Die amerikanisch-israelischen Luftangriffe gegen das Regime in Teheran waren militärisch äußerst erfolgreich. Die Machtpläne der islamischen Republik sind vorerst zerstört. Dabei wähnte sich der Iran noch vor Kurzem in einer günstigen Lage.
Wenn Sie auf diesen Beitrag gegangen sind, um eine einfache Erklärung für den Beginn und das wahrscheinliche Ende des aktuellen Krieges im Nahen Osten zu finden, müssen wir Sie leider enttäuschen. Es gibt niemals eine einfache Erklärung für einen Krieg im Nahen Osten. Die Wurzeln dieses Konflikts ließen sich, wenn man wollte, bis ins siebte Jahrhundert zurückverfolgen.
Was wir hier erleben, ist das Aufeinandertreffen von Geschichte, Religion, Ideologie und dem Wunsch nach regionaler Vorherrschaft. Stellen Sie sich vor, es gäbe eine dominante Regionalmacht im Nahen Osten, die den Öl- und Gaspreis diktieren könnte. Ein Land, das die globalen Öl- und Gaslieferungen unterbrechen und die Seewege im Arabischen Meer, im Roten Meer und sogar im Indischen Ozean stören könnte. Ein solches Land hätte immense regionale und globale Macht.
Die Träume der islamischen Republik liegen in Trümmern
Die aktuellen Ereignisse markieren das Ende einer historischen Phase, in der ein Land die strategische Lage im Nahen Osten und darüber hinaus verändern wollte. Ein Land, das darauf hinarbeitete, zur Regionalmacht aufzusteigen. Sicher ist nur, dass diese Träume, Iran in diesen Rang zu versetzen, durch die Luftangriffe der USA und Israels vorerst in Trümmern liegen.

Ungewiss ist, was als Nächstes geschieht, ob sich das Regime in Teheran an der Macht hält – oder ob es fallen wird. Zugleich gibt es die Möglichkeit, dass der Iran in seiner gewohnten Einheit zerfällt, weil ethnische Minderheiten wie Araber, Aserbaidschaner, Belutschen und Kurden versuchen könnten, sich von Teheran zu lösen.
Tatsächlich hätte alles ganz anders verlaufen können. Im Jahr 2023 schienen die Umstände den Iran zu begünstigen und deuteten darauf hin, dass Teheran und seine Verbündeten im Nahen Osten an Macht und Einfluss gewinnen würden. Die US-Regierung von Joe Biden schien an der gescheiterten Beschwichtigungspolitik der Obama-Ära festzuhalten; die Sanktionen wurden gelockert, und das iranische Atomprogramm konnte ungestört vom Druck der USA weitergeführt werden. Europa wiederum folgte den USA in der Beschwichtigungspolitik gegenüber Iran, wobei einige Länder die Handelsbeziehungen stärken wollten und dabei die entsetzliche Menschenrechtslage in Iran ignorierten.
Iran und China – eine Win-win-Situation
Derweil hatte sich Teheran zu einem wichtigen Öllieferanten Chinas entwickelt und war im Gegenzug ein bedeutender Abnehmer chinesischer Exporte. Diese Vereinbarung kam beiden Seiten zugute: Iran gewann einen sicheren Abnehmer für sein Öl, und Peking bot Teheran diplomatischen Schutz. Auch für China war es ein Gewinn, weil es seinen Ölbedarf decken und einen abhängigen Markt für seine Waren und Dienstleistungen gewinnen konnte. Iran kaufte zudem chinesische Rüstungsgüter.
Russland wurde zu einem weiteren wichtigen Partner für Iran; beide Seiten teilten strategische Ziele, vor allem die Unterstützung des Assad-Regimes in Syrien, und waren bestrebt, die USA aus dem Nahen Osten herauszuhalten. Russland war außerdem eine äußerst wichtige Quelle für Rüstungsgüter und -technologie für Iran. Zu den eher ungewöhnlichen Partnern Irans zählten das Maduro-Regime in Venezuela und Nordkorea, ein wichtiger Lieferant von Raketen- und Verteidigungstechnologie – beides Länder, die man wohl kaum mit einem streng religiösen Regime in Verbindung bringen würde.
Die fundamentale Nuklearfrage
Obwohl der Iran dies nie öffentlich zugegeben hat, verfolgt das Regime ein langfristiges Programm zur Entwicklung von Atomwaffen und parallel dazu verschiedene Trägersysteme für ballistische Raketen. Aus Sicht des Regimes in Teheran war der Besitz von Atomwaffen und eines effektiven Trägersystems ein zentrales strategisches Ziel. Man betrachtete das Schicksal Saddam Husseins im Irak und kam zu dem Schluss, dass das irakische Regime niemals gestürzt worden wäre, hätte es über Atomwaffen verfügt. Atomwaffen sind das ultimative Abschreckungsmittel – wer würde schon das Risiko eingehen, einem atomar bewaffneten Iran direkt gegenüberzutreten?
