Ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die damit verbundene Abgabe von Panzerhaubitzen 2000 (PzH 2000) aus Beständen des Heeres und der Industrie hat bei KNDS Deutschland die Neuproduktion von PzH 2000 begonnen.

Durch Unteraufträge an zahlreiche Komponentenhersteller hat KNDS Deutschland die Neuproduktion eingeleitet. Am 4. Oktober hat der Getriebehersteller Renk bekanntgegeben, dass das Unternehmen beginnend noch in diesem Monat die ersten von insgesamt 50 Getrieben des Typs HSWL284C für den Einbau in die PzH 2000 liefert. Die Lieferungen seien für die Bundeswehr sowie internationale Kunden vorgesehen, schreibt Renk. Der Rahmenvertrag mit KNDS Deutschland beinhalte zudem Optionen für weitere Getriebe. Das lässt darauf schließen, dass Bestellungen für weit mehr PzH 2000 in Aussicht stehen, als bisher öffentlich bekannt ist.

Die Panzerhaubitze 2000 wird über das eigens entwickelte hydromechanische Schalt-Wende-Lenkgetriebe (HSWL) angetrieben. Der Triebwerksblock ist vorn in der Wanne angeordnet. (Foto: KNDS Deutschland / Renk)

Nach der Beschreibung von Renk ist das HSWL284C speziell für die PzH2000 entwickelt worden. Das „Hydromechanische Schalt-Wende-Lenkgetriebe“ (HSWL) habe sich aufgrund seiner Leistungsfähigkeit und Qualität vielfach bewährt. Mit den Funktionen Fahren, Bremsen sowie Lenken, einschließlich Pivoting – dem Drehen des Kettenfahrzeuges um die eigene Hochachse –ermögliche es maximale Mobilität auch in schwerem Gelände. Wie alle Renk-Getriebe garantiere das HSWL284C die taktische Mobilität der Landstreitkräfte, trage zuverlässig zum Schutz der Besatzung sowie zur hohen dauerhaften Einsatzbereitschaft und damit der Durchsetzungsfähigkeit im Gefecht bei.

„Der Auftrag unterstreicht die Notwendigkeit von Partnerschaften zur gezielten Unterstützung der Streitkräfte“, sagte Michael Masur, CEO Vehicle Mobility Solutions, Renk GmbH. „Wir leisten mit unserer kurzfristigen Lieferfähigkeit einen wesentlichen Beitrag zur schnellen Stärkung und Erhaltung der Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit der Bundeswehr.“

Mit Billigung des Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages vom März und Mai 2023 hat die Bundeswehr aus einem Rahmenvertrag mit KNDS Deutschland über 28 PzH 2000 in zwei Chargen insgesamt 22 Haubitzen abgerufen (ESuT berichtete hier und hier). In dem Vertrag ist die Lieferung der ersten zwei Systeme für 2025 vereinbart. Damit soll die Amtserprobung erfolgen. Die Lieferung der Seriensysteme soll 2026 beginnen und wird sich je nach Produktionsrate bis 2029 hinziehen.

Im April hatte KNDS bei Rheinmetall die Fahrgestelle und Waffenanlagen L52 im NATO-Standard-Kaliber 155mm bestellt (ESuT reported). Die Fahrgestelle werden von Rheinmetall Landsysteme und die Waffenanlagen von Rheinmetall Weapon and Ammunition hergestellt.

Im Juli 2022 ist bekannt geworden, dass die Ukraine die Produktion und Lieferung von 100 PzH 2000 mit (damals noch) Krauss Maffei-Wegmann vereinbart hat (ESuT reported). Obwohl die Genehmigung zur Lieferung vorliegen soll, sind Fortschritte in dem Vorhaben nicht öffentlich bekannt geworden.

Die PzH 2000 wurde im Zeitraum 1998 bis 2003 in die Bundeswehr eingeführt. Aus der bis heute und zukünftig laufenden Produktion wurden und werden zahlreiche NATO-Länder sowie Katar und demnächst die Ukraine mit mehr als 160 Haubitzen ausgestattet. Kern des Waffensystems ist die 155mm/L52-Kanone mit gezogenem Rohr und automatischem Ansetzer. Der gepanzerte Waffenturm ist auf einem Fahrgestell integriert, das vom Leopard 1 abgeleitet ist und Leopard-2-Baugruppen verwendet. Intern können 60 Geschosse und 2888 Treibladungsmodule mitgeführt werden. Als Antrieb dient ein MTU-Diesel mit 735 kW.  Das BMVg gibt als Schussreichweite mehr als 40 Kilometer an, abhängig von der genutzten Munition.

Neben der Bundeswehr und den ukrainischen Streitkräften nutzen auch die Streitkräfte in Italien, Katar, Litauen, Kroatien, den Niederlanden und Ungarn die Panzerhaubitze 2000.

Gerhard Heiming