Der Konflikt im Nahen Osten hat sich in einen Krieg mit weitreichenden geopolitischen Konsequenzen ausgeweitet. Der großangelegte Angriff der USA und Israels gegen den Iran wirkt sich auf die Machtverhältnisse in der Region aus. Unsere Zusammenfassung zeigt von den USA und Israel genutzte Systeme, Taktiken und getroffenen Ziele im Iran.

Am frühen Morgen des 28. Februar autorisierte die US-Regierung die unter dem Namen Operation „Epic Fury“ geführte Offensive, die von israelischer Seite als Operation „Roaring Lion“ flankiert wird. Die von den USA und Israel verfolgte Strategie teilt sich dabei nach militärischen Stärken auf: Während Israel sich primär auf die sogenannte Enthauptung der iranischen Führungsriege konzentriert, fokussieren sich die US-Streitkräfte auf die systematische Degradierung militärischer Fähigkeiten und Infrastruktur.

Bei den initialen Angriffen am vergangenen Samstag wurden Ziele in Teheran, Isfahan, Ghom, Karadsch und Kermānschāh getroffen. Seit Beginn des Angriffs wurden laut militärischen Angaben mehr als 2.000 Ziele innerhalb des Irans bekämpft. Allein die israelische Luftwaffe führte über 1.600 Einsätze durch und warf dabei rund 4.000 Munitionskörper ab.

Die initiale Bombardierungskampagne wurde von einem Großteil des US-Luftwaffenarsenals eingeleitet. Laut CENTCOM kamen unter anderem die Plattformen F-16, F/A-18, A-10, F-35C sowie F-22 zum Einsatz. Dabei starteten die Kampfflugzeuge teils von US-Stützpunkten und aus Israel sowie von Trägerplattformen. Nach Angaben von CBS News wurden, wie bei der Operation „Midnight Hammer“ im letzten Jahr, auch mehrere B-2 Spirit Tarnkappenbomber eingesetzt, um iranische Kontroll- und Kommandostrukturen (C2) sowie Waffenlager und Produktionsstätten zu zerstören.

Abschuss eines Tomahawk-Marschflugkörpers von der USS Thomas Hudner auf Ziele im Iran. Foto: DVIDS / U.S. Navy

Typische Munitionstypen für die durchgeführten kooperativen Luftoperationen umfassen beispielsweise die AGM-154 Joint Standoff Weapon, Blue-Sparrow-Raketen sowie 500-, 1.000- und 2.000-Pfund-Bomben. Bemerkenswert ist auch der erste operative Einsatz von LUCAS-Einwegdrohnen, die als 1:1-Kopie der iranischen Shahed-136 gelten, gegen Ziele im Iran.

Neben der Domäne Luft projizierten US-Marineverbände Wirkmittel bis in das iranische Inland. Für kinetische Schläge gegen iranische Führungseinrichtungen, Waffendepots und Marinebasen setzten die US-Streitkräfte in großem Umfang Tomahawk-Marschflugkörper ein. So bestätigten Aufnahmen der US-Navy den Abschuss seegestützter Tomahawk-Marschflugkörper von mehreren Lenkwaffenzerstörern der Arleigh-Burke-Klasse.

Operative Ziele und verifizierte Treffer

Die Eröffnungsschläge trafen das politische und militärische Machtzentrum der Islamischen Republik schwer. Bei einem gezielten Angriff auf den Führungskomplex kamen der Oberste Führer Ali Chamenei sowie mehr als 40 hochrangige Regierungs- und Militärvertreter ums Leben. Möglich gemacht wurde diese präzise Ausschaltung durch intensive geheimdienstliche Aufklärung.

Gegenüber der „Financial Times“ gaben Stellen des israelischen Geheimdienstes an, dass die CIA in Kooperation mit dem Mossad Chamenei über ein gehacktes Netzwerk von Verkehrskameras in Teheran lokalisierte. Die völkerrechtswidrige Eliminierung der Führungsspitze hat laut Sicherheitsexperten eine unmittelbare Nachfolgekrise ausgelöst, in der verschiedene Kleriker-Fraktionen und die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) um die Kontrolle ringen. Derzeit läuft ein Auswahlverfahren zur Bestimmung eines neuen Obersten Führers durch den sogenannten iranischen Expertenrat.

Die israelischen Streitkräfte veröffentlichten operative Aufnahmen von multiplen iranischen Raketenwerfern, die durch Luftangriffe zerstört wurden. Foto: X/IDF

Neben den Erstschlägen auf Führungsstrukturen rückten vor allem in den folgenden Tagen iranische Abschussrampen in den Fokus der Angriffe. Nach eigener Aussage haben die israelischen Streitkräfte dabei bis zum dritten März über 300 iranische Raketenwerfer zerstört. Auch die nukleare Infrastruktur, darunter das Hauptquartier der iranischen Atomenergiebehörde in Teheran sowie Forschungsanlagen in Parchin und Isfahan, erlitt massive Schäden. Eine kritische Variable bleibt der Kernreaktor in Buschehr. Zwar gab es dort bislang keine bestätigten direkten Treffer, jedoch hat der russische Betreiber Rosatom bereits einen Großteil seines Personals sicherheitshalber evakuiert.

US-Schläge gegen maritime Kapazitäten

Darüber hinaus richteten sich die Schläge massiv gegen die maritimen Kapazitäten Teherans. Das US-Militär bestätigte die Neutralisierung aller elf zuvor im Golf von Oman aktiven iranischen Kriegsschiffe. Treffer wurden unter anderem in den Einrichtungen Konarak und Bandar Abbas bestätigt. Auch der Kampfdrohnenträger „Shahid Bahman Bagheri“ soll im Zuge dessen versenkt worden sein.

Ob die komplette Flotte von Großkampfschiffen tatsächlich versenkt wurde und welche Konsequenzen das für die Blockadefähigkeiten in der Straße von Hormus nach sich zieht, blieb zunächst unklar. Die iranische Marine verfügt zusätzlich zu konventionellen Kriegsschiffen über eine große Anzahl von kleineren, bewaffneten Patrouillenbooten, die oft in Schwarmformationen eingesetzt werden.

Offizielle US-Stellen deklarieren die gesamte Kampagne derzeit als auf vier bis fünf Wochen angelegt. Wobei das erklärte politische Ziel ein Regimewechsel im Iran von innen heraus bleibt.

Jannis Düngemann