Ein atomar bewaffneter Iran würde die Sicherheitslage im Nahen Osten massiv destabilisieren. Die Unvermeidbarkeit, dass der Iran nukleare Erpressung einsetzen wird, um seine Ziele zu erreichen, liegt auf der Hand. Hinter seinem nuklearen Schutzschirm könnte er entweder direkt oder über Stellvertreter wie die Hisbollah, die Hamas und die Huthis versuchen, die Golfstaaten zu destabilisieren, was zu einem Anstieg der globalen Ölpreise und den damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden führen könnte. Es könnte versuchen, die seit Jahren gegen Israel gerichtete Vernichtungsrhetorik in die Tat umzusetzen und Atomwaffen einzusetzen.
Die Folgen eines atomar gerüsteten Irans
Ein atomar bewaffneter Iran könnte die strategische Landkarte des Nahen Ostens grundlegend verändern. Für Israel wäre ein atomar bewaffneter Iran völlig inakzeptabel, ebenso für Saudi-Arabien, das keine andere Wahl hätte, als sich selbst nuklear abzusichern. Andere Staaten der Region würden diesem Beispiel folgen, und ein nukleares Wettrüsten im Nahen Osten würde Realität werden.
Die Bemühungen der USA und der internationalen Gemeinschaft, das iranische Atomprogramm zu stoppen, blieben erfolglos. Trotz umfangreicher diplomatischer Anstrengungen, Beschwichtigungspolitik und sogar Sanktionen setzte der Iran sein Atomprogramm unter Verstoß gegen internationale Regeln fort. Man kann wohl annehmen, dass das iranische Regime glaubte, es könne die diplomatischen Bemühungen manipulieren und minimale oder bedeutungslose Zugeständnisse machen, um endlose Verhandlungen so lange fortzusetzen, bis es sich offiziell zur Atommacht erklärt.
Andere wollten nicht tatenlos zusehen, wie Iran auf Atomwaffen zusteuerte. Israel führte eine umfassende Kampagne zur Informationsbeschaffung und direkten Bekämpfung des iranischen Atomprogramms durch. Dabei wurde es von regimekritischen Kräften im Iran unterstützt. Über Jahre hinweg beschaffte und schmuggelte Israel eine vollständige Sammlung von Dokumenten zum Atomprogramm aus dem Iran. Zudem wurde Israel für die ungeklärten Todesfälle zahlreicher hochrangiger Personen verantwortlich gemacht, die mit dem iranischen Atomprogramm in Verbindung standen. Jahr für Jahr zeichnete der israelische Geheimdienst ein umfassendes Bild der Schlüsselfiguren in den iranischen politischen und militärischen Kreisen.
Von „Rising Lion“ bis „Midnight Hammer“
Die iranische Führung war stets davon ausgegangen, Operationen gegen Israel, die USA und westliche Interessen im Nahen Osten ohne größere Konsequenzen planen und finanzieren zu können. Die Mullahs hatten sich darin geirrt. Israel führte im Juni 2025 die Operation „Rising Lion“ durch, die später, vom 13. bis 24. Juni, als „Zwölf-Tage-Krieg“ bekannt wurde. Zu den Zielen gehörten Atomanlagen, Produktionsstätten für chemische Waffen, Militärhauptquartiere, Raketenproduktionszentren und -stützpunkte, weitere Ziele der Rüstungsindustrie, Luftwaffenstützpunkte und bodengestützte Luftverteidigungssysteme. Auch hochrangige Offiziere der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) und der iranischen Streitkräfte, Geheimdienst- und Spezialkräfte sowie Wissenschaftler, die am Atomprogramm beteiligt waren, wurden angegriffen.
Doch damit nicht genug: Am 22. Juni 2025 startete das US-Militär die Operation „Midnight Hammer“, einen Angriff auf wichtige iranische Atomanlagen – die Urananreicherungsanlage Fordow, die Atomanlage Natanz und das Nukleartechnologiezentrum Isfahan. Dabei entstanden erhebliche Schäden. Die USA setzten Israel daraufhin unter Druck, die Operation „Rising Lion“ zu stoppen, und stellten ihre eigenen Operationen ein. Vermutlich glaubten sie, die iranische Führung würde die Botschaft verstehen und erkennen, dass sie ihre Atomwaffenprogramme und die dazugehörigen Trägersysteme nicht weiterführen konnte. Diese Annahme erwies sich als falsch.
