Auf der Eurosatory hat KNDS die Weiterentwicklung seines vor zwei Jahre erstmals vorgestellten Kampfpanzerkonzepts Leopard 2 A-RC 3.0 als Technologiedemonstrator präsentiert.
Der Demonstrator Leopard A-RC 3.0 repräsentiert die Vision eines zukünftigen Kampfpanzers mit besatzungslosem Turm. Die Namensgebung leitet sich von der traditionsreichen Leopard-Familie ab, wobei das Kürzel „RC“ für einen ferngesteuerten, unbemannten Turm (Remote Controlled) steht. Die Ziffernfolge „3.0“ signalisiert das grundlegende Besatzungskonzept: Drei Soldaten finden im Fahrgestell Platz, während sich im Turm kein Personal mehr befindet.
Leopard 2 A8-Wanne und besatzungsloser Turm
Das Fahrzeug basiert auf einer modifizierten Wanne des Leopard 2A8. Da der klassische Turmkorb ist entfallen. Im vorderen Bereich der Wanne wurde eine kompakte und hochgeschützte Crew-Kabine (Zitadelle) realisiert. Zwei der Besatzungsmitglieder sitzen dabei direkt unterhalb des Turms. Diese Konzentration der Besatzung in der Wanne ermöglicht optimierte Schutzkonzepte bei gleichzeitiger Gewichtsreduzierung. Selbst bei einem katastrophalen Treffer im Turm (z. B. Munitionsexplosion) hat die Besatzung in der Zitadelle hohe Überlebenschancen.

Das Entwicklungsziel liegt in der Gewichtsklasse von etwa 60 Tonnen oder sogar darunter, um die strategische und taktische Mobilität zu erhöhen. Ein wesentlicher technologischer Wegbereiter für dieses Layout ist die neuartige, dynamische Schnittstelle der Hauptwaffe. Im Gegensatz zu klassischen Systemen gibt es beim Richten der Kanone keinen starren Drehpunkt. Die Bewegung verläuft dynamisch, sodass die Waffe beim Erhöhen oder beim Rücklauf nach einem Schuss nicht in den Wannenraum hineinragt. Als Antrieb dient das bewährte MTU-Triebwerk aus der Leopard-Familie, um eine verlässliche Ersatzteilversorgung und Logistik innerhalb der Nutzerstaaten zu garantieren.
120-mm-Glattrohrkanone und ferngesteuerte Waffenstation
In der gezeigten Konfiguration ist der Demonstrator mit einer standardmäßigen 120-mm-Glattrohrkanone und einem Autolader für rund 20 Schuss ausgestattet. Das Gesamtsystem wurde jedoch modular und skalierbar ausgelegt, sodass zukünftig Kaliberwechsel auf 130 mm oder 140 mm ohne tiefgreifende Änderungen am Lademechanismus möglich sind. Dafür müssen lediglich die Stauboxen verlängert werden.
Eine koaxiale Maschinenkanone ist nicht verbaut. Ihre Rolle übernimmt eine ferngesteuerte Waffenstation auf dem Turmdach, die mit einer 30-mm-Maschinenkanone bestückt ist. Diese dient primär der Abwehr von Bodenzielen und Drohnen. Gesteuert werden die Waffensysteme über ein vierdimensionales Feuerleitsystem von KNDS, das neben den Raumkoordinaten auch die Zeitachse berechnet, um Flugbahnen von hochmobilen Quadrocoptern präzise vorherzusagen.

Polyvalenter Schutz mit passiven und aktiven Elementen
Das Schutz- und Sensorikkonzept bricht radikal mit traditionellen Ansätzen. Zur Maximierung des ballistischen Schutzes wurde vollständig auf klassische Winkelspiegel verzichtet, um Schwachstellen in der Panzerung zu eliminieren. Stattdessen setzt KNDS auf ein rein kamerabasiertes System zur Rundumsicht bei Tag und Nacht (Driving under Protection). Es besteht aus über zehn rund um das Fahrzeug verteilten Sensoren, deren Bilder für die Besatzung fusioniert werden. Für den Fall eines System- oder Stromausfalls existieren mechanische Fallback-Optionen.
Der polyvalente Schutz setzt sich aus ballistischem Schutz mit einer Kombination aus Mehrschichtpanzerung, reaktiver Panzerung und aktivem Schutz (Trophy) mit Radarpaneelen und seitlichen Werfern am Turm zusammen. Zudem verfügt der Turm über integrierte Sensoren zur Erkennung feindlicher Optiken sowie über startbereite Abschussvorrichtungen für Drohnen.
Vollredundante Arbeitsplätze
Der Demonstrator verfügt über acht standardisierte Startbehälter, die je nach Missionsprofil mit Aufklärungsdrohnen oder Loitering Munition bestückt werden können. Die Videodaten der Aufklärungsdrohnen werden direkt an die Arbeitsplätze der Besatzung übertragen.
In der Crew-Kabine sind drei vollredundante Arbeitsplätze installiert. Die Besatzungsmitglieder teilen sich eine zentrale Bedienkonsole, ähnlich wie in einem Luftfahrzeug, und verfügen über individuelle Kontrollgriffe. Dieses universelle Design ermöglicht es, dass jede Aufgabe – einschließlich des Fahrens, der Systembedienung oder der Drohnensteuerung – von jedem Platz aus übernommen werden kann, was auch Hinblick auf zukünftige teilautonome Fahrfunktionen Flexibilität bietet. Frankreich entwickelt parallel auf derselben Fahrgestell-Basis eine eigene Variante mit spezifischen Anpassungen bei der Ergonomie und dem Schutzaufbau. Beide Systeme befinden sich in der operativen Erprobung.
Auf dem Weg zum MGCS
Den Leopard 2 A-RC 3.0 hat KNDS ohne Förderung durch öffentliche Auftraggeber entwickelt. Das Konzept orientiert sich an den bekannten militärischen Forderungen, ausgehend vom Leopard 2 A8 bis zum Forderungskatalog für das zukünftige Main Ground Combat System (MGCS).
In der Bundeswehr ist eine Fähigkeitslücke abzudecken, die entsteht, wenn die aktuellen Leopard 2 A7-Varianten ihr Lebensdauerende erreichen bis zur Einführung des MGCS, die frühestens nach der Mitte der 2040er Jahre erwartet wird. Eine Entscheidung über die Vorgehensweise soll um den Jahreswechsel 2026/2027 veröffentlicht werden. Derzeit sind auf der Amtsseite Begriffe wie Übergangs-, Zwischen- oder Brückenlösung verpönt.
Gerhard Heiming














