
Rheinmetall liefert für 5,7 Milliarden Euro Kampffahrzeuge, Luftverteidigungssysteme und Schiffe an Rumänien
Gerhard Heiming
Das rumänische Verteidigungsministerium hat über seine Generaldirektion für Rüstung am 29. Mai vier strategische Beschaffungsverträge mit Tochtergesellschaften des Rheinmetall-Konzerns unterzeichnet. Wie das Ministerium am selben Tag mitgeteilt hat, wurde mit der Unterzeichnung die gesetzliche Frist für die Finanzierung der Verträge über das europäische Finanzierungsprogramm SAFE eingehalten. und hielt die gesetzliche Frist des 30. Mai 2026 ein.
Rumänien hat über SAFE-Kredite in Höhe insgesamt 16,7 Milliarden Euro beantragt und ist damit nach Polen (44 Milliarden Euro) der zweitgrößte Nutznießer des Programms. 9,5 Milliarden Euro will Rumänien für die Modernisierung der rumänischen Streitkräfte und der zugehörigen Infrastruktur einsetzen.
Für die Kredite gilt eine tilgungsfreie Karenzzeit von zehn Jahren. Danach ist das Darlehen in bis zu 45 Jahren zurückzuzahlen. Das ist ein Zeithorizont bis etwa 2070.
298 Schützenpanzer Lynx
Den Schwerpunkt bildet der Rahmenvertrag über die Beschaffung 298 Schützenpanzern Lynx KF41 mit der Rheinmetall Automecanica SRL, einem Joint Venture von Rheinmetall mit dem rumänischen Fahrzeugausrüsters Automecanica Mediaș, an dem Rheinmetall 72,5 Prozent der Anteile hält.
Rumänien will den Lynx in einer großen Anzahl verschiedener Versionen beschaffen und damit die schweren Infanteriebataillone der Landstreitkräfte modernisieren. Der Vertrag ist mit 3,3 Milliarden Euro dotiert. Ein Zeitplan wurde für alle Vereinbarungen nicht bekannt gemacht.
Skynex, Skyranger, Millenium NBS und Munition
Für den Bereich der Luftverteidigung wurde ein Vertrag über knapp 982 Millionen Euro netto mit Rheinmetall Italia S.p.A. geschlossen, in dem die Lieferung von sieben Skynex-Systemen für die Abwehr von Raketen sowie Artillerie- und Mörsermunition (CRAM) und von besatzungslosen Flugsystemen (CUAS), zwei mobilen Skyranger 35-Luftabwehrsystemen mit sehr kurzer Reichweite sowie zwei Millenium-Nahbereichssystemen vereinbart ist.
Letzeres ist ein ferngesteuertes 35mm-Revolvergeschütz (Oerlikon Millenium Gun) mit extrem hoher Kadenz zur Abwehr von Schwärmen schnellfahrender, besatzungsloser Boote oder Drohnen. Diese Einheiten sollen den unmittelbaren Schutz von Truppen, Infrastruktur und Schiffen gewährleisten.
Flankiert wird diese Modernisierung der Flugabwehr durch einen Vertrag mit der Rheinmetall Waffe Munition GmbH über knapp 450 Millionen Euro netto zur Beschaffung von 401.760 Schuss 35-mm-AHEAD-Munition, um die Kampfvorräte gegen Drohnen und andere Luftziele aufzustocken. AHEAD ist programmierbare Luftsprengmunition, die nach einprogrammierter Flugzeit detoniert und eine dreistellige Anzahl von Wolfram-Subprojektilen in einer tödliche Wolke ausstößt.
Patrouillenschiffe und Tauchrettungsboote
Der vierte Vertrag betrifft die Beschaffung von zwei See-Patrouillenschiffen und zwei Tauchrettungsbooten. Dies ist einer der ersten Verträge, die die neue Naval Division von Rheinmetall abschließen konnte. Die Rumänen nennen als Auftragnehmer des 920 Millionen-Euro-Vertrags die NVL B.V. & Co. KG., die in der Division aufgegangen ist. Mit den seegehenden Einheiten soll ein Beitrag zum Schutz der EU- und NATO-Seegrenzen geleistet werden.
Beschleunigter Modernisierungsprozess
Das Ministerium betont, dass der erfolgreiche Abschluss aller Abkommen trotz komplexer verfahrenstechnischer und kommerzieller Hürden realisiert wurde, um den Modernisierungsprozess der Streitkräfte angesichts der aktuellen regionalen Sicherheitslage beschleunigt voranzutreiben.
Gerhard Heiming



















