Von der Planung in Krisenzeiten bis hin zur Unterstützung der Streitkräfte in einem potenziellen Konflikt – bei der NATO-Übung STEADFAST FOXTROT 2026 trainiert das Bündnis, wie es seine Truppen verlegt, versorgt und einsatzbereit hält, wenn es darauf ankommt.
Jedes Jahr lädt das Allied Joint Support and Enabling Command (JSEC) zur Übung STEADFAST FOXTROT mit Schwerpunkt „Enablement“. 2026 kommen noch die Anteile „Einsatzunterstützung“ und „Sanitätsdienst“ hinzu, sowie ein Vorüben des Einsatzkonzeptes zur Verstärkung durch Truppen (Reinforcement by Forces) und zur Sicherstellung der Durchhaltefähigkeit (sustainment flow).
Der koordinierte Truppeneinsatz von 32 Bündnispartnern stellt eine Herausforderung dar, insbesondere im Hinblick auf das gestaffelte „New Force Model“ der NATO – eine Aufgabe, für die das JSEC eingerichtet wurde. Aber damit ist die Arbeit noch nicht getan. Neben der Notwendigkeit, stets auf einen Plan B zurückgreifen zu können und auf den „Nebel des Krieges“ vorbereitet zu sein, müssen Einsatzkräfte so lange unterstützt werden, bis die Rückverlegung an ihren jeweiligen Heimatstützpunkt abgeschlossen ist.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Die Übung STEADFAST FOXTROT, die dieses Jahr vom 17. bis 26. März stattfinden wird, bietet Jahr für Jahr die Gelegenheit, festgelegte Verfahren einzuüben, die in den verschiedenen Planungen enthaltenen Informationen zu überprüfen sowie Verbesserungsmöglichkeiten herauszuarbeiten. Kurz gesagt hat das JSEC sicherzustellen, dass die richtigen Kräfte zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind, um dort dann vollumfänglich zu wirken.
Dazu müssen alle Bündnispartner Informationen beisteuern, da es sich bei dem Vorhaben um ein datenzentriertes Projekt handelt, was ebenfalls auf die Arbeit des JSEC zutrifft. Die Übung stellt auch die Robustheit des etablierten Reinforcement and Sustainment Network (RSN) auf den Prüfstand. Dies ist erforderlich, damit Kampfkraft und Einsatzunterstützung dort ankommen, wo sie benötigt werden.
Das RSN erwächst aus den Bedarfen der NATO-Planungsreihe über alle Dimensionen und regionalen Schwerpunkt hinweg. Im Krisen- und Konfliktfall ist das Netzwerk stark beansprucht und umkämpft. Vor diesem Hintergrund ist ein robustes und belastbares Netzwerk unabdingbar, um eine kontinuierliche Einsatzunterstützung gewährleisten zu können.
Bereits heute beobachten wir eine Bedrohung unserer Netzwerke, seien es Eisenbahnnetze, Versorgungsketten oder Cyber-Netzwerke. Im Bewusstsein dieser Herausforderungen ist die dauerhafte Unterstützung der Kräfte im Einsatz im Voraus zu planen, zu prüfen und anzupassen, während parallel dazu die Nationen daran arbeiten, den Routinebetrieb weiterhin ohne größere Einschränkungen aufrechtzuerhalten.
Eine Herausforderung besteht darin, dass das Netzwerk nicht als festes Konstrukt eingeplant werden kann. Es muss eine flexible Nutzung und Alternativen ermöglichen, damit Kapazitätseinbußen und Teilverluste des Netzwerkes durch Angriffe aufgefangen werden können.
Aus logistischer Sicht muss das Netzwerk den Personal- und Materialfluss sicherstellen, aber auch die Lagerung – einschließlich der Vorausstationierung – sowie die Verteilung der benötigten Nachschubklassen, vor allem Kraftstoffe, Munition und militärisches Gerät. Um diesen Ansatz zu unterstützen, trägt die Übungsserie STEADFAST FOXTROT zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft alliierter Kräfte und somit ihrer Durchhaltefähigkeit bei.

