Iran, Venezuela, Grönland – vor der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) scheint der Krieg in der Ukraine in den Hintergrund zu geraten. Russland rückt entlang der Front in der Ukraine vor und weitet seine hybride Kriegführung gegen europäische Staaten aus, konstatiert der Munich Security Report 2026. Zugleich aber sagen sich die USA von der „Wertegemeinschaft“ NATO los und schüren mit aggressiver Rhetorik das Unsicherheitsgefühl in Europa.
Barroso sieht Europa gerade jetzt vor einer Bewährungsprobe
Die Ukraine ringt ob der globalen Kriege und Krisen um Aufmerksamkeit. In den vergangenen vier Kriegsjahren hatte das Land immer die Hauptrolle auf der Münchner Sicherheitskonferenz, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. „Diesmal wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht mehr so sehr im Mittelpunkt stehen – auch wenn der russische Angriffskrieg ein wichtiges Thema bleibt.“
José Manuel Barroso, ehemaliger Präsident der EU-Kommission, setzte vor Beginn der Sicherheitskonferenz an diesem Freitag (13. Februar) einen anderen Ton. „Die Ukraine hat für mich oberste Priorität“, sagte der heutige Unternehmensberater in einem Pressegespräch zur europäischen Verteidigungsfähigkeit. Barroso sieht Europa gerade jetzt vor einer Bewährungsprobe: „Werden wir in der Lage sein, die Ukraine zu schützen oder nicht?“ In Europa gebe es ein Bewusstsein für die Bedrohungen, jetzt müssten die Regierungen jedoch auch handeln.
Sybiha: „Nur Trump kann den Krieg beenden“
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich erneut zur Münchner Sicherheitskonferenz angesagt. Am Freitagabend steht zunächst die Frage der „Security Guarantees for Ukraine“ auf der MSC-Agenda, die „Sicherheitsgarantien für die Ukraine“. Zugesagt hat auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha. Nach seinen Worten habe nur US-Präsident Donald Trump die Macht, einen Frieden für die Ukraine herbeizuführen. „Nur Trump kann den Krieg beenden.“

Vor vier Jahren hatten die USA in München vor einem russischen Angriff auf die Ukraine gewarnt – kaum jemand wollte das Mitte Februar 2022 in dieser Tragweite für möglich halten. Wenige Tage später schlug Wladimir Putin zu. Seitdem verteidigt sich die Ukraine gegen den russischen Aggressor, unter hohen Verlusten.
Sicherheitsexperte Lange fordert „Druck auf Putin“
Barroso riet vor der MSC 2026 dazu, die mitunter gewaltig gestiegenen Verteidigungsausgaben als Investition in das Wachstum Europas zu sehen. „Innovationen finden inzwischen hauptsächlich in der Ukraine statt“, erklärte der frühere Premierminister Portugals. Die wichtigsten europäischen Rüstungs-Start-ups seien häufig mit der Ukraine verbunden. Darin liege eine Chance – über die Verteidigungswirtschaft hinaus.
Mit Blick auf die Verhandlungen mit Russland über ein Ende des Krieges in der Ukraine erwarten Sicherheitsexperten in München keine allzu großen Impulse. „Wenn nur die Hälfte der starken Worte der Europäer in echten Druck auf Putin umgesetzt werden würden, hätten wir längst Frieden“, sagte Nico Lange in einem Gespräch mit dieser Redaktion.
Die russische Regierung wird auch dieser Münchner Sicherheitskonferenz fernbleiben. Sie habe kein Interesse an einer Teilnahme signalisiert, erklärte Veranstaltungsleiter Wolfgang Ischinger zu Wochenbeginn. „Keinen Mucks habe ich gehört.“
Florian Pfitzner


