Offenbar begann das Regime in Iran, parallel zu den Atomgesprächen mit den USA die Atomanlagen in Fordow, Natanz und Isfahan wieder hochzufahren. Anfang Februar berichtete die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), dass der Iran über einen Bestand von 440 Kilogramm hochangereichertem Uran verfüge. Es wurde deutlich, dass es dem Iran trotz der Angriffe auf seine nukleare Infrastruktur offenbar gelungen war, separat insgesamt 10.000 Kilogramm nukleares Material zu sichern und immer noch über eine einsatzfähige Urananreicherungskapazität verfügte.
Das Regime in Teheran hat Trump provoziert
Schier unglaublich ist, dass iranische Vertreter später laut hochrangigen US-Unterhändlern zugaben, über 460 Kilogramm zu 60 Prozent angereichertes Uran zu verfügen, das innerhalb von sieben bis zehn Tagen auf bis zu 90 Prozent waffenfähiges Uran angereichert werden könne. Dies reiche, so behaupteten sie, für elf Atomsprengköpfe. Sie gaben außerdem an, 1.000 Kilogramm zu 20 Prozent angereichertes Uran zu besitzen, das innerhalb von 21 bis 28 Tagen waffenfähig angereichert werden könne. Ob dies die US-Unterhändler einschüchtern und zu einem für Iran günstigen Abkommen bewegen sollte, ist unklar. Klar ist jedoch, dass der Iran die Verhandlungsgespräche mit den USA offenbar völlig falsch eingeschätzt hat. Vermutlich war dies der Auslöser für die Missionen „Epic Fury“ und „Roaring Lion“.
Nachdem das Regime in Iran rund 30 Jahre lang US-amerikanische und europäische Diplomaten erfolgreich an der Nase herumgeführt hatte, um sein Atomprogramm zu schützen, beging das Land schließlich einen katastrophalen Fehler. Zuzugeben, dass man innerhalb weniger Wochen kurz davor stand, über ein vollständiges Atomwaffenarsenal und nachweislich auch über ein Trägersystem zu verfügen, konnte nur als eine inakzeptable Provokation aufgefasst werden. Man musste kein Genie sein, um zu erkennen, dass eine Provokation Trumps verheerende Folgen haben würde.
Wie geht es nun weiter? Die fortgesetzten Luftangriffe gegen Ziele der Regimeführung waren äußerst erfolgreich. Es ist offensichtlich, dass die US-amerikanischen und israelischen Streitkräfte über ein umfassendes Lagebild des iranischen Regimes, seiner Schlüsselfiguren und deren Aufenthaltsorte verfügen. Dies wird jedoch weder iranische Angriffe auf Ziele in der gesamten Region noch Angriffsversuche durch iranische Proxys verhindern.
Das Netzwerk des Terrorregimes in Europa
Die iranischen Raketen- und Drohnenstreitkräfte unterstehen der Revolutionsgarde (IRGC), der Prätorianergarde des iranischen Klerikerregimes. Sie werden den Kampf fortsetzen. Die Macht und das Ansehen der IRGC sowie das Überleben ihrer Mitglieder hängen von deren Bereitschaft ab, weiterzukämpfen und das Regime zu stützen. Neben Raketen und Drohnensystemen betreibt die IRGC auch Kampfflugzeuge und verfügt über eine eigene Marine. Die IRGC kann den Kampf noch geraume Zeit fortführen, weil sie über reichlich Raketen- und Drohnenvorräte verfügt. Zwar mag ihren Aktionen derzeit kein strategischer Plan zugrunde liegen, doch sie haben eine Zielliste.
Die IRGC galt auch als die Dachorganisation für iranische Auslandsoperationen. Über die Jahre hinweg hat der Iran Attentate auf Regimegegner in ganz Europa verübt, während iranische Stellvertreter Ziele mit Verbindungen zu Israel in Europa angegriffen haben. Hamas- und Hisbollah-Zellen existieren in Europa; so entdeckte Österreich beispielsweise letztes Jahr ein Waffenlager der Hamas – womöglich eine Grundlage für Terroranschläge in Europa. Iranische Agenten pflegen zu diesen Zwecken gewachsene Verbindungen zu kriminellen Organisationen.
Wenn die europäischen Regierungen nicht äußerst vorsichtig agieren, wird sich das, was in diesen Tagen im Nahen Osten geschieht, nicht auf den Nahen Osten beschränken. Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits spürbar; im schlimmsten Fall könnte der vom Iran unterstützte Terrorismus erneut Europa heimsuchen. Ob es will oder nicht, Europa ist Teil dieses Konflikts.
David Saw