Einsatzunterstützung im Fokus
Im März wird es im Rahmen von STFX eine Planübung zur Einsatzunterstützung (Sustainment Wargame) geben, die erstmals in den iterativen Prozess zur Weiterentwicklung des RSN einfließt. Die Teilnehmer können in einer fehlertoleranten Umgebung agieren und interagieren und gewinnen so Erkenntnisse, von denen wiederum Prozesse und Verfahren profitieren, die bei Bedarf ein deutlich besseres Verständnis für komplexe Rahmenbedingungen ermöglichen.
Die Koordinierung aller (auch ziviler) Akteure ist ein komplexes Unterfangen, das ständiges Üben mit dem Ziel einer fundierteren Vorbereitung und einer Steigerung der Einsatzbereitschaft erforderlich macht. Eine Planübung bietet den Beteiligten die Möglichkeit, Entscheidungsprozesse unter dem Eindruck von Friktionen einzuüben, die im Zuge der Übungsdynamik entstehen. Auf der Grundlage eines intensiven Zusammenwirkens sind im Rahmen der Planübung dann Rückschlüsse auf die getroffenen Entscheidungen möglich.
Darüber hinaus verbessern regelmäßige Übungen wie STEADFAST FOXTROT das Zusammenspiel zwischen allen teilnehmenden militärischen Hauptquartieren auf strategischer, operativer und taktischer Ebene sowie auch die Interaktion mit zivilen Akteuren, beispielsweise bei der Erbringung von Dienstleistungen oder der Unterstützung von Einsätzen durch Vertragsfirmen.

Abschreckung durch Vorbereitung
Der Einwurf, dass Logistik keine Kriege gewinnen kann, ist durchaus berechtigt. Tatsächlich ist es aber so, dass die Logistik nicht einfach nur im Hintergrund läuft, um militärische Aktionen in einem Konflikt zu ermöglichen. Der Schwerpunkt des JSEC zeigt sich mit der Vorbereitung des Einsatzgebietes bereits im Frieden. Dadurch wird die NATO erst in die Lage versetzt, jegliche Aggression abschrecken und das Bündnisgebiet im Ernstfall verteidigen zu können. Die Einsatzunterstützung ist ein wesentlicher Bestandteil des Enablement im Verantwortungsbereich des Obersten Alliierten Befehlshabers Europa (Supreme Allied Commander Europe/SACEUR), und umfasst auch eine entsprechende Bevorratung und solide Versorgungswege.
Auch wenn das JSEC nicht für die nationale Einsatzunterstützung verantwortlich ist, stellt es doch den Versorgungsfluss im bündnisweiten RSN sicher. Vor diesem Hintergrund ist es von größter Bedeutung, bereits vor der Koordinierung von Versorgungsflüssen im gesamten Bündnisgebiet ein Verständnis für nationale Planungsabläufe zu entwickeln.
Die Einsatzunterstützungsübung im Rahmen von STFX26 ist ein wichtiger Meilenstein, um die Einsatzbereitschaft zu erhöhen, ein besseres Verständnis für die logistische Lage innerhalb des Bündnisses zu entwickeln und die Vorbereitung auf die Übung STEADFAST DEFENDER 2027 voranzutreiben.

Drehscheibe der NATO‑Verstärkung: Das JSEC
Das Allied Joint Support and Enabling Command (JSEC) in Ulm ist das NATO‑Kommando, das die Befähigung, Verlegung und Unterstützung von Bündniskräften im Verantwortungsbereich des Supreme Allied Commander Europe koordiniert. Dieser Raum reicht von der nordamerikanischen Ostküste bis ins Baltikum und von Polen bis zur Türkei.
In einem Szenario kollektiver Verteidigung könnten sich bis zu eine Million Soldaten durch Europa bewegen. Damit diese Verstärkung funktioniert, synchronisiert das 2018 gegründete Kommando unter Generalleutnant Kai Rohrschneider die militärischen und zivilen Abläufe, die dafür nötig sind.
Das JSEC ist kein klassisches Hauptquartier mit eigenen Truppen, sondern ein Fachkommando, das Schnittstellen ordnet, Verfahren harmonisiert und die Zusammenarbeit mit Partnern koordiniert. Seine Struktur mit Bereichen für Operationen, Unterstützung und Planung ermöglicht die enge Verzahnung mit anderen NATO‑Hauptquartieren.
Kern seiner Arbeit ist das Reinforcement and Sustainment Network (RSN) – ein Netzwerk aus Infrastruktur, Verfahren, Gesetzen und Verträgen, das militärische Bewegungen ermöglicht. Das JSEC entwickelt dieses Netzwerk gemeinsam mit den Nationen weiter und sorgt dafür, dass Europa im Ernstfall schnell, sicher und durchhaltefähig verstärkt werden kann.
Mario Karnstedt
Autor: Oberst i.G. Mario Karnstedt ist Branch Head Supply & Service in der Abteilung J4 des Bereichs Unterstützung des Allied Joint Support and Enabling Command (JSEC Support J4).














