage der strategischen Koordinierung auf höchster Ebene. Die informelle Tagung wird vom Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, geleitet.

Hintergrund ist die zunehmend spürbare Bedrohung durch Russland. Dänemark und andere EU-Staaten verzeichneten in den letzten Tagen und Wochen zahlreiche ungeklärte Drohnenüberflüge an kritischer Infrastruktur und militärischen Einrichtungen, die Russland zugerechnet werden.

Das Drohnenabwehrsystem ist in zwei Containern untergebracht, damit die Sensoren unabhängig von Arbeitsplatz und Effektoren platziert werden können. (Foto: ESG)

C-sUAS-Unterstützung durch die Bundeswehr

Im Vorfeld hatte Dänemark verschiedene Nationen, darunter auch Deutschland, um Unterstützung bei der Absicherung des informellen Treffens der EU-Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen gebeten.

Nach der Information des BMVg wird die Bundeswehr vor Ort unterstützen. Vorauskräfte verlegen in Kürze nach Dänemark, um gemeinsam mit der dänischen Seite den genauen Einsatzort und Ablauf abzustimmen. Die Hauptkräfte folgen dann zeitnah. Der Einsatz unterstreiche die enge sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Dänemark sowie die Handlungsfähigkeit und Solidarität europäischer Partner im Umgang mit hybriden Bedrohungen, so das BMVg.

Unabhängig davon plant die NATO im Rahmen der Mission BALTRIC SENTRY den Einsatz der Fregatte Hamburg sowie gegebenenfalls weiterer Einheiten.

ASUL für C-sUAS

Im Bereich C-sUAS verfügt die Bundeswehr über das „Abwehr-System kleine unbemannte Luftfahrzeuge“ (ASUL), dessen Vorläufer u.a. beim Schutz des G7-Gipfel in Elmau, des G20-Gipfels in Hamburg und anderen großen hochrangigen internationalen und nationalen Treffen eingesetzt war.

ASUL ist die nach militärischen Forderungen der Bundeswehr angepasste Drohnenabwehrlösung GUARDION eines Konsortiums der Firmen Diehl Defence, ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH (heute Teil von Hensoldt) und Rohde & Schwarz. Technologische Hauptkomponenten sind Radare des Typs Spexer 2000 3D und Kameras Night Owl M von Hensoldt, Funkpeiler R&S Ardronis von Rohde & Schwarz sowie Effektoren der Firma HP Wüst. 2022 wurden fünf Systeme ausgeliefert, die in jeweils zwei Containern untergebracht sind. In den zwei Containern kann ASUL schnell per Land- und Lufttransport verlegt werden.

Kennzeichen von ASUL ist der modulare Aufbau, in dem Komponenten unterschiedlicher Hersteller – sowohl Sensoren als auch Effektoren – bedarfsgerecht kombiniert werden können. Übergreifendes und steuerndes Element ist das Softwaresystem Elysion von ESG. Der Elysion Mission Core führt mittels leistungsfähiger, KI-gestützter Algorithmen alle verfügbaren Daten nahezu in Echtzeit zusammen und bietet geeignete Handlungsoptionen als zuverlässige Entscheidungshilfe für die Betreiber. Elysion bietet mit verarbeitender Kernintelligenz eine hochgradig vernetzter, kartenbasierter Lagedarstellung. Bei der Entwicklung lag der Fokus insbesondere in den Bereichen intuitive Bedienbarkeit, Automatisierung und hochleistungsfähige Datenverarbeitung.

Gerhard Heiming